Am Kai brummt der Dieselgenerator weiter, auch wenn das Schiff längst festgemacht hat. Hapag-Lloyd will damit im Hamburger Hafen Schluss machen und bezieht seine Bordenergie künftig aus dem Landnetz. Rund ein Drittel der Flotte ist bereits umgerüstet, der Rest folgt, getrieben von einer EU-Frist im Jahr 2030.

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Landstrom im Hafen klingt technisch, entscheidet aber darüber, wie sauber die Luft an Hamburgs Kaikanten bleibt. Zwei Containerschiffe, die „Al Muraykh“ und die „Tihama“, haben in den vergangenen Wochen bereits vom Kai aus Strom gezogen, statt ihre Hilfsdiesel laufen zu lassen. Hapag-Lloyd macht daraus jetzt eine feste Zusage gegenüber der Hamburg Port Authority.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hapag-Lloyd und die Hamburg Port Authority vereinbaren die Landstromnutzung an allen Terminals des Hamburger Hafens.
  • Rund 35 Prozent der Flotte sind vollständig für Landstrom ausgerüstet, alle Neubauten kommen serienmäßig damit vom Band.
  • Am Kai ersetzt der Netzstrom die Hilfsdiesel und senkt so Abgase und Lärm im Hafen.
  • Ab 2030 verlangt die EU-Verordnung AFIR Landstrom an den großen Häfen, die Zusage nimmt diese Pflicht vorweg.

Was ändert sich im Hamburger Hafen?

Große Landstromsteckdose und kleines Containerschiff auf hellem Hintergrund
Hapag-Lloyd nutzt Landstrom im Hamburger Hafen. Die Reederei integriert die Onshore Power Supply verbindlich in ihre Ablaufplanung ein

Hapag-Lloyd und die Hamburg Port Authority haben eine Vereinbarung zur Landstromnutzung unterzeichnet, die für alle Terminals im Hamburger Hafen gilt.[1] Die Reederei nutzt die vorhandene Anlage künftig, sobald ein Liegeplatz sie bereitstellt, und bindet den sogenannten Onshore Power Supply fest in die Ablaufplanung ihrer Schiffe ein.

Rund 35 Prozent der aktuellen Flotte sind vollständig für Landstrom ausgerüstet. Alle Neubauten laufen serienmäßig mit der Technik vom Band, geeignete Bestandsschiffe rüstet die Reederei nach. Bis 2045 will Hapag-Lloyd seine Flotte klimaneutral betreiben, der Hafenstrom ist ein Baustein auf diesem Weg.

Warum Landstrom die Emissionen senkt

Ein Schiff am Kai steht nicht still, elektrisch betrachtet. Kühlung, Pumpen, Licht und Ladekräne brauchen Strom, und den liefern normalerweise Hilfsdieselmotoren an Bord, die auch im Hafen durchlaufen. Genau diese Aggregate stellt der Landstrom ab: Die Bordtechnik hängt am städtischen Netz, die Verbrennung an Bord ruht.

Der Effekt hängt am Strommix. Speist der Hafen Ökostrom ein, fällt am Liegeplatz praktisch kein CO2, kein Stickoxid und kein Feinstaub mehr an, dazu verschwindet das Dröhnen der Generatoren aus den angrenzenden Wohnvierteln. Ein Diesel im Leerlauf über Nacht verbrennt Kraftstoff für eine Leistung, die auch aus dem Netz käme, wie eine 50-Megawatt-Wärmepumpe bei BASF das Gas in der Dampferzeugung verdrängt. Wie viel Last ein solcher Wechsel für das Stromnetz bedeutet, zeigt der Blick auf die neue Logik der Großbatteriespeicher.

Landstrom verlegt das Emissionsproblem nicht, er beseitigt es am Liegeplatz. Für Hamburg entscheidet am Ende, ob genug Kaikanten den Stecker liefern, nicht wie viele Schiffe technisch dafür bereit sind.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Landstrom im Hamburger Hafen
Was Hapag-Lloyds Zusage an die Hamburg Port Authority in Zahlen bedeutet
35 %
der aktuellen Hapag-Lloyd-Flotte sind bereits vollständig für Landstrom ausgerüstet
2
Containerschiffe, „Al Muraykh“ und „Tihama“, zogen in Hamburg schon Landstrom
2030
ab dann verlangt die EU-Verordnung AFIR Landstrom an den großen TEN-T-Häfen
2045
Zieljahr für die klimaneutrale Flotte der Reederei

Was der EU-Rahmen für Reedereien bedeutet

Die freiwillige Zusage steht vor einer Pflicht. Ab 2030 verlangt die EU-Verordnung AFIR, dass Container- und Passagierschiffe über 5.000 Bruttoregistertonnen an den großen TEN-T-Häfen Landstrom nutzen, und die Häfen müssen die Anlagen bereitstellen.[2] Hamburg zieht seit der ersten Containerschiff-Anlage von 2024 nach und will bis 2030 alle großen Liegeplätze ausrüsten.

Verlader und Logistikentscheider spüren die Folgen unmittelbar. Reedereien mit landstromfähigen Schiffen sichern sich Liegeplätze und dämpfen den CO2-Preis, den der EU-Emissionshandel seit 2024 auch auf Seefracht legt. Landstromfähigkeit gehört damit als Kriterium in jede Transportausschreibung, ähnlich wie Industriebetriebe längst ihre Standorte umbauen, wenn E.ON und Leadec Europas Fabriken dekarbonisieren. Hafenstädte profitieren sofort von sauberer Luft und weniger Lärm, lange bevor die Frist greift.

Landstrom ist keine Kür mehr, sondern der günstigste Weg, den Hafenaufenthalt sauber und regelkonform zu halten. Reedereien und Verlader, die heute auf landstromfähige Schiffe und Liegeplätze setzen, stehen 2030 nicht vor einer teuren Nachrüstung.

Was ist Landstrom im Hafen?

Landstrom bezeichnet die Stromversorgung eines Schiffes über das öffentliche Netz, während es im Hafen liegt. Statt der Hilfsdieselmotoren an Bord übernimmt der Netzstrom die Bordfunktionen wie Kühlung, Pumpen und Licht. Fachlich heißt das Verfahren Onshore Power Supply. So sinken Abgase und Lärm am Liegeplatz.

Wie stark senkt Landstrom die Emissionen?

Wie stark Landstrom die Emissionen senkt, hängt vom Strommix ab. Kommt Ökostrom aus dem Netz, entstehen am Liegeplatz praktisch keine CO2-, Stickoxid- und Feinstaubmengen mehr, weil die Verbrennung an Bord ruht. Zusätzlich verschwindet der Lärm der Generatoren aus den angrenzenden Wohnvierteln.

Ab wann ist Landstrom in EU-Häfen Pflicht?

Ab 2030 verlangt die EU-Verordnung AFIR, dass Container- und Passagierschiffe über 5.000 Bruttoregistertonnen an den großen TEN-T-Häfen Landstrom nutzen. Die Häfen müssen die Anlagen bereitstellen. Der Hamburger Hafen will bis dahin alle großen Liegeplätze mit Landstrom ausrüsten.

Quellen

[1] Hapag-Lloyd: „Hapag-Lloyd uses shore power in the Port of Hamburg“

[2] Europäische Union: Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR)

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