Eine neue NBER-Studie rechnet vor, was Massenabschiebungen kosten. Kurzfristig steigen die Löhne Einheimischer um 0,15 Prozent. Langfristig fallen sie in jedem einzelnen US-Bundesstaat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIm Jahr 2024 hatten 3,2 Prozent aller Beschäftigten in den USA keinen legalen Aufenthaltsstatus. Vier Ökonomen um Andrei Levchenko von der University of Michigan haben durchgerechnet, was passiert, wenn die Hälfte dieser Menschen das Land verlässt. Das Ergebnis fällt anders aus, als die politische Erzählung verspricht.
Die Studie erschien im Februar 2026 als NBER Working Paper 34790.
Das Wichtigste in Kürze

- Kurzfristig steigen die realen Löhne Einheimischer minimal um 0,15 Prozent, weil pro verbliebenem Arbeiter mehr Kapital zur Verfügung steht.
- Langfristig drehen sich die Effekte um. Die Reallöhne sinken in jedem US-Bundesstaat, im nationalen Schnitt um 0,33 Prozent.
- Verbraucherpreise in arbeitsintensiven Branchen wie der Landwirtschaft steigen um rund ein Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Warenkorb.
Warum kippt der Lohneffekt nach einigen Jahren?

Der kurzfristige Gewinn beruht auf einem simplen Mechanismus. Verschwinden Arbeitskräfte, bleibt für die Übriggebliebenen mehr Maschinen- und Kapitalausstattung pro Kopf. Das hebt deren Produktivität und damit den Lohn, allerdings nur um 0,15 Prozent.
Über die Jahre passt sich der Kapitalstock an die kleinere Bevölkerung an. Unternehmen investieren weniger, weil weniger Menschen produzieren und konsumieren.
Der anfängliche Vorteil schmilzt und kehrt sich um. Am Ende verlieren einheimische Beschäftigte in allen Bundesstaaten, im Mittel ein Drittel Prozent ihres Reallohns. Die entfernten Arbeitskräfte waren eben auch Kunden, Mieter und Steuerzahler.
Die Politik verkauft Abschiebungen als Schutz für einheimische Löhne. Die Ökonomie zeigt das genaue Gegenteil, und zwar in jedem einzelnen Bundesstaat. Das sollte auch deutsche Debatten erden.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für deutsche Entscheider?

Die Studie betrifft die USA, doch die Mechanik gilt auch für den DACH-Raum. Deutschland diskutiert über Fachkräftemangel und gleichzeitig über schärfere Rückführungen. Branchenmedien verwiesen Anfang 2026 auf mehrere Untersuchungen, nach denen großflächige Abschiebungen die hiesige Wirtschaft kräftig treffen würden.
Für Unternehmen mit hohem Anteil an migrantischen Beschäftigten, etwa in Logistik, Pflege, Bau und Gastronomie, lohnt der nüchterne Blick auf die eigene Personalstruktur. Wo politische Ankündigungen den Arbeitsmarkt verengen, steigen mittelfristig die Lohnkosten und die Beschaffungspreise. Planen Sie Personalbedarf und Lieferketten deshalb nicht entlang der Schlagzeile, sondern entlang der Zahlen.