Wie sehr schadet Trumps Abschiebepolitik der US-Wirtschaft?

Michael Dobler
Autor Dr. Web
2 Min. Lesezeit
Schadet Trumps Abschiebepolitik der US-Wirtschaft? Ja.

Eine neue NBER-Studie rechnet vor, was Massenabschiebungen kosten. Kurzfristig steigen die Löhne Einheimischer um 0,15 Prozent. Langfristig fallen sie in jedem einzelnen US-Bundesstaat.

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Im Jahr 2024 hatten 3,2 Prozent aller Beschäftigten in den USA keinen legalen Aufenthaltsstatus. Vier Ökonomen um Andrei Levchenko von der University of Michigan haben durchgerechnet, was passiert, wenn die Hälfte dieser Menschen das Land verlässt. Das Ergebnis fällt anders aus, als die politische Erzählung verspricht.

Die Studie erschien im Februar 2026 als NBER Working Paper 34790.

Das Wichtigste in Kürze

Fußballtor mit Ball im Netz, am Torpfosten hängt ein Schild: Niveau ↓ LÖHNE STARK SINKEND!
Reallöhne steigen kurzfristig um 0,15 Prozent, fallen langfristig aber um 0,33 Prozent. Verbraucherpreise in arbeitsintensiven Branchen steigen um etwa ein Prozent
  • Kurzfristig steigen die realen Löhne Einheimischer minimal um 0,15 Prozent, weil pro verbliebenem Arbeiter mehr Kapital zur Verfügung steht.
  • Langfristig drehen sich die Effekte um. Die Reallöhne sinken in jedem US-Bundesstaat, im nationalen Schnitt um 0,33 Prozent.
  • Verbraucherpreise in arbeitsintensiven Branchen wie der Landwirtschaft steigen um rund ein Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Warenkorb.

Warum kippt der Lohneffekt nach einigen Jahren?

Haus aus Dollarscheinen mit Aufschrift „Personal gesucht“, daneben kleiner grüner Helm
Weniger Arbeitskräfte erhöhen kurzfristig die Produktivität und Löhne um 0,15 Prozent pro verbleibener Person. Langfristig sinkt die Kapitalinvestition

Der kurzfristige Gewinn beruht auf einem simplen Mechanismus. Verschwinden Arbeitskräfte, bleibt für die Übriggebliebenen mehr Maschinen- und Kapitalausstattung pro Kopf. Das hebt deren Produktivität und damit den Lohn, allerdings nur um 0,15 Prozent.

Über die Jahre passt sich der Kapitalstock an die kleinere Bevölkerung an. Unternehmen investieren weniger, weil weniger Menschen produzieren und konsumieren.

Der anfängliche Vorteil schmilzt und kehrt sich um. Am Ende verlieren einheimische Beschäftigte in allen Bundesstaaten, im Mittel ein Drittel Prozent ihres Reallohns. Die entfernten Arbeitskräfte waren eben auch Kunden, Mieter und Steuerzahler.

Die Politik verkauft Abschiebungen als Schutz für einheimische Löhne. Die Ökonomie zeigt das genaue Gegenteil, und zwar in jedem einzelnen Bundesstaat. Das sollte auch deutsche Debatten erden.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für deutsche Entscheider?

Grauer Footballhelm mit orangefarbener Zickzacklinie und angebissener Brezel davor, freigestellt
Lidl und Aldi expandieren in USA. Cloudflare-Ausfall zeigt Internetabhängigkeit. Kleine Windräder als Energielösung. Selbstständige Einkommen im Fokus

Die Studie betrifft die USA, doch die Mechanik gilt auch für den DACH-Raum. Deutschland diskutiert über Fachkräftemangel und gleichzeitig über schärfere Rückführungen. Branchenmedien verwiesen Anfang 2026 auf mehrere Untersuchungen, nach denen großflächige Abschiebungen die hiesige Wirtschaft kräftig treffen würden.

Für Unternehmen mit hohem Anteil an migrantischen Beschäftigten, etwa in Logistik, Pflege, Bau und Gastronomie, lohnt der nüchterne Blick auf die eigene Personalstruktur. Wo politische Ankündigungen den Arbeitsmarkt verengen, steigen mittelfristig die Lohnkosten und die Beschaffungspreise. Planen Sie Personalbedarf und Lieferketten deshalb nicht entlang der Schlagzeile, sondern entlang der Zahlen.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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