DeepSeek liefert Spitzenleistung zum Bruchteil westlicher Preise und steht trotzdem auf der schwarzen Liste deutscher Datenschützer. Ein chinesisches Sprachmodell rüttelt seit Anfang 2025 an der Rangordnung der KI-Branche. Warum der günstige Zugang für deutsche Unternehmen zur Falle werden kann, klärt dieser Überblick.

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DeepSeek hat die KI-Welt in den vergangenen achtzehn Monaten kräftig aufgewühlt. Sie hören von Kollegen, dass ein chinesisches Modell GPT und Claude bei einem Zehntel der Kosten Paroli bietet, und fragen sich, ob der Wechsel sich lohnt. Vor der ersten Anmeldung lohnt ein nüchterner Blick auf Technik, Preis und Rechtslage.

Das Wichtigste in Kürze

  • DeepSeek stammt vom chinesischen Labor Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence und gehört seit dem R1-Schock im Januar 2025 zu den meistbeachteten KI-Anbietern weltweit
  • Das aktuelle Flaggschiff V4 kostet als Open-Weight-Modell einen Bruchteil westlicher Preise und schließt bei der Denkleistung fast zur Spitze auf
  • Die Berliner Datenschutzbeauftragte hat die App im Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt gemeldet, weil Nutzerdaten ungeschützt nach China fließen
  • Rechtssicher bleibt für deutsche Unternehmen vor allem der Eigenbetrieb der offenen Modellgewichte auf europäischer Infrastruktur

Wer steckt hinter DeepSeek?

Ein Angelhaken hängt an einer Schnur und trägt ein Preisschild mit der Aufschrift „0,12 €“
DeepSeek wurde 2023 von Liang Wenfeng, Mitgründer des Quant-Fonds High-Flyer, gegründet. Das chinesische KI-Labor optimiert Rechenleistung statt Ressourcen

Hinter DeepSeek steht keine Heerschar an Konzern-Ingenieuren, sondern der Ableger eines Hedgefonds. Liang Wenfeng, Mitgründer des Hangzhouer Quant-Fonds High-Flyer, hat das Labor 2023 gegründet. Die mathematische Herkunft prägt bis heute den Stil: maximale Rechenleistung aus minimalem Aufwand statt der teuren Materialschlacht der großen US-Häuser.

Bekannt wurde der Name über Nacht. Im Januar 2025 hat DeepSeek das Reasoning-Modell R1 veröffentlicht. Trainiert auf vergleichsweise wenig Hardware, hat das Modell die Aufgaben von OpenAIs o1 bei Mathematik, Code und logischem Schließen erreicht. Die kostenlose App ist in den USA an die Spitze der Download-Charts geklettert und hat ChatGPT verdrängt.

Die Reaktion an den Börsen fiel brutal aus. Der Chipkonzern Nvidia hat an einem einzigen Handelstag rund 520 Milliarden Euro Börsenwert verloren, ein Minus von etwa 18 Prozent und der größte Tagesverlust der US-Börsengeschichte. Anleger fürchteten, dass teure Rechenzentren womöglich überflüssig werden, falls ein Außenseiter mit schmalem Budget mithält.

Seitdem hält das Labor ein ungewöhnlich niedriges Profil. Nach Personalabgängen und verschobenen Starts hat die Rückkehr an die Spitze gedauert. Bemerkenswert finden wir, dass ein Team aus der Finanzmathematik die etablierten Forschungslabore beim Kostendenken vorführt, auf einem Feld, auf dem sich Silicon Valley lange für unschlagbar gehalten hat.

 

Welche Modelle bietet DeepSeek 2026?

Ein Schlüssel mit Gravur „DeepSeek 2026“ und Anhänger „NUR UND EINE SEELE“
DeepSeek V4 in zwei Varianten: Mixture-of-Experts-Modelle mit bis zu einer Million Token Kontextfenster für Code und Verträge

Das Portfolio hat sich seit dem ersten Aufschlag stark verzweigt. Im April 2026 hat DeepSeek eine Vorschau des Flaggschiffs V4 veröffentlicht, und zwar gleich in zwei Varianten. Beide arbeiten als Mixture-of-Experts-Modelle und fassen bis zu eine Million Token in einem einzigen Prompt, genug für ganze Codebasen oder dicke Vertragswerke.

Der Unterschied liegt in der Größe. V4 Pro bringt 1,6 Billionen Parameter mit, von denen pro Anfrage 49 Milliarden aktiv sind, und gilt damit nach der Aufstellung des Fachmagazins TechCrunch als größtes frei verfügbares Modell überhaupt. V4 Flash fällt mit 284 Milliarden Parametern und 13 Milliarden aktiven deutlich schlanker aus und zielt auf schnelle, günstige Antworten.

Die Namensgebung stiftet dabei reichlich Verwirrung. V3, V3.2 und V4 sind keine glatten Nachfolger, sondern setzen jeweils andere Schwerpunkte bei Kosten und Leistung. Daneben laufen die Vorgänger weiter: Das Reasoning-Modell R1 bleibt erste Wahl für mehrstufige Logik, das Allzweckmodell V3.2 mit 671 Milliarden Parametern deckt Chat und lange Dokumente ab.

Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Modelle nach Architektur und Einsatzzweck.

Modell Parameter (aktiv) Stärke Besonderheit
V4 Pro 1,6 Bio. (49 Mrd.) Reasoning, Coding, Flaggschiff Größtes Open-Weight-Modell weltweit
V4 Flash 284 Mrd. (13 Mrd.) Schnelle, günstige Interaktion Niedrige Latenz, hoher Durchsatz
R1 671 Mrd. (37 Mrd.) Mathematik, mehrstufiges Schließen Erreicht o1-Niveau
V3.2 671 Mrd. (37 Mrd.) Allzweck, lange Dokumente Etabliertes Brot-und-Butter-Modell

Eine Einschränkung sollten Sie kennen. Sowohl V4 Pro als auch V4 Flash verstehen ausschließlich Text. Bild, Audio und Video, wie viele westliche Modelle das beherrschen, bleiben außen vor. Für reine Sprach- und Programmieraufgaben spielt das keine Rolle, für multimodale Abläufe schon.

Warum ist DeepSeek so viel billiger?

Silbernes Vorhängeschloss mit Textgravur und aufgeklebtem Schlüsselsymbol
Mixture-of-Experts-Modell nutzt nur spezialisierte Einheiten statt des gesamten Netzes, wodurch bei V4 Pro pro Token nur 49 von 1.600 Milliarden Parametern aktiv sind

Der Preisvorteil hat einen technischen Kern. Klassische Sprachmodelle aktivieren bei jeder Anfrage ihr komplettes Netz. Ein Mixture-of-Experts-Modell schaltet dagegen nur die Handvoll Spezialeinheiten frei, die zur Aufgabe passen. Bei V4 Pro rechnen pro Token nur 49 der 1.600 Milliarden Parameter mit, was die Inferenzkosten drastisch senkt.

Schon das Training fiel günstig aus. Nach eigenen Angaben hat DeepSeek das Vorgängermodell V3 für rund 5 Millionen Euro trainiert, während die Branche die Kosten für GPT-4 auf schätzungsweise 90 Millionen Euro taxiert. Belastbar prüfen lässt sich diese Zahl nicht, weil DeepSeek als Privatunternehmen keine testierten Bilanzen vorlegt. Die Größenordnung deckt sich aber mit Beobachtungen unabhängiger Analysten.

Beim Endpreis wird der Abstand greifbar. DeepSeek unterbietet jedes westliche Spitzenmodell deutlich, wie die Token-Preise zeigen, die das Fachmagazin TechCrunch aufgeschlüsselt hat. Die wirtschaftliche Kehrseite dieses Preiskampfs zeigt sich bei der Konkurrenz, etwa in unserer Analyse zu OpenAIs Milliardenverlusten.

Modell Eingabe je Mio. Token Ausgabe je Mio. Token
V4 Flash 0,12 € 0,24 €
V4 Pro 0,13 € 3,04 €

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. V4 Flash kostet bei der Eingabe rund zwölf Cent je Million Token und unterbietet damit GPT-5.4 Nano, Gemini 3.1 Flash und Claude Haiku 4.5. Selbst das größere Pro-Modell bleibt bei der Eingabe unter westlichen Sparmodellen. Erst bei der Ausgabe zieht der Pro-Tarif spürbar an, liegt aber weiter unter Gemini 3.1 Pro und vergleichbaren Häusern.

Für rechenintensive Aufgaben verschiebt dieser Preis die ganze Kalkulation. Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Support-Bot verarbeitet im Monat 500 Millionen Eingabe-Token. Mit V4 Flash läge die reine Eingabe-Rechnung bei rund 60 Euro, ein Vielfaches günstiger als bei den meisten Premium-Modellen. Den Haken liefert nicht der Preis, sondern die Frage, wohin diese 500 Millionen Token wandern.

Wo schlägt DeepSeek die Konkurrenz, wo nicht?

Eine Holzkiste mit Aufschrift „DEEPSEEK BILLIGE KI“, Loch und einem Schlüssel davor
DeepSeek V4-Pro-Max übertrifft bei Reasoning-Benchmarks offene Konkurrenten und schlägt OpenAIs GPT-5.2 sowie Gemini 3.0 Pro bei einzelnen Aufgaben

Bei reiner Denkleistung hat DeepSeek mächtig aufgeholt. Nach eigener Darstellung übertrifft das Topmodell V4-Pro-Max die offenen Wettbewerber bei Reasoning-Benchmarks und schlägt OpenAIs GPT-5.2 sowie Gemini 3.0 Pro bei einzelnen Aufgaben. Im Programmier-Wettbewerb liegt V4 nach Angaben des Labors gleichauf mit GPT-5.4.

Besonders stark präsentiert sich das Modell in der Mathematik. Schon R1 hat 2025 bei Wettbewerbsaufgaben Werte erreicht, die mit den besten Reasoning-Modellen aus den USA mithalten. Genau diese Disziplin gilt als Königsklasse, weil mehrstufige Logik sich schwerer vortäuschen lässt als reines Faktenwissen.

Bei den Schwächen wird das Labor selbst deutlich. In Wissenstests fällt V4 hinter die Spitze zurück, konkret hinter OpenAIs GPT-Modelle und Googles Gemini 3.1 Pro. DeepSeek beziffert den Rückstand zum Stand der Technik auf drei bis sechs Monate. Ehrlicher kann ein Hersteller kaum über die eigenen Grenzen sprechen, und genau diese Offenheit fehlt vielen westlichen Pressemitteilungen.

Eine politische Grenze sollten Sie einkalkulieren. Bei heiklen Themen rund um China antwortet das Modell ausweichend oder verweigert die Auskunft. Für Unternehmensanwendungen spielt das selten eine Rolle, für Recherche und Medienarbeit schon.

Auch die Herkunft der Stärke ist umstritten. Anthropic und OpenAI werfen DeepSeek vor, ihre Modelle per Distillation nachgebaut zu haben. Am Tag vor dem V4-Start haben die USA China zudem vorgeworfen, geistiges Eigentum amerikanischer Labore in großem Stil abzugreifen. Die internen Benchmark-Werte des Labors würden wir deshalb erst dann für bare Münze nehmen, sobald unabhängige Dritte sie bestätigen.

Technisch hat DeepSeek mit dem 1,6-Billionen-Parameter-Modell V4 die offene Konkurrenz überholt. Den eigentlichen Wettbewerb verliert das Labor in Berlin, nicht im Benchmark.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Darf ich DeepSeek in Deutschland überhaupt nutzen?

Weißes Ohrmodell mit Brezel-Ohrring und Schriftzug
Berliner Datenschutzbeauftragte meldet DeepSeek-App als rechtswidrig bei Apple und Google gestützt auf EU-Datenschutzbestimmungen

Verboten ist DeepSeek in Deutschland nicht, riskant aber sehr wohl. Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat die App am 27. Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt gemeldet. Grundlage war Artikel 16 des Digital Services Act, mit dem die Behörde die Plattformbetreiber zur Prüfung einer Sperrung zwingt.

Der Kern des Vorwurfs liegt im Datenfluss nach China. Nach Angaben der Behörde verarbeitet der Dienst sämtliche Texteingaben, Chatverläufe, hochgeladenen Dateien sowie Standort-, Geräte- und Netzwerkdaten und speichert all das auf Servern in China. Ein Angemessenheitsbeschluss der EU für China existiert nicht, ausreichende Garantien nach Artikel 46 DSGVO hat DeepSeek nicht nachgewiesen.

Behördenchefin Meike Kamp begründet den Schritt mit zwei Punkten. Chinesische Behörden besäßen weitreichende Zugriffsrechte auf Daten im Einflussbereich chinesischer Unternehmen. Und anders als in der EU stünden den Nutzern in China keine durchsetzbaren Rechte und wirksamen Rechtsbehelfe zur Verfügung.

Vorausgegangen war eine Aufforderung vom 6. Mai 2025, die Datenübermittlung zu stoppen oder die App selbst aus den deutschen Stores zu nehmen. DeepSeek hat darauf nicht reagiert. Die Berliner Behörde hat in enger Abstimmung mit den Datenschützern aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bremen gehandelt. International sind Italien, Südkorea, Taiwan und Australien bereits vorher gegen den Dienst vorgegangen.

Auch die überarbeitete Datenschutzerklärung vom Januar 2026 hat die Grundprobleme nicht gelöst. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO fehlt weiterhin, ebenso Standardvertragsklauseln für den China-Transfer und ein formeller EU-Vertreter nach Artikel 27. Für jede Verarbeitung personenbezogener Daten über die DeepSeek-Cloud bleibt damit ein hohes Aufsichtsrisiko.

Für Sie als Entscheider heißt das konkret: Jede Eingabe mit Kundennamen, Personaldaten oder Geschäftsgeheimnissen in die öffentliche DeepSeek-App ist ein Compliance-Risiko, das im Zweifel Sie tragen, nicht der Anbieter in China.

Wie setzen Unternehmen DeepSeek rechtssicher ein?

Orangener Karton mit Text; Krebsscheren halten Zettel mit Text
Open-Weight-Modelle V3, R1 und V4 können kostenlos heruntergeladen und auf eigenen europäischen Servern betrieben werden, ohne Datentransfers ins Ausland

Die gute Nachricht steckt im Wort Open-Weight. V3, R1 und die V4-Gewichte stehen offen zum Download und lassen sich auf eigener Infrastruktur betreiben. Beim Eigenbetrieb auf europäischen Servern verlässt kein einziges Datum die eigene Umgebung, und der heikle Drittlandtransfer nach China entfällt vollständig.

Ganz ohne Pflichten geht der Eigenbetrieb trotzdem nicht. Sobald ein Cloud-Anbieter die Hardware stellt, gehört ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit diesem Anbieter dazu, ebenso ein Eintrag im Verarbeitungsverzeichnis und bei riskanter Verarbeitung eine Datenschutz-Folgenabschätzung.

Für die tägliche Praxis hilft eine einfache Faustregel nach Datenart.

  • Unkritisch: Allgemeine Recherche, generische Textentwürfe ohne Kundenbezug und technische Fragen laufen auch über die öffentliche Schnittstelle vertretbar
  • Heikel: Sobald Geschäftsgeheimnisse im Spiel sind, gehört die Verarbeitung auf eine selbst gehostete Instanz oder zu einem EU-Anbieter mit dokumentierter Datenresidenz
  • Tabu: Personenbezogene Daten von Kunden oder Mitarbeitern haben in der öffentlichen DeepSeek-Cloud nichts zu suchen

Einen Unternehmensvertrag bietet DeepSeek für die Cloud-Variante bislang nicht an. Solange Auftragsverarbeitungsvertrag und Standardvertragsklauseln fehlen, bleibt die direkte API-Nutzung mit Personenbezug aus deutscher Sicht heikel. Der Eigenbetrieb der offenen Gewichte ist deshalb die rechtlich tragfähigste Variante.

Ohne eigene Hardware findet sich inzwischen mancher europäische Hoster, der offene Modelle auf Servern innerhalb der EU bereitstellt. Diese Zwischenlösung verbindet den Kostenvorteil mit einer sauberen Datenresidenz, verlangt aber den genauen Blick in den Vertrag, denn nicht jeder Anbieter dokumentiert den Serverstandort verbindlich.

Was bedeutet DeepSeek für Ihre KI-Strategie?

Glückskeks auf Digitalwaage mit Warnhinweis: Vorsicht: Datenabfluss
Unternehmensabhängigkeit von wenigen KI-Anbietern wächst. OECD warnt vor Risiken durch konzentrierte KI-Investitionen für globales Wachstum

Der Fall DeepSeek führt eine größere Frage vor Augen. Wie abhängig sind Ihre Prozesse bereits von einem einzelnen KI-Anbieter? Die OECD hat in ihrem Wirtschaftsausblick vom Juni 2026 gewarnt, dass das globale Wachstum stark an den KI-Investitionen weniger Konzerne hängt. Welche Aufgaben sich notfalls auf günstigere oder europäische Modelle verlagern lassen, zeigt unsere Einordnung dazu, ob KI das Wachstum noch trägt.

Als reines Kostenargument taugt DeepSeek hervorragend, als alleinige Grundlage einer Unternehmens-KI eher nicht. Die Mischung entscheidet: ein günstiges Modell für unkritische Massenaufgaben, ein DSGVO-fester Anbieter für alles mit Personenbezug. Monokultur ist bei KI-Werkzeugen genauso riskant wie im Acker.

Unterm Strich bleibt DeepSeek ein Werkzeug mit zwei Gesichtern. Technisch gehört das Labor zur Weltspitze, rechtlich steht der öffentliche Dienst in Deutschland auf der Kippe. Prüfen Sie vor jedem Einsatz, welche Daten in welches Modell fließen, und halten Sie den Eigenbetrieb der offenen Gewichte als saubere Rückfalllinie bereit.

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zu DeepSeek

Weißes Sparschwein mit „DEEPSEEK“-Aufschrift und Mini-Taucherhelm auf weißem Grund
EU-Kommission hat für China keinen Angemessenheitsbeschluss erlassen. DeepSeek-Cloud erfüllt daher erforderliche Datenschutzgarantien nicht

Angemessenheitsbeschluss

Angemessenheitsbeschluss: Eine Feststellung der EU-Kommission, dass ein Drittland ein der EU gleichwertiges Datenschutzniveau bietet. Für China liegt kein solcher Beschluss vor, weshalb Datentransfers dorthin zusätzliche Garantien voraussetzen. Genau an dieser Stelle scheitert die öffentliche DeepSeek-Cloud.

Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)

Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV): Ein nach Artikel 28 DSGVO vorgeschriebener Vertrag zwischen einem Verantwortlichen und einem Dienstleister, der personenbezogene Daten in dessen Auftrag verarbeitet. Für die DeepSeek-Cloud fehlt ein solcher Vertrag, was die geschäftliche Nutzung mit Personenbezug rechtlich angreifbar macht.

Benchmark

Benchmark: Ein standardisierter Test, der die Leistung von KI-Modellen vergleichbar macht, etwa bei Mathematik, Programmierung oder logischem Schließen. Hersteller veröffentlichen gern eigene Benchmark-Werte, die unabhängige Stellen erst nachprüfen müssen, bevor man ihnen trauen sollte.

Digital Services Act (DSA)

Digital Services Act (DSA): Eine EU-Verordnung für digitale Plattformen. Artikel 16 erlaubt jeder Person und jeder Behörde, rechtswidrige Inhalte bei einem Plattformbetreiber zu melden. Auf dieser Grundlage hat die Berliner Datenschutzbeauftragte die DeepSeek-App bei Apple und Google angezeigt.

Distillation

Distillation: Ein Trainingsverfahren, bei dem ein kleineres Modell das Verhalten eines größeren nachahmt. Anthropic und OpenAI werfen DeepSeek vor, ihre Systeme auf diese Weise kopiert zu haben. Bewiesen ist der Vorwurf bislang nicht.

Drittlandtransfer

Drittlandtransfer: Die Übermittlung personenbezogener Daten in ein Land außerhalb der EU und des EWR. Transfers nach China gelten als besonders heikel, weil chinesische Behörden weitreichende Zugriffsrechte besitzen und Betroffene kaum durchsetzbare Rechte haben.

DSGVO

DSGVO: Die Datenschutz-Grundverordnung der EU regelt seit 2018 den Umgang mit personenbezogenen Daten. Verstöße können Bußgelder bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen. Die Verordnung greift auch bei Anbietern ohne Sitz in der EU, sobald diese sich an EU-Bürger richten.

Inferenz

Inferenz: Der Rechenvorgang, bei dem ein fertig trainiertes Modell eine Anfrage beantwortet. Die Inferenzkosten bestimmen den laufenden Preis pro Nutzung. Mixture-of-Experts senkt genau diese Kosten, indem pro Anfrage nur ein Bruchteil des Modells rechnet.

Kontextfenster

Kontextfenster: Die maximale Textmenge, die ein Modell in einer einzigen Anfrage verarbeiten kann, gemessen in Token. V4 Flash und V4 Pro fassen je eine Million Token, genug für umfangreiche Codebasen oder lange Vertragswerke.

Mixture-of-Experts (MoE)

Mixture-of-Experts (MoE): Eine Architektur, bei der ein großes Modell in viele Spezialeinheiten zerfällt und pro Anfrage nur die passenden aktiviert. Bei V4 Pro rechnen so nur 49 von 1.600 Milliarden Parametern mit, was die Kosten massiv drückt.

Open-Weight-Modell

Open-Weight-Modell: Ein KI-Modell, dessen trainierte Gewichte frei zum Download stehen und das auf eigener Hardware laufen kann. DeepSeek veröffentlicht V3, R1 und V4 als Open-Weight-Modelle, was den datenschutzkonformen Eigenbetrieb in Europa überhaupt erst möglich macht.

Reasoning-Modell

Reasoning-Modell: Ein Sprachmodell, das vor der Antwort eine sichtbare Kette von Zwischenschritten durchläuft und dadurch bei Logik und Mathematik stärker abschneidet. DeepSeeks R1 hat 2025 als erstes offenes Reasoning-Modell das Niveau von OpenAIs o1 erreicht.

Standardvertragsklauseln (SCC)

Standardvertragsklauseln (SCC): Von der EU-Kommission vorgegebene Mustertexte, die einen Datentransfer in Drittländer rechtlich absichern sollen. Für die Übermittlung nach China hat DeepSeek bislang keine solchen Klauseln vorgelegt, weshalb der Transfer als rechtswidrig gilt.

Token

Token: Die kleinste Texteinheit, mit der ein Sprachmodell rechnet, ungefähr ein Wortteil. Anbieter rechnen ihre Preise pro Million Token ab. Bei V4 Flash kostet eine Million Eingabe-Token nur rund zwölf Cent.

FAQ: DeepSeek: billige KI, teurer Haken

Graues Gehirn an Angelhaken mit Dollarzeichen. Text: DEEPSEEK BILLIGE KI
Berliner Datenschutzbeauftragte meldet DeepSeek-App wegen ungeschützten Datenflusses nach China als rechtswidrig

Ist DeepSeek in Deutschland verboten?

Verboten ist DeepSeek nicht. Die Berliner Datenschutzbeauftragte hat die App allerdings im Juni 2025 bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt gemeldet, weil Nutzerdaten ungeschützt nach China fließen. Für personenbezogene Daten bleibt die Nutzung deshalb rechtlich riskant.

Was kostet DeepSeek?

Die App ist kostenlos. Über die Programmierschnittstelle kostet V4 Flash rund zwölf Cent je Million Eingabe-Token und 24 Cent je Million Ausgabe-Token. V4 Pro liegt bei der Eingabe ähnlich niedrig, bei der Ausgabe mit gut drei Euro je Million Token höher.

Welches DeepSeek-Modell ist das beste?

Eine pauschale Antwort gibt die Modellpalette nicht her. V4 Pro ist das leistungsstärkste Flaggschiff, R1 spielt seine Stärke bei mehrstufiger Logik aus, und V4 Flash punktet mit Tempo und niedrigem Preis bei einfachen Massenaufgaben.

Ist DeepSeek DSGVO-konform nutzbar?

Über die öffentliche Cloud nicht, solange Auftragsverarbeitungsvertrag und Standardvertragsklauseln fehlen. Datenschutzkonform wird DeepSeek erst beim Eigenbetrieb der offenen Modellgewichte auf europäischer Infrastruktur, weil dabei kein Datentransfer nach China stattfindet.

Worin unterscheidet sich DeepSeek von ChatGPT?

DeepSeek ist quelloffen, deutlich günstiger und verarbeitet bislang nur Text. ChatGPT versteht zusätzlich Bild, Audio und Video. Der größte Unterschied für deutsche Unternehmen liegt jedoch im Datenschutz, denn DeepSeek speichert Daten in China.

Kann ich DeepSeek selbst hosten?

Ja. DeepSeek stellt V3, R1 und die V4-Gewichte als Open-Weight-Modelle bereit. Auf eigener oder europäischer Hardware verlässt damit kein Datum die kontrollierte Umgebung, was den rechtssicheren Einsatz mit Personenbezug erst ermöglicht.

Quellen

  • TechCrunch | DeepSeek previews new AI model that 'closes the gap' with frontier models | https://techcrunch.com/2026/04/24/deepseek-previews-new-ai-model-that-closes-the-gap-with-frontier-models/ | besucht am 22.06.2026
  • MIT Technology Review | Three reasons why DeepSeek's new model matters | https://www.technologyreview.com/2026/04/24/1136422/why-deepseeks-v4-matters/ | besucht am 22.06.2026
  • Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit | Berliner Datenschutzbeauftragte meldet KI-App DeepSeek in Deutschland bei Apple und Google als rechtswidrigen Inhalt | https://www.datenschutz-berlin.de/pressemitteilung/berliner-datenschutzbeauftragte-meldet-ki-app-deepseek-in-deutschland-bei-apple-und-google-als-rechtswidrigen-inhalt/ | besucht am 22.06.2026
  • Europäische Zentralbank | Euro foreign exchange reference rates (US-Dollar) | https://www.ecb.europa.eu/stats/policy_and_exchange_rates/euro_reference_exchange_rates/html/eurofxref-graph-usd.en.html | besucht am 22.06.2026
  • Tagesspiegel | Datenschützer wollen DeepSeek aus den App-Stores verbannen | https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/kunstliche-intelligenz-datenschutzer-wollen-deepseek-aus-den-app-stores-verbannen-13926235.html | besucht am 22.06.2026

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