Apples bewegte Punkte gegen Reisekrankheit lindern ein Problem, das Pendler und Bahnfahrer im DACH-Raum täglich plagt. Die Funktion „Vehicle Motion Cues“ blendet animierte Punkte am Bildschirmrand ein, die sich mit den Kräften des Fahrzeugs bewegen. Beschleunigt der Wagen, wandern die Punkte nach unten, beim Bremsen nach oben, in der Kurve zur Seite.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Redakteur von The Verge hat die Funktion über Stunden getestet und berichtet, dass er im fahrenden Wohnmobil endlich wieder lesen und sogar ganze Texte tippen konnte. Klingt nach Spielerei, steckt aber handfeste Neurologie dahinter.
Das Wichtigste in Kürze
- Reisekrankheit entsteht aus einem sensorischen Konflikt zwischen Auge und Innenohr.
- Die animierten Punkte geben dem Auge die Bewegungsreferenz, die das Innenohr ohnehin spürt.
- Für ÖPNV-Pendler und das autonome Fahren entscheidet das über produktive oder verlorene Fahrtzeit.
- Aktivierung läuft über das Kontrollzentrum, wahlweise dauerhaft oder nur im Fahrzeug.
Warum macht Lesen im Auto überhaupt krank?

Reisekrankheit entsteht aus einem sensorischen Konflikt. Die Augen melden dem Gehirn Stillstand, sobald der Blick auf dem ruhenden Display klebt. Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr registriert zur selben Zeit jede Beschleunigung, jedes Bremsen und jede Kurve.
Fehlalarm im Stammhirn. Das Gehirn kann beide Signale nicht zusammenbringen und deutet den Widerspruch als Vergiftung, dann reagiert es mit Übelkeit. Mehr als 40 Prozent von 500 Befragten gaben in einer Erhebung der Charité an, im Auto schon einmal solche Symptome gespürt zu haben. Frühere Versuche, das Problem rein optisch zu lösen, scheiterten regelmäßig: Forschende am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik fanden keine visuelle Hilfe, die besser wirkte als der schlichte Blick aus dem Fenster.
Referenz statt Reiz. Genau hier setzen die animierten Punkte an, ohne den eigentlichen Inhalt zu verdecken. Sie geben den Augen eine sichtbare Spur der Bewegung, die das Innenohr längst fühlt. Beide Sinne melden plötzlich dasselbe, der Streit im Gehirn legt sich.
Was bedeutet das fürs autonome Fahren und den ÖPNV?

Mehr als ein Smartphone-Trick. Das Muster reicht weit über das Handy hinaus. Schon heute arbeiten Pendler im Zug am Laptop, beantworten Mails und halten Videokonferenzen, während die ÖPNV-Branche per App und Bewegungssensorik das Tippen ganz abschafft.
Die Reisekrankheit ist die unsichtbare Bremse der autonomen Mobilität. Wer im selbstfahrenden Auto arbeiten oder dösen will, dem nützt der gewonnene Sitzplatz wenig, solange der Magen rebelliert.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Fahrer wird Mitfahrer. Beim autonomen Fahren verschärft sich die Lage, weil dann auch die Person am Steuer den Blick frei auf den Bildschirm richtet. Studien der Charité und der DFG zeigen, dass etwa jeder zehnte Insasse eines selbstfahrenden Fahrzeugs mit Übelkeit rechnen muss. Für die Vision der produktiven Fahrtzeit, auf der ein guter Teil des Geschäftsmodells autonomer Flotten ruht, ist das ein ernster Dämpfer.
Wie aktivieren Pendler die Funktion im Alltag?

In zwei Minuten startklar. Sie können die Funktion sofort nutzen, sofern auf dem iPhone iOS 18 oder neuer läuft. Öffnen Sie das Kontrollzentrum, fügen Sie unter den Bedienungshilfen den Schalter „Vehicle Motion Cues“ hinzu und stellen Sie auf „Nur im Fahrzeug“, dann schaltet sich die Anzeige automatisch ein, sobald die Sensoren eine Fahrt erkennen. Auf dem iPad funktioniert der gleiche Weg.
Zwei analoge Hebel dazu. Setzen Sie sich nach Möglichkeit in Fahrtrichtung, das entlastet das Innenohr von vornherein. Und legen Sie bei ersten Anzeichen den Blick kurz zum Horizont, bevor Sie weiterlesen. Wer die gewonnene Pendelzeit produktiv nutzen will, sollte die Technik vor der nächsten langen Bahnfahrt einmal in Ruhe einrichten, statt erst im rumpelnden Abteil danach zu suchen.
Die Mobilität im DACH-Raum wird leiser, elektrischer und zunehmend autonom. Wie schnell sich das rechnet, zeigen unser Vergleich der Ladetarife 2026 und der Reichweiten-Rechner für E-Autos.