Der Workboy: Game Boys verschollenes Büro-Zubehör

Markus Seyfferth
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Der Workboy: Game Boys verschollenes Büro-Zubehör

Der Workboy sollte den Game Boy 1992 in eine Mini-Arbeitsstation verwandeln, mit Tastatur, Adressbuch und Währungsrechner. Das Zubehör erschien nie, und seine Tastatur galt jahrelang als verschollen.

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Dann tauchten die Spuren doch wieder auf. Erst das ROM der Cartridge, später ein Prototyp der Tastatur, beide dokumentiert in der Spielearchäologie-Community. Die Geschichte zeigt, wie ein vergessenes Stück Hardware nach über drei Jahrzehnten zurück ans Licht kommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Workboy war ein nie veröffentlichtes Game-Boy-Zubehör mit Tastatur, geplant für Juni 1992.
  • Entwickelt wurde die Software von der Firma Source, gemeinsam mit Fabtek und Montague-Weston.
  • Das Gerät sollte 79,99 US-Dollar kosten, so viel wie der Game Boy selbst.
  • Das ROM tauchte 2020 in einem großen Datenleck auf, die Tastatur kurz darauf als Prototyp.

Büro in der Hosentasche. Die Idee klingt nach ihrer Zeit. Der Workboy sollte den Game Boy zur Mini-Workstation machen, mit Verwaltung von Terminen, Adressen, Notizen, Kontostand und Telefonnummern. Dazu kamen Rechner für Temperaturen, Währungen und ein Übersetzer zwischen fünf Sprachen. Beworben wurde das Zubehör in zeitgenössischen Spielemagazinen, doch zur Veröffentlichung kam es nie.

Wie verschwand der Workboy, und wie kam er zurück?

Draufsicht auf eine graue Retro-Tastatur mit blau getönten Akzenttasten und Spiralkabel
Game-Boy-Tastatur-Prototyp nach Jahren wiedergefunden: 2020 erschien das ROM-Code-Leak, später bewies ein Video die Funktionsfähigkeit des verschollenen Systems

Lange verschollen. Über Jahre galt die Tastatur als verloren, das Projekt als Fußnote der Game-Boy-Geschichte. Das änderte sich 2020. Zunächst tauchte das ROM der Cartridge in einem umfangreichen Datenleck auf. Im Dezember desselben Jahres folgte der eigentliche Beweis, dass das System funktioniert: Ein Video zeigte einen Prototyp der Tastatur im Einsatz mit dem geleakten ROM auf einem echten Game Boy.

Funktionierende Einheit. Das ROM arbeitet vollständig mit seiner Tastatur zusammen. Damit ist belegt, dass der Workboy mehr war als eine Anzeige im Magazin. Source hatte laut den damaligen Berichten bereits einen Nachfolger geplant, samt echter Textverarbeitung, und Entwickler hatten Interesse signalisiert, die Tastatur für textbasierte Spiele zu nutzen. Wer solche Computing-Geschichte mag, findet bei uns auch die Geschichte des Internets vom ARPANET zur KI.

Solche Wiederentdeckungen sind mehr als Nostalgie. Sie zeigen, wie nah die Branche schon vor Jahrzehnten an Ideen war, die erst später Alltag wurden, vom mobilen Büro bis zur Tastatur am Spielgerät.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum lohnt der Blick auf solche Fundstücke?

Miniaturfigur eines Mannes liest Notizblatt auf einer beigen Retro-Computertastatur vor weißem Hintergrund
Der Workboy war ein tragbares Büro für Konsolen, Jahre vor Smartphones. Zu teuer und schlecht getimed, scheiterte die Innovation nicht an der Idee, sondern am 80-Dollar-Preis

Verpasste Zukunft. Der Workboy war ein mobiles Büro, Jahre bevor Smartphones die Idee selbstverständlich machten. Sein Scheitern lag nicht an der Vision, sondern am Preis und am Timing. 79,99 Dollar für ein Zubehör, das so viel kostete wie die Konsole selbst, war eine hohe Hürde. Die Geschichte erinnert daran, dass viele gute Ideen weniger an der Technik als an den Umständen scheitern.

Archäologie der Hardware. Dass ROM und Tastatur überhaupt wieder auftauchten, verdankt sich engagierten Sammlern und Forschern, die verlorene Spielgeschichte dokumentieren. Ohne diese Arbeit bliebe der Workboy eine bloße Anzeige in vergilbten Magazinen. So aber lässt sich nachvollziehen, wie ein ambitioniertes Gerät tatsächlich funktioniert hätte.

Praxiswert. Für Technikinteressierte in der DACH-Region ist der Fall ein schönes Beispiel dafür, wie Produktideen ihrer Zeit voraus sein können. Die Wiederentdeckung wurde maßgeblich durch ein Video des Kanals DidYouKnowGaming dokumentiert, das den Prototyp erstmals in Aktion zeigte.

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Markus Seyfferth
Autor
ist seit 2019 geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web. Er verantwortet die redaktionelle Ausrichtung des Dr. Web Magazins und bringt seine Expertise in den Bereichen Webdesign, Webentwicklung, WordPress, SEO sowie Online Marketing ein. Zudem verfasst er regelmäßig Fachartikel, um sein Wissen und seine Erfahrungen zu teilen und anderen im Online Marketing weiterzuhelfen.
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