Fox Tempest: Wenn Microsoft die Malware selbst signiert

Michael Dobler
Autor Dr. Web
2 Min. Lesezeit
Fox Tempest: Wenn Microsoft die Malware selbst signiert

Microsoft hat den Malware-Signing-Dienst Fox Tempest zerlegt. Über 1.000 missbräuchlich ausgestellte Code-Signing-Zertifikate wurden widerrufen, die Klage am 19. Mai 2026 in New York unsealed. Damit liefert die Digital Crimes Unit ihren ersten öffentlichen Schlag gegen Malware-Signing-as-a-Service.

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Mit der Disruption von Fox Tempest macht Microsoft ein Geschäftsmodell sichtbar, das jahrelang im Schatten von Ransomware-Angriffen mitlief. Stellen Sie sich vor, ein Krimineller buchte 5.000 bis 9.500 US-Dollar pro Signatur und bekam dafür Schadcode mit gültigem Microsoft-Zertifikat zurück. Genau diese Dienstleistung gab es bei Fox Tempest auf Knopfdruck.

Das Wichtigste in Kürze

  • Microsoft Digital Crimes Unit zerlegt Fox Tempest und widerruft über 1.000 Zertifikate
  • Preise zwischen 5.000 und 9.500 US-Dollar pro Code-Signing-Auftrag
  • Kunden waren Vanilla Tempest, Rhysida, Akira, INC, Qilin und BlackByte
  • Klage am 19. Mai 2026 vor dem US District Court Southern District of New York unsealed

Wie das Geschäftsmodell funktionierte

Siegelstempel auf rotem Wachs neben durchgestrichenem „SIGNED“-Sticker und Hinweistext
Fox Tempest bot Malware-Signing-as-a-Service mit Portal und Drag-and-Drop-Upload an. Hochgeladene Dateien wurden mit gültigem Microsoft-Zertifikat signiert, um Sicherheitssysteme zu umgehen

MSaaS. Fox Tempest betrieb Malware-Signing-as-a-Service mit eigenem Kunden-Portal und Drag-and-Drop-Upload. Wer eine ausführbare Datei hochlud, bekam sie mit einem gültigen Microsoft-Artifact-Signing-Zertifikat signiert zurück. Damit konnten Schadcode-Hersteller ihre Programme an Endpoint-Schutz, SmartScreen und Defender vorbeischleusen. Das Ergebnis war eine Industrialisierung der Code-Signing-Fälschung.

Kundenkreis. Microsoft listet Vanilla Tempest, Rhysida, Akira, INC, Qilin, BlackByte sowie weitere Storm-Gruppen als Abnehmer. Damit landet Fox Tempest in der Lieferkette praktisch jeder ernstzunehmenden Ransomware-Operation der letzten zwölf Monate. Die Disruption wurde Anfang Mai 2026 per Gerichtsbeschluss in New York eingeleitet und durch die offizielle Microsoft-Mitteilung am 19. Mai bestätigt.

Wer Code-Signing fälschen kann, hebelt die zentrale Vertrauenskette moderner Software aus. Microsofts Klage ist die erste juristische Antwort, die genau diese Stelle adressiert.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was Mittelständler jetzt prüfen sollten

Ein vertikales weißes Schild auf weißem Grund zeigt Text und ein Siegel
Endpoint-Logs der letzten zwölf Monate auf ungewöhnliche signierte Dateien prüfen, auch wenn Microsoft die Zertifikate widerrufen hat

Endpoint-Logs. Prüfen Sie für die letzten zwölf Monate, ob im EDR-System ungewöhnliche signierte ausführbare Dateien aufgetaucht sind. Microsoft hat die Zertifikate widerrufen, aber bereits eingespielte Binaries sitzen weiterhin auf den Endpunkten. Saubere Forensik fängt mit einer ehrlichen Logauswertung an.

Vertrauen prüfen. Code-Signing ist ein Vertrauensanker, kein Sicherheits-Beweis. Wer Sicherheits-Strategien aufbaut, sollte Signatur-Prüfung mit Verhaltensanalyse, Application Whitelisting und Netzwerk-Segmentierung kombinieren. Den Rahmen liefert der Pillar zu Cybersecurity-Grundlagen für 2026, ergänzend zeigen die Fälle Elementor und FunnelKit, wie schnell vermeintlich vertrauenswürdige Komponenten zur Bedrohung werden.

Für Geschäftsführungen lohnt eine harte Frage. Welcher Prozess prüft im Haus, ob ein neu installiertes Programm tatsächlich aus einer vertrauenswürdigen Quelle stammt? Wenn die Antwort beim Endgerät endet, ist die Lieferkette ungeschützt. Fox Tempest war ein Lieferanten-Problem, kein Endpoint-Problem.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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