Volkswagen erhöht den individuellen Leistungsanteil am Manager-Bonus von 13 bis 17 Prozent auf 35 Prozent und schrumpft die weltweiten Führungspositionen von 21.500 auf 16.000. Der Aufsichtsrat entscheidet am 9. Juli über das gesamte Sparpaket: ein Kulturbruch für Deutschlands größten Autobauer.

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Volkswagens neues Bonussystem für Führungskräfte soll ab 2027 gelten und macht Zugehörigkeit spürbar weniger wert als nachweisbare Leistung. Nach Informationen der BILD-Zeitung[1] verdoppelt sich der individuelle Leistungsanteil am Bonus dafür nahezu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Individueller Leistungsanteil am Manager-Bonus steigt von 13 bis 17 Prozent auf 35 Prozent.
  • Langfristige variable Vergütung sinkt von 50 bis 60 Prozent auf 40 Prozent.
  • Weltweite Managementpositionen schrumpfen von 21.500 auf 16.000, verteilt auf vier Level mit möglicher Rückstufung.
  • Der Aufsichtsrat entscheidet am 9. Juli über das Sparpaket, das neue Bonussystem soll 2027 greifen.

Wie verändert sich der Bonus für VW-Manager?

Aufzugsknöpfe mit Sternchen, gesperrter Taste und einem Warnhinweis-Aufkleber
Ab 2027 entscheidet individuelle Leistung über 35 Prozent des Bonus, langfristige Konzernziele sinken von 50-60 auf 40 Prozent

Individuelle Leistung entscheidet ab 2027 über mehr als ein Drittel des Bonus, langfristige Konzernziele verlieren dagegen an Gewicht. Bisher besteht die variable Vergütung aus kurzfristigen Konzernzielen, individuellen Zielen und einem langfristigen Anteil von 50 bis 60 Prozent, der ab 2027 auf 40 Prozent sinkt. Der persönliche Leistungsanteil klettert im Gegenzug von 13 bis 17 Prozent auf 35 Prozent.

Volkswagen plant zudem einen Spar-Bonus, der verhindern soll, dass hohe Restrukturierungskosten die Bonusziele verhageln und die Motivation für harte Einschnitte bremsen.

Was bedeutet das neue Levelmodell für Volkswagens Führungskräfte?

Hand zieht Baustein STABILITÄT aus Holzturm mit Spitze ZUKUNFT auf Weiß
Volkswagens neues Levelmodell bringt weniger Führungsebenen und die Möglichkeit zur Rückstufung.

Ein vierstufiges Levelmodell ersetzt die bisherigen Führungskreise und verteilt deutlich weniger Managementposten auf klare Verantwortungsstufen. Level 1 bündelt 400 Top-Manager, Level 2 weitere 1.200; beide Gruppen tragen die strategische Verantwortung. Level 3 mit 3.600 und Level 4 mit 10.800 Positionen übernehmen das operative Geschäft.

Neu und brisant: Schwache Leistung kann künftig zur Rückstufung führen. Ein Bewertungssystem aus Zielerreichung, Verhalten und Wirkung liefert die Grundlage; Top-Kräfte erhalten Sterne über einen Impact-Index.

Warum dreht Volkswagen gerade jetzt so hart an der Bonus-Schraube?

Metallbolzen und Mutter mit Ameise und Käse auf weißem Grund
Volkswagen baut Führungsebenen ab, um Kosten zu senken und die operative Rendite bis 2030 auf 9 bis 11 Prozent zu steigern. Chinesische Konkurrenz und teure Elektromobilität gefährden die Margen

Der Umbau ist Symptom einer Kostenkrise, die den Konzern bis an die Substanz trifft, und Teil eines branchenweiten Trends zum Abbau von Führungsebenen. Volkswagen will die operative Rendite bis 2030 auf 9 bis 11 Prozent steigern[2]; das aktuelle Ergebnis liegt weit darunter. Chinesische Konkurrenz und die teure Transformation zur Elektromobilität drücken zusätzlich auf die Marge.

Hinzu kommt die geplatzte Kooperation mit Bosch beim automatisierten Fahren. Parallel verhandelt der Wolfsburger Autobauer über bis zu 100.000 Stellen weltweit und kämpft mit chinesischer Technik gegen den eigenen Absturz.

Bayer hat unter dem Konzept Dynamic Shared Ownership die Führungsebenen von zwölf bis dreizehn auf sechs bis sieben reduziert und rund die Hälfte aller Managementposten gestrichen[3]. Volkswagens Levelmodell folgt derselben Logik, nur mit einem zusätzlichen Element: der Rückstufung.

Das VW-Gesetz von 1960 sichert dem Land Niedersachsen eine Sperrminorität und macht Standortentscheidungen wie eine Werksschließung von einer Zweidrittelmehrheit im paritätisch besetzten Aufsichtsrat abhängig[4]. Über die Hälfte der Sitze dort halten Arbeitnehmervertreter. IG Metall und Betriebsratschefin Daniela Cavallo haben Widerstand gegen das Sparpaket angekündigt.

Ein Novum ist das nicht: Der Vorstand unterliegt seit Jahren einer gesetzlichen Pflicht zur mehrjährigen Bemessung variabler Bezüge nach § 87 Aktiengesetz, die für die rund 16.000 Managementposten darunter nicht gilt. Volkswagen hat hier freien Spielraum, die Gewichtung zu drehen.

Für Personalverantwortliche außerhalb von Wolfsburg lohnt sich der Blick trotzdem:

  • Prüfen Sie die rechtliche Grenze zwischen Vorstands- und nachgeordneter Managementvergütung im eigenen Haus.
  • Planen Sie Mitbestimmungspflichten von Anfang an ein, sobald Sie Führungsebenen restrukturieren.
  • Wählen Sie ein Bewertungssystem, das Leistung tatsächlich misst und nicht nur behauptet.

Volkswagens Impact-Index liefert dafür ein öffentliches Reallabor, das andere DAX-Konzerne beobachten dürften.

Quellen

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