Orthodox C++: der stille Aufstand gegen modernes C++

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Orthodox C++: der stille Aufstand gegen modernes C++

Ein zehn Jahre alter Programmiertext sorgt auf Hacker News erneut für Diskussionen. Orthodox C++ fordert, fast alles wegzulassen, was modernes C++ ausmacht. Hinter der Provokation steckt eine Frage, die jedes Entwicklerteam kennt.

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Orthodox C++ beschreibt einen bewusst kleinen Ausschnitt der Sprache, der C verbessert, aber den Ballast von Modern C++ meidet. Branimir Karadžić, Autor der Grafikbibliothek bgfx, hat den Text bereits 2016 veröffentlicht. Auf der Startseite von Hacker News taucht er gerade wieder auf, und die alte Debatte läuft von Neuem.

Das Wichtigste in Kürze

  • Orthodox C++ verzichtet auf Ausnahmen, RTTI, die C++-Streams und auf alles aus der STL, das im Hintergrund Speicher anfordert.
  • Das Ziel besteht in Code, der sich leichter lesen lässt, schneller baut und auch mit älteren Compilern übersetzt.
  • Prominente Projekte wie DOOM 3 BFG, Dear ImGui und bgfx selbst halten sich an diese Regeln.
  • Die Mehrheit der C++-Community hält dagegen und setzt weiter auf Modern C++.

Was steckt hinter Orthodox C++?

Antiker orangefarbener Hobel in offener Holzkiste auf weißem Tisch
Karadžić entwickelt C+ als reduzierte C++-Variante: nur Features, die Lesbarkeit bewahren und Komplexität senken, ohne Spezialwissen erforderlich

Reduktion. Karadžić nennt seinen Ansatz scherzhaft auch C+, also C mit einem kleinen Plus. Erlaubt ist alles, was den Code lesbar hält, und C++-Mittel kommen nur dort dazu, wo sie die Komplexität tatsächlich senken. Andere Entwickler sollen den Quelltext ohne Spezialwissen über die neuesten Sprachstandards verstehen.

Warum lehnen die Befürworter moderne Features ab?

Offener Werkzeugkasten mit Werkzeug und Aufschrift
C++-Exceptions verursachen Laufzeitkosten, da der Compiler versteckten Code für Fehlerfälle vorhalten muss und weniger optimieren kann

Laufzeitkosten. Ausnahmen gelten als das einzige C++-Feature, das selbst dann Kosten verursacht, wenn niemand es nutzt. Der Compiler muss bei jedem Objekt versteckten Code für mögliche Fehlerfälle vorhalten und kann weniger aggressiv optimieren. RTTI und die Streams aus iostream stehen aus ähnlichen Gründen auf der Streichliste.

Speicherkontrolle. Container aus der Standardbibliothek fordern im Hintergrund Speicher an, oft an Stellen, die im Quelltext nicht sichtbar sind. Viele Studios aus der Spieleentwicklung schreiben deshalb eigene Datenstrukturen, die jede Anforderung offenlegen. Der Preis dafür ist mehr Eigencode, der Gewinn liegt in vorhersagbarer Leistung.

Die Diskussion dreht sich nie um C++ allein. Jedes Team fragt sich irgendwann, ob es die nächste Abstraktion wirklich braucht oder nur mitschleppt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Webentwickler?

Antike Säule mit „C++“-Schriftrolle und oranger Badeente vor weißem Hintergrund
Frontend-Entwicklung: React bietet Struktur, kostet aber Performance. Schlanke Seiten brauchen oft nur HTML, CSS und minimal JavaScript

Dieselbe Grundfrage. Im Frontend taucht der Streit in anderer Form auf. Ein Framework wie React verspricht Struktur, bringt aber Build-Schritte, Abhängigkeiten und längere Ladezeiten mit. Für eine schlanke Seite reicht oft sauberes HTML mit etwas CSS und wenig JavaScript, wie unsere Checkliste vor dem Go-live zeigt.

Bewusst entscheiden. Orthodox C++ liefert kein Patentrezept, sondern eine Haltung. Prüfen Sie bei jeder Bibliothek, ob sie ein konkretes Problem löst oder nur Gewohnheit ist. Genau diese Disziplin trennt wartbaren Code von einem Projekt, das unter seinen eigenen Abhängigkeiten ächzt. Den vollständigen Originaltext stellt Karadžić frei auf seiner Projektseite bereit.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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