Ein Entwickler hat ein Präsentationsprogramm gebaut, das ohne Cloud, ohne Konto und ohne Installation auskommt. Die komplette Software steckt in einer einzigen HTML-Datei von rund 560 Kilobyte, die zugleich Editor, Betrachter und Datenspeicher ist. Für Unternehmen, die ihre Folien nicht auf US-Servern ablegen wollen, ist das mehr als eine Spielerei.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine einzige HTML-Datei genügt, ein Doppelklick darauf, und schon läuft die Präsentation offline und ohne Login. Das quelloffene Projekt Bento packt eine ganze Folien-App in genau ein File und stellt damit die Frage, warum wir für ein paar Charts überhaupt ein Cloud-Abo brauchen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bento speichert eine komplette Präsentation samt Editor, Charts und Animationen in einer einzigen HTML-Datei von rund 560 KB.
- Die Folien liegen als lesbares JSON in der Datei, der Programmcode als komprimierter Block daneben, ganz ohne Server.
- Gemeinsames Bearbeiten läuft Ende-zu-Ende-verschlüsselt direkt zwischen den Beteiligten, nicht über eine zentrale Cloud.
- Der Code steht unter der MIT-Lizenz frei auf GitHub.
Was in dieser einen Datei steckt

Der Trick liegt im Aufbau des Files. Ganz oben steht ein lesbarer JSON-Block mit den Folieninhalten, den man mit jedem Texteditor öffnen, durchsuchen oder maschinell auslesen kann. Darunter folgt die eigentliche App als komprimierter Datenblock, den der Browser beim Öffnen selbst entpackt.[1] Die Datei ist die Software, ohne Programm im Hintergrund.
Editor und Betrachter stecken damit im selben Dokument. Voll ausgestattet rendert Bento Balken-, Linien-, Torten- und Streudiagramme mit Tooltips, spielt Video und Audio ab und lässt einzelne Elemente per geteilter ID von Folie zu Folie wandern.[1] Ein Zwang zum Kompromiss bei der Optik entsteht dadurch nicht, dass alles in einem File liegt.
Warum ein einziges HTML-File plötzlich reicht
Alte Linie, konsequent zu Ende gedacht: Das Wiki-System TiddlyWiki lebt seit Jahren in einer einzigen HTML-Datei, das Framework reveal.js baut Präsentationen direkt im Browser. Bento überträgt dieses Prinzip auf eine komplette Office-Anwendung, bei der sich Dokumente zunehmend wie kleine Programme verhalten, ein Muster, das auch bei Tabellen als Mini-Apps sichtbar wird.
Dahinter steht die Bewegung der Local-first-Software, die das Forschungslabor Ink & Switch 2019 beschrieben hat: Die Daten gehören dem Nutzer, die Anwendung funktioniert offline, und gemeinsames Arbeiten löst ein CRDT ohne zentralen Server.[2] Genau diese Bausteine setzt Bento um, inklusive einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, deren Schlüssel in der Datei selbst liegt.[1]
Nicht jede Präsentation braucht ein Rechenzentrum im Rücken. Eine einzelne Datei, die offline läuft und niemandem gehört außer dem Absender, ist für viele Mittelständler die ehrlichere Antwort auf die Cloud-Müdigkeit.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ein Office-Werkzeug, das ohne Cloud, ohne Konto und ohne Installation auskommt.
So ist die eine Datei aufgebaut
Was heißt das für Datenschutz und Vendor-Lock-in?
Eine Präsentation, die als lokale, verschlüsselte Datei existiert, verlässt den eigenen Rechner nie und landet nicht auf US-Servern. Das erspart Unternehmen die DSGVO-Prüfung, die bei Google Slides oder Microsoft 365 sonst am Anfang steht.
Offene Lizenz statt Abhängigkeit: PowerPoint und Keynote sperren Inhalte in proprietäre Formate, Bento legt sie als lesbares JSON unter einer freien Lizenz ab. Die Datei lässt sich in zehn Jahren noch öffnen, ohne Abo und ohne dass ein Dienst dazwischen abgeschaltet wird. Ähnlich stellt sich die Frage nach der Open-Source-Alternative auch bei anderen interaktiven Inhalten.
Keine zentrale Verwaltung ist der Preis: Rechte, Vorlagen und Freigaben lassen sich nicht über eine Admin-Konsole steuern, wie es regulierte Konzerne verlangen. Für vertrauliche Einzeldokumente, Angebote oder Vorstandsfolien ist die lokale Datei aber die schlankere Wahl. Die aktuellen Webdesign-Trends 2026 zeigen ohnehin, dass eigenständige, schlanke Formate zunehmen. Vor dem Einsatz solcher Werkzeuge gehören die Dateien in eine versionierte Ablage, und die Bearbeitungsrechte werden vorab geklärt.
Quellen
[1] Bento: Projekt-Repository auf GitHub (nyblnet/bento, MIT-Lizenz)
[2] Ink & Switch: „Local-first software: You own your data, in spite of the cloud“
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