GFF-Beschwerde: 1 Million Euro versperren App Store

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
4 Min. Lesezeit
GFF-Beschwerde: 1 Million Euro versperren App Store

Die deutsche Gesellschaft für Freiheitsrechte hat gemeinsam mit Article 19 eine Beschwerde bei der EU-Kommission gegen Apple eingereicht. Im Zentrum steht eine 1-Million-Euro-Bankgarantie, die Apple von App-Entwicklern für die Verteilung ihrer Software verlangt. Die NGO sieht darin einen klaren Verstoß gegen den Digital Markets Act.

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Mit der Beschwerde der Gesellschaft für Freiheitsrechte bekommt der EU-Konflikt mit Apple eine deutsche Stimme. Hand aufs Herz: 1 Million Euro Bankbürgschaft pro Entwickler-Account klingt nach Großkonzern-Standard. Für KMU, die eine App im Apple App Store oder einen alternativen Store auf iOS betreiben wollen, ist es ein faktisches Marktzutritts-Verbot. Genau diesen Hebel adressieren die zwei NGOs jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gesellschaft für Freiheitsrechte (Berlin) und Article 19 (London) haben am 22. Oktober 2025 gemeinsam Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.
  • Kernpunkt: 1-Million-Euro-Standby-Letter-of-Credit als Voraussetzung für App-Verteilung.
  • Die 16-seitige Beschwerde fordert weitere Bußgelder gegen Apple.
  • Apple wurde im April 2025 bereits zu 500 Millionen Euro DMA-Strafe verurteilt und legt Berufung ein.

Was genau wirft die GFF Apple vor?

Eine blaue Mappe mit Goldschloss und der Aufschrift „1 Million Euro Bürgschaft“
Apple verlangt von iOS-Entwicklern eine Bankgarantie über 1 Million Euro als Zugangsvoraussetzung für den EU-App-Store

Bankgarantie als Eintrittshürde. Apple verlangt von Entwicklern, die im EU-App-Store oder über einen alternativen Store auf iOS und iPadOS verteilen wollen, eine Standby-Letter-of-Credit über 1 Million Euro. Das ist eine Bankbürgschaft, die einen Großteil der Summe als Sicherheit binden kann. Die GFF und Article 19 argumentieren in ihrer 16-seitigen Beschwerde, dass kleine und mittelständische Unternehmen diese Kosten und Sicherheiten schlicht nicht stemmen können. Damit blockiere Apple den Marktzugang für genau die kleinen Anbieter, denen der DMA eigentlich helfen soll.

Interoperabilitäts-Hürden. Die Beschwerde geht über die Bürgschaft hinaus. Die NGOs werfen Apple vor, die Geschäftsbedingungen für App Store, iOS und iPadOS so zu gestalten, dass kleine Anbieter de facto ausgeschlossen werden. Konkret betrifft das die Installation und Nutzung von Drittanbieter-Software sowie alternativer App-Stores. Apple bestreitet die Vorwürfe und schiebt den schwarzen Peter der EU-Kommission zu. „Die EC schreibt uns vor, wie wir unseren Store führen sollen, und zwingt uns zu Geschäftsbedingungen, die für Entwickler verwirrend und für Nutzer schlecht sind“, zitiert MacDailyNews aus einer Apple-Stellungnahme.

Welche rechtliche Lage besteht aktuell?

Metallmünze mit Text und Schloss symbolisiert die Sperrung des App Stores
Deutsche KMUs zahlen iOS-Bürgschaft von 1 Million Euro. EU-Kommission könnte diese nach GFF-Beschwerde streichen oder senken

500 Millionen Euro Strafe. Die EU-Kommission hat Apple im April 2025 mit 500 Millionen Euro Bußgeld belegt, weil das Unternehmen Entwickler daran hinderte, ihre Kunden frei zu alternativen Zahlungswegen zu lenken. Apple hat Berufung eingelegt. Die laufende GFF-Beschwerde könnte das Verfahren um weitere Sanktionen erweitern. Maximal sind unter dem DMA bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes als Strafe möglich, bei Wiederholungstätern sogar 20 Prozent. Bei Apples 391-Milliarden-Dollar-Umsatz wäre das ein theoretisches Risiko von bis zu 39 Milliarden Dollar.

Apples Position. Cupertino sieht sich als Opfer regulatorischer Übergriffe. In einem Blogpost vom September 2025 argumentiert Apple, der DMA zwinge zu Designentscheidungen, die Sicherheit und Datenschutz der EU-Nutzer gefährden. Konkret nennt das Unternehmen verzögerte Features wie das iPhone-Mirroring am Mac, das in der EU nicht verfügbar ist. Apple drohte sogar, einzelne Produkte aus der EU zu ziehen, sollte die Kommission auf den aktuellen Bestimmungen beharren.

Eine deutsche NGO als Hebel gegen den weltgrößten Konzern, das hatten wir lange nicht. Wer als Mittelständler eine iOS-App plant, sollte die Entwicklung des Verfahrens beobachten, denn die GFF-Beschwerde könnte den Marktzugang für kleine Anbieter konkret aufmachen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet das für deutsche App-Entwickler?

App Store Logo mit Schlüssel im Schlüsselloch und Geldbündel samt Preisschild
Apple, Google und Cybersecurity im Fokus: Geschäftsmodelle 2026, KI-Strategien und Sicherheitsanforderungen für KMU

Marktzugang. Wer als deutscher KMU eine iOS-App betreibt, kämpft heute mit der 1-Million-Euro-Bürgschaft, mit Apples gestaffelten Provisionen seit Januar 2026 und mit komplexen Reporting-Pflichten. Falls die EU-Kommission der GFF-Beschwerde stattgibt, könnte die Bürgschaft entweder gestrichen oder erheblich reduziert werden. Für Start-ups und Kleinunternehmer wäre das ein konkreter Markteintritts-Hebel.

Strategischer Hinweis. Wer aktuell in App-Entwicklung investiert, sollte parallel den Web-Verteilungs-Weg planen. Progressive Web Apps und externe Zahlungslinks aus iOS-Apps heraus sind seit Januar 2026 unter neuen Bedingungen erlaubt, aber mit Aufpreisen verbunden. Eine vollständige Übersicht zum Apple-Geschäftsmodell und der DMA-Konfliktlinie bietet der DrWeb-Pillar zu Apple. Ergänzend lohnt der Blick auf die Google-Geschäftsmodell-Analyse, weil sich beide Konzerne unter dem DMA ähnliche Auseinandersetzungen liefern.

Den vollständigen Reuters-Bericht zur Beschwerde finden Sie auf der Reuters-Seite.

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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