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Eine kritische Lücke in Ghostscript macht hochgeladene PDF-Dateien zum Einfallstor für WordPress-Server. Wordfence führte vor, wie ein präpariertes Dokument ohne Anmeldung fremden Code startet, sobald WordPress daraus ein Vorschaubild erzeugt. Den Fix liefern Linux-Distribution und Hoster, nicht das Plugin-Verzeichnis.

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Die Ghostscript-Lücke CVE-2026-39919 steckt in dem Programm, mit dem viele Linux-Server PDF-Seiten in Bilder umwandeln. Gefunden hat sie Argus, der KI-Agent von Wordfence, bei einer Prüfung von WordPress 7.1. Am 12. Oktober veröffentlichte der Sicherheitsanbieter die Details samt Codeausführung ohne Login auf einer eigens gebauten Testsite.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • CVE-2026-39919 ist ein Speicherüberlauf in Ghostscript 9.21 bis 10.07.1, behoben in 10.08.0 (CVSS 3.1: 9,8, vergeben von VulnCheck).[2]
  • WordPress dient nur als Transportweg: Der Core erzeugt seit Version 4.7 über Imagick Vorschaubilder von PDFs.
  • Gefährdet sind Websites, auf denen Besucher oder Nutzer mit wenigen Rechten PDFs hochladen.
  • Angriffe sind bislang nicht bekannt.

Wie gelangt ein PDF bis zu Ghostscript?

Ein Blatt Papier steht aufrecht; im gewölbten Teil befindet sich eine offene orangefarbene Tür
WordPress nutzt Imagick und Ghostscript zur PDF-Vorschau. Ghostscripts JPEG-2000-Decoder verursacht Buffer Overflow durch falsche Bildgeometrie-Berechnung

WordPress rendert PDF-Vorschauen nicht selbst. Beim Upload reicht der Core die Datei über die PHP-Erweiterung Imagick an ImageMagick weiter, das wiederum Ghostscript startet.[1] Der Fehler sitzt im Decoder für JPEG-2000-Bilder: Bei einer bestimmten Bildgeometrie schreibt Ghostscript im dokumentierten Beispiel viermal so viele Daten in einen Puffer, wie dort Platz haben, und überschreibt dabei die interne Speicherverwaltung. Die Sandbox-Option von Ghostscript verhindert den Überlauf nicht.

Ein Standard-WordPress lässt anonyme Besucher keine PDFs in die Mediathek laden. Den Weg öffnen erst Formular-Plugins oder Mitgliederbereiche, über die Besucher und Konten mit wenigen Rechten Dateien hochladen. Die Lücke steht auf der Stufe Patch verfügbar: Exploits hat Wordfence nicht veröffentlicht, Hinweise auf Angriffe fand der Anbieter bis zum 12. Oktober nicht.

Warum hilft hier kein WordPress-Update?

Ghostscript gehört zum Betriebssystem oder zum Container-Image. Distributionen bauen den Fix oft in ihre ältere Version ein, die Versionsnummer allein verrät deshalb wenig: Ubuntu 22.04 meldet nach dem Update weiter 9.55.0, korrigiert ist erst die Paketrevision 9.55.0~dfsg1-0ubuntu5.14.[4] Debian 13 hat den Fix im Sicherheits-Repository, Debian 12 führt der Debian-Tracker am 13. Oktober noch als anfällig.[3]

Im August schloss WordPress 7.0.4 eine Upload-Lücke, die nur auf Servern mit Imagick und Ghostscript griff. Im September drang die Sicherheitsfirma Hacktron über eine Speicherlücke in der Bildbibliothek libheif bis zu OpenAI vor. Aufschlussreich ist der Build-Effekt: Die zwei Exploits von Wordfence scheiterten in 10.240 Versuchen an zehn anderen Linux-Umgebungen, liefen aber in allen vier Testaufbauten mit derselben Ghostscript-Programmdatei. Das größte Risiko tragen laut Wordfence deshalb Hoster und Agenturen, die viele Websites aus einem gemeinsamen Image betreiben.

Ghostscript-Lücke CVE-2026-39919 im Steckbrief
Schwere, Reichweite und Zeitablauf, Stand 13. Oktober 2026
9,8
Punkte nach CVSS 3.1 vergibt VulnCheck, Schweregrad kritisch
9.21 bis 10.07.1
heißen die betroffenen Ghostscript-Versionen, behoben ist die Lücke in 10.08.0
10 von 10
von Wordfence am 15. September getesteten Linux-Paketständen waren anfällig, darunter das offizielle WordPress-Docker-Image
0 von 10.240
Exploit-Versuchen gelangen auf fremden Builds, auf dem passenden Build liefen die Exploits weiter

Von der Entdeckung bis zur Offenlegung

23. August
Entdeckt
Wordfence Argus stößt bei einer Prüfung von WordPress 7.1 auf den Fehler
24. August
Bestätigt
Hersteller Artifex bestätigt den Bericht und bereitet die Korrektur vor
8. September
Patch
Ghostscript 10.08.0 erscheint mit dem Fix
21. September
Ubuntu
Canonical veröffentlicht korrigierte Ubuntu-Pakete (USN-8791-1)
12. Oktober
Offenlegung
Wordfence veröffentlicht die Details samt Codeausführung ohne Login

Ein PDF-Upload ohne Login ist ein Serverdienst und braucht dieselbe Patch-Disziplin wie der Webserver selbst.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was sollten Betreiber jetzt tun?

Angreifbar ist eine Site laut Wordfence nur, falls vier Dinge zusammenkommen: PDF-Uploads von Fremden, eine daraus erzeugte Vorschau, Imagick auf dem Server und ein ungepatchtes Ghostscript.[1] Der Website-Zustand im Dashboard zeigt, ob Imagick das PDF-Format kennt, über den Patch-Stand sagt er nichts.

  • Paket prüfen: dpkg -s ghostscript oder rpm -q ghostscript zeigt die volle Revision für den Abgleich mit Ihrer Distribution.
  • Hoster fragen: Bei Managed Hosting klärt nur der Anbieter, ob sein Ghostscript den Fix enthält. Einen Überblick über Managed-Hoster gibt der WordPress-Hosting-Vergleich.
  • Container neu bauen: Bauen Sie Images ohne Cache auf aktueller Basis neu, ein Neustart genügt nicht.
  • Übergang absichern: PDF-Uploads für Besucher abschalten oder PDFs in der ImageMagick-Richtlinie sperren.

Codeausführung auf dem Server öffnet Angreifern Formular- und Kundendaten. Die DSGVO verlangt Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik (Art. 32), bei einem Einbruch, erkennbar etwa an unbekannten Admin-Konten, läuft die 72-Stunden-Meldefrist an die Aufsicht (Art. 33).[5] Wie schnell Angreifer Upload-Lücken ausnutzen, zeigte zuletzt Bricksforge: Die Angriffe begannen kurz nach der Offenlegung.

FAQ: Ghostscript-Lücke: Präparierte PDFs gefährden WordPress-Server

Was ist Ghostscript?

Ghostscript ist ein Programm des Herstellers Artifex, das PDF- und PostScript-Dateien liest und ihre Seiten in Bilder umwandelt. Viele Linux-Server bringen es als Paket mit, oft unbemerkt, weil Bildbibliotheken wie ImageMagick es im Hintergrund aufrufen.

Welche Ghostscript-Version ist sicher?

Behoben ist CVE-2026-39919 in Ghostscript 10.08.0. Linux-Distributionen bauen den Fix oft in ältere Versionen ein, etwa Ubuntu 22.04 in das Paket 9.55.0~dfsg1-0ubuntu5.14. Maßgeblich ist deshalb die volle Paketrevision, nicht die Versionsnummer.

Ist WordPress selbst unsicher?

Nein. Der Fehler steckt in Ghostscript, WordPress ist nur einer von vielen Wegen, über den eine PDF-Datei dorthin gelangt. Ein Standard-WordPress erlaubt anonymen Besuchern zudem keine PDF-Uploads in die Mediathek.

Wie finde ich heraus, ob mein Server Ghostscript nutzt?

Auf eigenen Servern zeigt der Befehl dpkg -s ghostscript unter Debian und Ubuntu oder rpm -q ghostscript unter Fedora und Red-Hat-Systemen, ob und in welcher Revision das Paket installiert ist. Bei Managed Hosting gibt nur der Anbieter verlässlich Auskunft.

Wird die Ghostscript-Lücke schon ausgenutzt?

Bis zum 12. Oktober 2026 fand Wordfence keine öffentlichen Hinweise auf Angriffe. Die Lücke steht damit auf der Stufe Patch verfügbar. Betreiber sollten das Update trotzdem sofort einspielen, weil gezielte Angriffe auf bekannte Server-Builds möglich bleiben.

Was ist Wordfence Argus?

Argus ist ein KI-gestütztes Testsystem des Sicherheitsanbieters Wordfence. Es verfolgt hochgeladene Dateien über den PHP-Code hinaus bis in die Programme, die sie verarbeiten. So entdeckte Argus die Ghostscript-Lücke bei einer Prüfung von WordPress 7.1.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. WordfenceWordfence Argus Discovers Critical Vulnerability in Ghostscript, the Program That Turns Uploaded PDFs into Thumbnails on Your Server
  2. NIST National Vulnerability DatabaseCVE-2026-39919
  3. Debian Security TrackerCVE-2026-39919
  4. CanonicalUbuntu Security, CVE-2026-39919
  5. EUR-LexVerordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 32 und 33

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