Als im Januar 2026 die Streufahrzeuge in Meppen und Haselünne stehenblieben, war nicht der Winter das Problem, sondern ein leeres Lager. Bundesweit meldeten Baumärkte ausverkaufte Regale, und einzelne Kommunen fuhren ihren Winterdienst zurück. Ausgerechnet Salz, der billigste Rohstoff der Welt, wurde für ein paar Wochen zur Mangelware.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKaum ein Stoff ist so unscheinbar und zugleich so unverzichtbar. Salz taut Straßen, konserviert Lebensmittel und liefert der Chemieindustrie ihren wichtigsten Grundstoff. Für Kriege, Steuern und ganze Staatsgründungen war das weiße Mineral über Jahrtausende ein Machthebel.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 55 Prozent des Weltsalzes gehen in die chemische Industrie, nur ein Bruchteil landet als Speisesalz auf dem Teller.
- China, die USA und Indien fördern zusammen etwa die Hälfte der weltweit rund 270 Millionen Tonnen pro Jahr.
- Deutschland zählt mit etwa 14 Millionen Tonnen zu den größten Salzproduzenten Europas und muss kaum importieren.
- Ohne Chlor aus Salz fehlten PVC-Rohre, die flächendeckende Trinkwasser-Desinfektion und ein Großteil moderner Medikamente.
- Der Streusalz-Engpass des Winters 2025/2026 zeigte, wie schnell ein Überfluss-Rohstoff regional knapp werden kann.
Angeberwissen in fünf Fragen
1 Woraus besteht Steinsalz chemisch fast vollständig? Aufklappen ↓
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2 Wofür verbraucht die Welt den größten Teil ihres Salzes? Aufklappen ↓
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3 Was tat Mahatma Gandhi 1930 beim berühmten Salzmarsch? Aufklappen ↓
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4 Welches Alltagsprodukt gäbe es ohne Salz nicht? Aufklappen ↓
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5 Warum kostet ein Paket Speisesalz so wenig? Aufklappen ↓
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Was ist Salz und wie entsteht es?

Speisesalz ist chemisch fast reines Natriumchlorid, das Mineral heißt Halit. Jedes Körnchen besteht aus Natrium- und Chlorid-Ionen, die sich zu einem würfelförmigen Kristallgitter ordnen. Diese strenge Struktur macht Salz so stabil und lagerfähig.
Die großen Lagerstätten stammen aus eingedampften Urmeeren. Vor rund 250 Millionen Jahren bedeckte das flache Zechsteinmeer weite Teile Mitteleuropas, verdunstete über Jahrmillionen und hinterließ mächtige Salzschichten tief unter dem heutigen Deutschland.
Gefördert wird auf drei Wegen. Im Bergwerk brechen Maschinen das Steinsalz direkt aus dem Flöz, bei der Solung pumpen Betriebe Wasser in die Schicht und gewinnen aus der zurückgeförderten Sole das Siedesalz, und in warmen Ländern lassen Salzgärten Meerwasser in flachen Becken verdunsten.
Qualitätsunterschiede entstehen vor allem durch Begleitminerale. Reines Siedesalz ist strahlend weiß, ein rosa Kristall verdankt seine Farbe winzigen Eisenspuren, und grobes Meersalz trägt oft noch Reste von Magnesium und Kalzium. Für die Industrie zählt am Ende nur die Reinheit.
Eine echte Knappheit droht dabei nie. Die Ozeane, deren Rolle als Rohstoff die Stoffgeschichte zu Wasser beleuchtet, enthalten geschätzt Billiarden Tonnen gelöstes Salz, dazu kommen riesige unterirdische Lager. Die Reserven reichen nach menschlichem Maßstab schlicht unbegrenzt, das unterscheidet Salz von fast jedem anderen Rohstoff dieser Reihe.
Wer entdeckte Salz und wie begann der Rausch?

Der Salzbergbau ist älter als viele Hochkulturen. Im österreichischen Hallstatt gruben Menschen schon vor über 7000 Jahren nach dem Mineral, ein Pickel aus Hirschgeweih im Berg belegt die frühe Grubenarbeit.
Salz konservierte Fleisch und Fisch, lange bevor Kühlschränke die Vorräte kühl hielten. Diese Fähigkeit machte Vorräte haltbar, Fernhandel möglich und ganze Heere versorgbar. Wer Salz besaß, besaß Sicherheit über den Winter.
Im Römischen Reich führte die Via Salaria das Salz von den Küsten bis nach Rom. Aus dem lateinischen Wort für Salz, sal, leitet sich das Salär ab, der Lohn der Legionäre. Ob Soldaten wirklich in Salz bezahlt wurden, ist umstritten, die sprachliche Spur aber ist eindeutig.
In Mitteleuropa wuchsen Städte am Salz zu Reichtum heran. Lüneburg, Halle an der Saale und Salzburg lebten von der Sole, und die Hanse verdiente am Transport des weißen Goldes über die alten Salzstraßen.
Mit der Industrialisierung kippte der Wert. Neue Bohr- und Siedeverfahren erschlossen die tiefen Lager im großen Stil, die Mengen stiegen, und der Preis fiel ins Bodenlose. Aus dem kostbaren Handelsgut wurde ein billiges Massenprodukt.
Wie hat Salz die Weltkarte verändert?

Salz war über Jahrhunderte eine bequeme Steuerquelle. Weil jeder Mensch das Mineral täglich braucht und kaum darauf verzichten kann, ließ sich eine Salzsteuer mühelos eintreiben, gerade bei den Armen.
In Frankreich hieß diese Abgabe Gabelle und wurde zur meistgehassten Steuer des Landes. Der König hielt das Monopol, setzte die Preise und ließ Salzschmuggler auf die Galeere schicken. Die Wut über die Gabelle gilt bis heute als ein Funke der Französischen Revolution.
Auch in Deutschland floss um Salz Blut. Nach dem für Bayern siegreichen Salzkrieg gegen Salzburg im Jahr 1611 sicherte sich Herzog Maximilian I. lukrative Handelsrechte. Rivalisierende Fürsten und Klöster führten regelrechte Salzkriege, sobald ihr Monopol wackelte.
Zum weltpolitischen Symbol wurde Salz 1930 in Indien. Mahatma Gandhi zog in 24 Tagen 385 Kilometer zu Fuß bis zum Meer in Dandi und siedete dort eigenhändig eine Handvoll Salz. Mit dieser schlichten Geste brach er das britische Salzmonopol und gab dem gewaltfreien Widerstand ein Bild, das um die Welt ging.
Heute ist die Machtfrage entschärft, weil Salz fast überall im Boden liegt. Kein Kartell kontrolliert den Markt, keine Nation kann den Rohstoff als Waffe einsetzen. Geblieben ist allein die Geografie der kurzen Transportwege, wie die folgende Übersicht zeigt.
Warum ist Salz für die Weltwirtschaft so wichtig?

Die Welt fördert jedes Jahr rund 270 Millionen Tonnen Salz, Tendenz steigend. China liegt mit etwa einem Viertel der Menge klar vorn, gefolgt von den USA und Indien. Diese drei Länder stellen zusammen etwa die Hälfte der Weltproduktion.
Der größte Abnehmer sitzt aber nicht im Supermarkt. Nach Daten des Branchenverbands Euro Chlor gehen weltweit rund 55 Prozent des Salzes in die chemische Industrie, etwa 20 Prozent in den Winterdienst und nur knapp 18 Prozent in Lebensmittel.
Herzstück ist die Chlor-Alkali-Elektrolyse. Dieses Verfahren spaltet Sole in Chlor und Natronlauge, die beiden Grundstoffe für unzählige Folgeprodukte. Chlor steckt nach Angaben des Verbands der Chemischen Industrie in über der Hälfte aller Chemieerzeugnisse und in mehr als 90 Prozent moderner Medikamente.
Weil der Rohstoff so schwer und billig ist, lohnt sich weiter Transport kaum. Salz wird meist nah an der Förderstelle verarbeitet und nur über kurze Strecken per Schiff, Bahn oder Pipeline als Sole bewegt. Der Wert steckt in der Nähe, nicht im Weltmarktpreis.
Für Deutschland ist das ein Standortvorteil. Mit rund 14 Millionen Tonnen jährlich zählt die Bundesrepublik zu den größten Produzenten Europas und deckt ihren Bedarf fast vollständig selbst. Bei Salz herrscht eine Unabhängigkeit, von der die Industrie bei fast jedem anderen Rohstoff nur träumt.
In welchen Produkten steckt Salz und was verschwindet ohne es?

Die meisten Menschen verbinden Salz mit der Küche, dabei ist der Teller die Ausnahme. Der weitaus größere Teil verschwindet unsichtbar in Bauteilen, Rohren und Flüssigkeiten des Alltags.
Aus dem Chlor der Salzelektrolyse entsteht PVC, einer der wichtigsten Kunststoffe überhaupt. Fensterrahmen, Abwasserrohre, Bodenbeläge und Kabelisolierungen bestehen zu großen Teilen aus diesem Material.
Dasselbe Chlor desinfiziert das Trinkwasser und hält die Leitung bis zum Hahn keimfrei. Ohne diesen Schritt wäre sauberes Leitungswasser für Millionen Haushalte nicht sicher zu garantieren.
Das zweite Produkt der Elektrolyse ist Natronlauge. Die scharfe Lauge reinigt, bleicht und ätzt in der Papierherstellung, in der Aluminiumgewinnung, in Seifen und in der Textilproduktion. Kaum eine Fabrikhalle kommt ohne diese Lauge aus.
Dazu kommen die vertrauten Rollen: Streusalz auf der Winterstraße, Regeneriersalz in der Spülmaschine und Speisesalz als Würze und Konservierungsmittel. Beim Blick auf einen normalen Tag berührt fast jeder Handgriff irgendwo Salzchemie.
Die entscheidende Frage lautet, was bei einem Ausfall ersetzbar wäre. Speisesalz ließe sich durch Meersalz ersetzen, doch für die Chlorchemie steht keine gleichwertige Alternative bereit. Ohne Chlor kippen PVC, Wasserdesinfektion und Medikamentenproduktion zugleich, und diese Kettenreaktion macht den harmlosen Rohstoff strategisch.
Speisesalz ließe sich durch Meersalz ersetzen. Bricht dagegen die Chlorchemie weg, steht keine gleichwertige Alternative bereit: Ohne Chlor keine PVC-Rohre, keine flächendeckende Trinkwasser-Desinfektion, kein Nachschub für einen Großteil der Medikamente. Hier sitzt die eigentliche Abhängigkeit.
Wie setzt sich der Preis eines Pakets Speisesalz zusammen?

Ein 500-Gramm-Paket Speisesalz kostet im Discounter oft nur rund 39 Cent. Damit gehört Salz zu den billigsten Waren im ganzen Regal, günstiger als fast jedes andere Grundnahrungsmittel, günstiger sogar als Zucker.
Der Rohstoff selbst erklärt diesen Preis nicht, im Gegenteil. Ein Kilogramm Rohsalz kostet den Hersteller nur wenige Cent, der eigentliche Inhalt ist der mit Abstand kleinste Posten.
Teuer ist alles drumherum. Karton und Abfüllung, der Transport der schweren Ware und die Handelsmarge des Supermarkts machen den Löwenanteil des Endpreises aus. Beim Salz zahlt der Kunde vor allem für Verpackung und Weg.
Beim Streusalz kippt die Rechnung ähnlich. Nicht das Salz belastet die Kommunen, sondern Lagerhallen, Fuhrpark und die Bereitschaft rund um die Uhr. Ein Wintereinbruch verteuert kaum den Rohstoff, wohl aber den Einsatz.
Genau diese Kostenstruktur erklärt auch den Engpass. Weil Salz so wenig wert ist, lohnen sich große Vorräte betriebswirtschaftlich kaum, und die Lager bleiben knapp kalkuliert. Fällt der Nachschub aus, ist die Reserve schnell aufgebraucht.
Wer verdient an Salz und wer zahlt drauf?

Am Salz verdienen große Bergbaukonzerne, allen voran das Kasseler Unternehmen K+S mit seiner Salztochter esco. Mit der Kontrolle über Lagerstätten und Logistik sichert sich der Konzern in einem Cent-Geschäft die Marge über die schiere Menge.
Auf der anderen Seite stehen die Kommunen als Dauerkunden. Die Städte schließen langfristige Streusalz-Verträge und geraten in Engpässen dennoch unter Druck, wenn viele Gemeinden gleichzeitig nachordern.
Die stille Abhängigkeit trägt die Chemieindustrie. Die Branche braucht Salz als Grundstoff und steht sofort still, sobald die Sole ausbleibt, wie ein Ausfall im Chlor-Werk ganze Produktionsketten lahmlegt.
Auch die Umwelt zahlt mit. Tausende Tonnen Streusalz sickern jeden Winter in Böden und Gewässer, schädigen Straßenbäume und erhöhen den Salzgehalt von Flüssen, ähnlich wie überschüssiger Phosphor aus dem Dünger die Gewässer belastet. Der niedrige Preis blendet diese ökologischen Folgekosten aus.
Anders als bei Öl oder Kobalt fehlt hier der klassische Ressourcenfluch. Kein Land wird durch Salz reich oder abhängig, dafür ist der Rohstoff zu billig und zu verbreitet. Die eigentliche Verwundbarkeit liegt nicht im Boden, sondern in der schlanken Lieferkette.
Salz ist der unterschätzteste Rohstoff im Regal. Niemand redet darüber, bis der Winterdienst steht oder das Chlorwerk stockt. Erst dann merken wir, dass an ein paar Cent pro Kilo unsere Straßen und unser Trinkwasser hängen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie mächtig ist die Salz-Lobby?

Eine eigene Salz-Lobby im engeren Sinn besteht kaum, denn der Rohstoff ist zu billig für große politische Kämpfe. Der Einfluss läuft über die Chemiebranche, die auf Chlor und Natronlauge angewiesen ist.
Der Verband der Chemischen Industrie verteidigt die Chlorchemie als Fundament des Standorts. In einem Positionspapier vom April 2026 warnt der Verband vor strengeren Auflagen und verweist auf Zehntausende Arbeitsplätze, die an der Elektrolyse hängen.
Ein zweiter Konflikt dreht sich ums Streusalz. Umweltverbände fordern weniger Salz auf den Straßen, Kommunen pochen auf die Verkehrssicherheit, und die Salzhersteller sitzen als Zulieferer mit am Tisch.
Der größte Hebel ist der Strompreis. Die Chlor-Alkali-Elektrolyse frisst enorm viel Energie, weshalb die Branche in Berlin und Brüssel beständig für Entlastungen bei den Stromkosten wirbt.
Framing spielt dabei eine wichtige Rolle. Salz gilt als harmlos und selbstverständlich, was politische Aufmerksamkeit fernhält. Gerade diese Unsichtbarkeit ist für die abnehmende Industrie ein Vorteil.
Wie kommen wir von zu viel Streusalz los?

Ein kompletter Ausstieg aus Salz ergibt keinen Sinn, weil der Rohstoff so nützlich wie unersetzlich ist. Sinnvoll ist dagegen, den Verbrauch dort zu senken, wo er Schaden anrichtet.
Beim Winterdienst hilft moderne Technik. Feuchtsalz, also mit Sole benetztes Streugut, haftet besser auf der Fahrbahn und braucht deutlich weniger Material für dieselbe Wirkung.
Auf Gehwegen und in Wohnstraßen sind Splitt und Sand oft die bessere Wahl. Diese Streumittel tauen zwar kein Eis, sorgen aber für Griff, ohne Böden und Bäume zu belasten.
In der Chemie liegt der Hebel weniger beim Salz als bei der Energie. Das moderne Membranverfahren löst die alte Chlorproduktion ab und senkt den Stromverbrauch der Elektrolyse spürbar, was den Prozess sauberer macht.
Ein echtes Recycling bleibt dagegen schwierig. Einmal gestreutes Salz löst sich in Wasser und ist praktisch verloren, und in der Chemie reagiert der Rohstoff zu neuen Stoffen. Der realistische Weg heißt darum sparsamer einsetzen, nicht ersetzen.
Was bedeutet der Streusalz-Engpass für Deutschland?

Der Winter 2025/2026 führte vor, wie schnell ein Überfluss-Rohstoff regional knapp wird. In Niedersachsen schränkten Meppen und Haselünne Ende Januar ihren Winterdienst ein, weil das Streusalz ausging.
Für private Haushalte wurde das an leeren Regalen sichtbar. Baumärkte wie Hornbach meldeten zeitweise ausverkauftes Streugut, während die Nachfrage nach jedem Schneefall neu hochschnellte.
Für Kommunen und Unternehmen zählt vor allem die Planung. Schmale Lager sparen im milden Winter Geld, lassen die Kommune in einer langen Kältephase aber ohne Reserve dastehen, und die Verkehrssicherheit gerät ins Wanken.
Der Sommer ist deshalb die eigentliche Vorbereitungszeit. Viele Städte füllen jetzt, in der warmen Jahreshälfte 2026, ihre Salzhallen wieder auf und verhandeln neue Lieferverträge für die kommende Saison.
Drei Szenarien sind denkbar. Im günstigsten Fall bleiben die Lager dank früher Bestellungen voll, im mittleren Fall sorgt ein harter Winter erneut für kurzzeitige Engpässe, und im ungünstigen Fall treffen strenge Kälte und knappe Vorräte wieder zusammen.
Für Sie als Verbraucher lohnt der Blick nach vorn. Einen kleinen Vorrat Streugut im Herbst anzulegen kostet wenig und erspart im Ernstfall die Suche im leergekauften Baumarkt. Als Unternehmer sichern frühe Verträge und ein zweiter Lieferant die Handlungsfähigkeit, wenn der nächste Kälteeinbruch kommt.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Salz

Chlor-Alkali-Elektrolyse
Chlor-Alkali-Elektrolyse ist das industrielle Verfahren, das Salzsole mit Strom in Chlor, Natronlauge und Wasserstoff aufspaltet. Auf ihr beruht der größte Teil der weltweiten Salznachfrage und ein Fundament der gesamten Chemieindustrie.
Evaporit
Evaporit nennt die Geologie ein Gestein, das durch Verdunstung von Meer- oder Seewasser entsteht. Steinsalz ist das bekannteste Evaporit und bildete sich in eingedampften Urmeeren über Jahrmillionen.
Feuchtsalz
Feuchtsalz ist Streugut, das kurz vor dem Ausbringen mit Salzsole benetzt wird. Das benetzte Streugut haftet besser auf der Fahrbahn und senkt den Salzverbrauch im Winterdienst gegenüber trockenem Streusalz deutlich.
Gabelle
Gabelle hieß die königliche Salzsteuer im vorrevolutionären Frankreich. Die Abgabe galt als besonders ungerecht, weil sie ein lebensnotwendiges Gut verteuerte, und zählt zu den Auslösern der Französischen Revolution.
Halit
Halit ist der mineralogische Name für Steinsalz, also kristallisiertes Natriumchlorid. Der Begriff bezeichnet den reinen Kristall, wie er in Bergwerken abgebaut wird.
Meersalz
Meersalz gewinnt man durch Verdunstung von Meerwasser in flachen Salzgärten. Diese Salzart enthält neben Natriumchlorid oft Reste von Magnesium und Kalzium, die ihr einen eigenen Geschmack geben.
Natriumchlorid
Natriumchlorid ist die chemische Verbindung, aus der Salz besteht, mit der Formel NaCl. Die Verbindung bildet würfelförmige Kristalle und ist sowohl Würzmittel als auch industrieller Grundstoff.
Natronlauge
Natronlauge entsteht neben Chlor bei der Salzelektrolyse. Die stark ätzende Flüssigkeit dient in der Papier-, Aluminium- und Seifenherstellung als eines der wichtigsten Grundchemikalien.
Regeneriersalz
Regeneriersalz ist grobkörniges Spezialsalz für Spülmaschinen und Wasserenthärter. Das grobe Salz tauscht die kalkbildenden Ionen im Wasser aus und schützt die Geräte so vor Verkalkung.
Siedesalz
Siedesalz gewinnt man, indem Wasser in unterirdische Salzschichten gepumpt und die zurückgeförderte Sole wieder eingedampft wird. Dieses Salz ist besonders rein und dient häufig als Speise- und Industriesalz.
Sole
Sole ist mit Salz gesättigtes Wasser. Diese Lösung tritt natürlich in Salzquellen auf oder wird künstlich erzeugt und ist der Ausgangsstoff für Siedesalz und die Chlor-Alkali-Elektrolyse.
Zechstein
Zechstein bezeichnet ein flaches Meer, das vor rund 250 Millionen Jahren Mitteleuropa bedeckte. Seine eingedampften Ablagerungen bilden die großen Salzlagerstätten unter dem heutigen Deutschland.
FAQ: Salz: Der Rohstoff, der einst Kriege auslöste

Warum wurde Streusalz im Winter 2025/2026 knapp?
Der Engpass entstand nicht durch fehlende Vorkommen, sondern durch knapp kalkulierte Lager und eine hohe, gleichzeitige Nachfrage vieler Kommunen. Weil Salz so billig ist, lohnen sich große Vorräte kaum. In Niedersachsen mussten Städte wie Meppen und Haselünne Ende Januar 2026 ihren Winterdienst einschränken, und Baumärkte meldeten ausverkauftes Streugut.
Wofür wird Salz hauptsächlich verwendet?
Rund 55 Prozent des Weltsalzes gehen in die chemische Industrie, etwa 20 Prozent in den Winterdienst und nur knapp 18 Prozent in Lebensmittel. Der wichtigste Prozess ist die Chlor-Alkali-Elektrolyse, die aus Salz die Grundstoffe Chlor und Natronlauge gewinnt. Der Kochtopf ist also nur eine Nebenrolle.
Kann Salz überhaupt knapp werden?
Global gesehen nicht, denn die Ozeane und riesige unterirdische Lager enthalten praktisch unbegrenzte Mengen. Knappheit entsteht immer nur regional und kurzfristig, wenn Förderung, Transport oder Lagerung nicht mit einer plötzlichen Nachfrage Schritt halten. Der Rohstoff selbst geht nicht aus.
Wie abhängig ist Deutschland von Salzimporten?
Kaum, denn Deutschland fördert mit rund 14 Millionen Tonnen jährlich fast seinen gesamten Bedarf selbst und zählt zu den größten Produzenten Europas. Große Lagerstätten stammen aus dem Zechsteinmeer. Damit ist Salz einer der wenigen Rohstoffe, bei dem die Industrie nicht auf Einfuhren angewiesen ist.
Was passiert ohne Salz in der Industrie?
Ohne Salz bricht die Chlorchemie weg, und damit fehlen PVC-Rohre, die flächendeckende Trinkwasser-Desinfektion und ein Großteil moderner Medikamente. Für Speisesalz gäbe es Meersalz als Ersatz, für die Chlor-Alkali-Elektrolyse aber keine gleichwertige Alternative. Genau darin liegt die stille strategische Bedeutung des Rohstoffs.
Ist Streusalz schädlich für die Umwelt?
Ja, große Mengen Streusalz schädigen Straßenbäume, versalzen Böden und erhöhen den Salzgehalt von Gewässern. Auf Gehwegen sind Splitt und Sand oft die bessere Wahl, und im Winterdienst spart Feuchtsalz Material. Ganz verzichten lässt sich auf Streusalz bei Glatteis auf Hauptstraßen aber aus Sicherheitsgründen nicht.
Quellen
U.S. Geological Survey | Mineral Commodity Summaries, Salt | https://www.usgs.gov/centers/national-minerals-information-center/salt-statistics-and-information | besucht am 23.07.2026
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) | Industrieminerale: Salz | https://rohstoffportal-sgd.bgr.de/industrieminerale_salz.shtml | besucht am 23.07.2026
Verband der Chemischen Industrie (VCI) | Position Chlor, Fundament der industriellen Wertschöpfung | https://www.vci.de/ergaenzende-downloads/vci-position-chlor.pdf | besucht am 23.07.2026
t-online | Streusalz bald knapp: Baumärkte kämpfen mit hoher Nachfrage | https://www.t-online.de/heim-garten/aktuelles/id_101073612/streusalz-bald-knapp-baumaerkte-kaempfen-mit-hoher-nachfrage.html | besucht am 23.07.2026
Wikipedia | Salzmarsch | https://de.wikipedia.org/wiki/Salzmarsch | besucht am 23.07.2026
Wikipedia | Salzsteuer | https://de.wikipedia.org/wiki/Salzsteuer | besucht am 23.07.2026