Die eSIM wird in China vom Sonderfall zum Standard: China Unicom erklärt das Smartphone offiziell zum Gerät mit vier Rufnummern. Auf einem Telefon lassen sich künftig zwei physische und zwei eingebettete Nummern frei umschalten, ohne dass eine Karte den Schlitten wechselt. Für einen Markt, der die digitale SIM jahrelang ausbremste, ist das ein Kurswechsel.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Rund eine Million eSIM-Handys verkaufte China im ersten Halbjahr 2026. Im zweiten Halbjahr rechnet die Branche mit dem Zwanzigfachen, also über 20 Millionen Geräten. Den Anstoß geben zwei Namen: Apple und Huawei rüsten ihre neuen Spitzenmodelle im September durchgängig auf eSIM um.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • China Unicom erklärt das Modell mit vier Nummern je Gerät (2P+2e) zum künftigen Standard: zwei physische und zwei eingebettete Rufnummern auf einem Telefon.
  • Im ersten Halbjahr 2026 gingen rund eine Million eSIM-Handys über die Ladentheke, für das zweite Halbjahr erwartet die Branche über 20 Millionen.
  • Sechs Marken und 18 Modelle unterstützen bei China Unicom bereits die eSIM; Apple und Huawei ziehen ihre neuen Flaggschiffe im September komplett nach.
  • China stoppte die eSIM 2023 wegen Betrugssorgen und ließ sie erst seit Oktober 2025 wieder zu; die Klarnamen-Prüfung vor Ort bleibt Pflicht.

Was steckt hinter dem Vier-Nummern-Modell?

Schlüsselbund mit nummerierten Metallanhängern und einem Papieranhänger mit der Aufschrift „eSIM“
Smartphones künftig mit zwei SIM-Kartenschächten und zwei eingelöteten eSIM-Chips. Nutzer wechseln zwischen Beruf, Privat und Reisen ohne Slot-Öffnung

Zwei physisch, zwei digital. Das künftige Standardlayout heißt 2P+2e: zwei klassische Kartenplätze plus zwei fest verbaute eSIM-Profile. Die eSIM ist kein Kärtchen mehr, sondern ein eingelöteter Chip, den der Anbieter aus der Ferne mit einer Nummer bespielt. Nutzer schalten so zwischen Beruf, Privatleben und Reise um, ohne einen Slot zu öffnen. China Unicom nennt sechs Terminal-Marken mit 18 eSIM-Modellen und begleitet den Start mit 22 Aktionen im ganzen Land.

Warum ließ China die eSIM so lange liegen?

Klarname vor Komfort. Jede chinesische Rufnummer hängt an einer amtlich geprüften Identität, und die Fernfreischaltung der eSIM unterlief diese Pflicht. 2023 stoppten alle drei Netzbetreiber die Technik unter Verweis auf Betrug, erst im Oktober 2025 gab die Aufsicht kommerzielle Pilotläufe frei. Die Ausweisprüfung vor Ort blieb, die Karte fiel weg. Wie streng Peking die Zuordnung von Nummer und Person hält, zeigte schon die Vorgabe, dass Chinas Netzbetreiber SIM-Karten nur noch selbst verkaufen.

Chinas eSIM-Wende ist keine Bequemlichkeit für Reisende, sondern ein Kontrollgewinn: Die Klarnamen-Pflicht wandert von der Plastikkarte in die Software und bleibt dort genauso bindend.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet der eSIM-Schwenk für den DACH-Raum?

Kein Ferngeschäft. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die eSIM längst Alltag, doch Chinas Öffnung beschleunigt den Trend zum Gerät ohne Kartenschlitten, den Apple mit seinen rein digitalen Modellen vorantreibt. Vier Nummern auf einem Telefon lösen für Firmen das Gerätechaos zwischen Dienst- und Privatanschluss. Zugleich verschiebt sich das Risiko: Eine übernommene eSIM taugt zum Kapern von SMS-Codes genauso wie eine gestohlene Karte, weshalb reine SMS-Bestätigung als zweiter Faktor an Wert verliert. Wie stark der Mobilfunk zur reinen Software wird, zeigt auch das europäische Satellitennetz gegen Starlink.

Chinas eSIM-Schwenk in Zahlen
China Unicom öffnet die digitale SIM (September 2026)
4 Nummern
je Gerät im neuen Modell 2P+2e: zwei physische, zwei eingebettete Rufnummern
20 Mio.
erwartete eSIM-Handys in China im zweiten Halbjahr 2026, nach rund 1 Mio. im ersten
18 Modelle
von sechs Marken unterstützen bei China Unicom bereits die eSIM
2023 bis 2025
Stopp wegen Betrugssorgen, seit Oktober 2025 wieder freigegeben

Warum erst jetzt

Klarnamen-Pflicht: Die Freischaltung der eSIM verlangt weiterhin die Ausweisprüfung vor Ort, nur die Plastikkarte fällt weg. Apple und Huawei mit voller eSIM-Unterstützung ab September treiben den Umstieg.

Firmen, die Mitarbeiter nach China schicken, kommen künftig ohne Kartentausch aus, müssen die Nummer aber weiter mit Ausweis vor Ort freischalten lassen. Für die Absicherung sensibler Zugänge lohnt der Umstieg von SMS-Codes auf App-basierte Verfahren, weil eine gekaperte eSIM denselben Schaden anrichtet wie eine entwendete Karte. Wie schnell sich eine Nummer heute schalten lässt, zeigt 1&1 mit der eSIM in drei Minuten; für die Reise selbst hilft der Überblick zu eSIM-Angeboten wie Yesim.

FAQ: eSIM in China

Was bedeutet das Modell mit vier Nummern bei der eSIM?

Ein Handy trägt im Layout 2P+2e zwei physische SIM-Karten und zwei eingebettete eSIM-Profile. Damit lassen sich vier Rufnummern auf einem Gerät hinterlegen und ohne Kartenwechsel umschalten, etwa für Beruf, Privatleben und Reise. China Unicom erklärt dieses Modell zum künftigen Standard.

Warum unterstützte China bisher kaum eSIM?

Jede chinesische Rufnummer muss an eine amtlich geprüfte Identität gebunden sein. Die Fernfreischaltung der eSIM erschwerte diese Klarnamen-Pflicht, weshalb die Netzbetreiber die Technik 2023 wegen Betrugssorgen stoppten. Erst seit Oktober 2025 ist sie im kommerziellen Betrieb wieder zugelassen.

Welche Handys unterstützen eSIM in China?

China Unicom nennt sechs Marken mit 18 eSIM-Modellen. Im September haben Apple und Huawei ihre neuen Spitzenmodelle durchgängig auf eSIM umgestellt, sodass die digitale SIM bei Flaggschiffen zur Standardausstattung wird. Die Branche erwartet für das zweite Halbjahr 2026 über 20 Millionen eSIM-Geräte.

Ist die eSIM sicherer als die physische SIM-Karte?

Die eSIM lässt sich nicht mehr stehlen oder heimlich tauschen, doch das Risiko verlagert sich auf das Konto: Wird ein Mobilfunkzugang gekapert, taugt auch die eSIM zum Abfangen von SMS-Codes. Reine SMS-Bestätigung als zweiter Faktor verliert dadurch an Wert, App-basierte Verfahren sind sicherer.

Was bedeutet Chinas eSIM-Öffnung für Reisende und Firmen?

Reisende sparen den Kartentausch, müssen die Nummer aber weiter mit Ausweis vor Ort freischalten. Firmen können Dienst- und Privatanschluss auf einem Gerät trennen. Der weltweite Trend zum Handy ohne Kartenschlitten, den Apple vorantreibt, gewinnt durch den chinesischen Markt zusätzlich an Tempo.

Quelle

[1] IT之家: „中国联通:智能手机正式迈入一机四号码时代,预计下半年 eSIM 手机突破 2000 万台“

Mehr Newshunger?

4,1 16 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?