Sechs Stunden, 800.000 Sites: Was Smart Slider lehrt

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Sechs Stunden, 800.000 Sites: Was Smart Slider lehrt

Sechs Stunden reichten den Angreifern. Am 7. April 2026 lieferte das Update-System von Nextend einen vollständig vom Angreifer geschriebenen Build des Pro-Plugins Smart Slider 3 in der Version 3.5.1.35 aus. Jede Site, die in diesem Fenster aktualisierte, hatte anschließend ein Remote-Access-Toolkit installiert.

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Kommt Ihnen das bekannt vor? Erst im April hatten wir den Flippa-Verkauf der Essential-Plugins dokumentiert. Der neue Vorfall ist anders gelagert, trifft aber denselben Nerv: Niemand prüft, was tatsächlich aus dem Update-Kanal kommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nextends Update-Infrastruktur wurde am 7. April 2026 kompromittiert
  • Smart Slider 3 Pro 3.5.1.35 enthielt eine voll bewaffnete Backdoor
  • Patchstack-Whitepaper 2026 fordert verbindliche VDP-Programme für kommerzielle Plugins
  • Über 22 neue WordPress-Schwachstellen pro Tag laut Patchstack-Trend

Was lief beim Smart-Slider-Update schief?

Offener Karton mit Text, oranges Etikett und zerbrochenes Vorhängeschloss auf weißem Grund
Hacker infiltrierten Smart-Slider-3-Update-Server und verteilten manipulierte Pro-Version 3.5.1.35 an 800.000 WordPress-Sites

Smart Slider 3 läuft auf rund 800.000 WordPress-Sites, davon ein nennenswerter Anteil auf der kommerziellen Pro-Variante. Patchstack hat den Vorfall in einer eigenen Analyse als Lieferketten-Bruch klassifiziert. Eine unautorisierte Partei verschaffte sich Zugriff auf Nextends Update-Server und schob über den offiziellen Kanal eine manipulierte Pro-Version 3.5.1.35 nach.

Der Schaden ist im Detail unangenehm. Der Build enthielt nicht nur eine kleine Hintertür, sondern ein komplettes Remote-Access-Toolkit. Jede Site, die im sechsstündigen Auslieferungsfenster aktualisierte, lud sich damit eine fertige Fernsteuerung ins WordPress-Verzeichnis.

Warum VDP-Pflicht und kein Vertrauen mehr?

Ein offenes Vorhängeschloss aus Messing mit orangem Anhänger „SICHER IST SICHER“
Patchstack fordert ab 2026 verpflichtende Vulnerability-Disclosure-Policys für kommerzielle WordPress-Plugins in der EU gemäß NIS-2 und Cyber Resilience Act

Patchstack hat im Februar 2026 sein jährliches State of WordPress Security veröffentlicht. Die Kernforderung: Jedes kommerzielle Plugin, das in der EU vertrieben wird, braucht ab 2026 eine Vulnerability-Disclosure-Policy. Hintergrund ist die EU-Linie aus NIS-2 und Cyber Resilience Act, die strukturierte Schwachstellen-Behandlung zur Pflicht macht.

Plugin-Hersteller, die kein VDP haben, werden 2026 zur Risikoquelle für jeden Hoster, der sie mitschleppt. Die EU-Regulierung kommt nicht aus Schikane, sondern weil das Vertrauensmodell des Plugin-Ökosystems an seine Grenzen stößt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Patchstack listet im Whitepaper zwei strukturelle Probleme. Mehr als die Hälfte der Plugin-Entwickler, denen das Unternehmen 2025 eine Schwachstelle gemeldet hat, patchten vor der offiziellen Offenlegung nicht. Parallel überschwemmen KI-generierte Pseudo-Security-Reports die Inboxen der Plugin-Teams, was den Signal-Rausch-Anteil senkt.

Was sollten Site-Betreiber jetzt tun?

Ein oranger Schlüssel mit Gravur steht neben einer kleinen orangen Dienstmütze vor weißem Grund
Drei Prüfschritte zur Smart Slider 3 Pro Sicherheit: Bestandsaufnahme der Plugins und Patch-Verhalten, Überprüfung von Backups vor dem 7. April und Kontrolle der Patchstack-Datenbank

Drei Prüfschritte stehen oben auf der Liste. Zunächst die Bestandsaufnahme: Welche Pro-Plugins laufen, von welchem Hersteller, mit welchem Patch-Verhalten? Wer das nicht ad hoc beantworten kann, fährt blind. Parallel ein Blick in die letzte Backup-Generation vor dem 7. April, falls Smart Slider 3 Pro 3.5.1.35 jemals eingespielt wurde. Ergänzend lohnt der Patchstack-Datenbank-Check für alle kommerziellen Plugins auf der Site.

Für Agenturen mit WordPress-Wartungsverträgen verschiebt sich die Hausaufgabe. Statt nur Update-Stände zu pflegen, gehört die VDP-Existenz beim Plugin-Anbieter ab sofort zur Auswahlkriterien-Liste. Wie schnell selbst große Plugin-Familien fallen können, hat der stille März-Patch-Reigen bei Elementor, Yoast und WPForms gezeigt. Vier Plugins, 29 Millionen Installationen, zwei unauthentifizierte Lücken.

Patchstack-Premium-Kunden sind über die virtuelle Patch-Schicht abgesichert, die Schwachstellen oft 48 Stunden vor öffentlicher Bekanntgabe blockiert. Für alle anderen bleibt die alte Regel: Auto-Update-Schalter pro kritischem Plugin aktivieren, Hosting-Backup mindestens zweimal wöchentlich.

Mehr Newshunger?

Schieberegler mit Brille, Zahlen 1 und 800.000 auf weißem Grund
WordPress 7.0 erscheint am 20. Mai 2026. Plugin-Backdoor infizierte 400.000 Sites. März-Patches betrafen 29 Mio Sites
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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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