Claude von Anthropic hat sich binnen drei Jahren von der belächelten Außenseiter-KI zum Börsenkandidaten mit einer Bewertung von 863 Milliarden Euro hochgearbeitet. Ende September brachte Anthropic mit Opus 5.5 ein neues Standardmodell heraus, Anfang Oktober folgte Haiku 5.5 zu einem Zehntel des bisherigen Preises. Welche Technik, welche Preise und welche Risiken dahinterstecken, klärt dieser Überblick.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenClaude kennen die wenigsten Geschäftsführer so gut wie ChatGPT, dabei arbeiten Netflix, Spotify und KPMG längst produktiv mit der KI. Unter Entwicklern gilt der Assistent als bestes Werkzeug zum Programmieren, er taugt aber genauso für Textarbeit, Analyse und Recherche. Für deutsche Unternehmen liegen die Fallstricke dabei weniger im Werkzeug als in Datenschutz, Abhängigkeit und Politik.
Das Wichtigste in Kürze
- Anthropic wurde 2021 von den Geschwistern Dario und Daniela Amodei gegründet, beide zuvor bei OpenAI. Der Anbieter stellt KI-Sicherheit bewusst über reines Tempo.
- Vier Modellstufen stehen bereit: Haiku 5.5, Sonnet 5.5, Opus 5.5 und Fable 5.1 aus der Mythos-Klasse. Anthropic empfiehlt Opus 5.5 als Standard, Fable 5.1 ist das stärkste allgemein verfügbare Modell.
- Die Preise reichen vom kostenlosen Einstieg über rund 18 Euro im Monat für Pro bis zu Max ab rund 89 Euro. Für Geschäftsdaten führt der Weg zu Team, Enterprise oder zur Programmierschnittstelle.
- Der Börsengang ist vorbereitet, der Prospekt liegt seit Juni vertraulich bei der SEC. Zugleich führt das Pentagon Anthropic als Lieferkettenrisiko.
Wer steckt hinter Claude von Anthropic?

Anthropic ist ein KI-Unternehmen aus San Francisco, gegründet 2021 von Dario und Daniela Amodei. Die Geschwister hatten OpenAI nach Differenzen über Sicherheitsfragen und die enge Bindung an Microsoft verlassen. Mit einer Handvoll weiterer Forscher verfolgten die beiden ein klares Ziel: leistungsfähige KI mit robusten Schutzmechanismen.
Der Name geht auf Claude Shannon zurück, den Begründer der Informationstheorie. Diese Verbeugung vor einem Mathematiker passt zum Selbstbild der Firma, die sich als nüchterne Forschungsorganisation versteht und nicht als lauter Tech-Konzern.
Rechtlich firmiert der Anbieter als Public-Benefit Corporation. Diese Form verpflichtet das Management, neben dem Profit auch einen gesellschaftlichen Zweck zu verfolgen. Kritiker halten die Rechtsform für ein Etikett, Befürworter für eine echte Leitplanke. Zusätzlich wacht der Long-Term Benefit Trust, ein Gremium aus Treuhändern ohne Anteile am Unternehmen, über die Ausrichtung.
In der Finanzierungsrunde Series H sammelte Anthropic am 28. Mai 2026 rund 58 Milliarden Euro ein, bei einer Bewertung von 863 Milliarden Euro nach der Runde. Den hochgerechneten Jahresumsatz bezifferte das Unternehmen damals auf mehr als 42 Milliarden Euro. Mit dieser Runde zog der Claude-Hersteller im Mai an OpenAI vorbei, wie CNBC berichtete.
Am 1. Juni reichte Anthropic den Entwurf des Börsenprospekts vertraulich bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Reuters und die Financial Times konnten das Dokument einsehen: 2025 setzte Anthropic rund 4,1 Milliarden Euro um und schrieb einen operativen Verlust von mehr als 7 Milliarden Euro. Allein im zweiten Quartal 2026 kamen dann rund 10,3 Milliarden Euro Umsatz zusammen. Einen Termin für die Erstnotiz legt Anthropic im Entwurf nicht fest, frühestens soll der Börsengang im Herbst 2026 stattfinden.
Das Wachstum hängt an wenigen Großkunden: Fast ein Viertel des Umsatzes von 2025 stammte von nur zwei Auftraggebern. Über eine Aktie der Klasse F behalten die sieben Mitgründer zudem 50,1 Prozent der Stimmrechte, auch nach dem Börsengang. Künftige Aktionäre kaufen damit Anteile an einem Unternehmen, in dem die Gründer weiter das letzte Wort haben.
So viel war Anthropic nach der Finanzierungsrunde Series H vom 28. Mai 2026 wert.
Diese Summe sammelte Anthropic in derselben Runde bei Investoren ein.
Im Gesamtjahr 2025 kam Anthropic noch auf rund 4,1 Milliarden Euro.
Diesen Anteil halten die sieben Mitgründer über eine Aktie der Klasse F.
Fast ein Viertel des Umsatzes von 2025 stammte von nur zwei Kunden, deren Namen Anthropic im Prospektentwurf nicht nennt.
Was unterscheidet Claude von ChatGPT und Gemini?

Im Alltag wirkt Claude wie jeder Chatbot: Frage eintippen, Antwort lesen. Die Unterschiede zu ChatGPT von OpenAI und Gemini von Google liegen unter der Haube. Wie der Konkurrent funktioniert, erklärt unser Beitrag zu ChatGPT und dem Modell GPT-4.
Der erste Trumpf ist das Kontextfenster. Alle vier aktuellen Claude-Modelle verarbeiten bis zu eine Million Token in einem einzigen Durchgang, grob 750.000 Wörter. Ein kompletter Geschäftsbericht oder eine ganze Code-Basis passt damit in eine einzige Anfrage, und bei Sonnet, Opus und Fable berechnet Anthropic dafür keinen Aufschlag.
Der zweite Trumpf heißt Programmieren. In Coding-Tests landet die Opus-Reihe regelmäßig an der Spitze. Seit September 2026 arbeitet das Werkzeug Claude Code in einer Beta für Pro- und Max-Kunden mehrere Aufgaben eines Projekts parallel ab.
Beim Schreiben punktet der Assistent mit einem natürlichen Ton. Gerade bei längeren Texten klingt das Ergebnis weniger nach Schablone als bei manchem Wettbewerber.
Am deutlichsten hebt sich Claude in der Haltung ab. Anthropic baut Schutzmechanismen früher und strenger ein als die Konkurrenz. Manche Nutzer empfinden den Assistenten dadurch als vorsichtig, gelegentlich auch als bevormundend. Für konservative Branchen wie Versicherer und Kanzleien kann gerade diese Vorsicht ein Argument für Claude sein.
| Merkmal | Claude (Anthropic) | ChatGPT (OpenAI) | Gemini (Google) |
|---|---|---|---|
| Kontextfenster | bis 1 Mio. Token | groß, modellabhängig | groß, modellabhängig |
| Größte Stärke | Coding, lange Dokumente | Bildgenerierung, Breite | tiefe Google-Integration |
| Sicherheitsansatz | Constitutional AI, strikt | moderat | moderat |
| Einstiegsabo | 20 US-Dollar (rund 18 €) | vergleichbar | vergleichbar |
Welche Claude-Modelle stehen 2026 zur Wahl?

Anthropic staffelt seine KI nach Größe und Preis. Drei Stufen tragen seit Claude 3 im März 2024 die Namen Haiku, Sonnet und Opus, im Juni 2026 kam die Mythos-Klasse mit Fable dazu. Alle vier Linien liegen inzwischen in neuen Fassungen vor, jede mit Wissen bis Juni 2026.
Haiku 5.5 erschien am 7. Oktober 2026 als schnelle, günstige Variante für Massenaufgaben wie Klassifizierung und Routing. Sonnet 5.5 vom 28. September hält die Mitte zwischen Leistung und Kosten. Mit dem Start von Opus 5.5 am 22. September stellte Anthropic ein neues Standardmodell für komplexe Programmier- und Analyseaufgaben vor.
Darüber thront Fable 5.1, seit September 2026 allgemein verfügbar über die Programmierschnittstelle sowie über AWS, Google Cloud und Azure. Am 12. Juni 2026 zwang eine Exportkontroll-Anordnung des US-Handelsministeriums Anthropic, Fable 5 und Mythos 5 weltweit abzuschalten. Am 30. Juni gab die US-Regierung die Modelle wieder frei, seit dem 1. Juli läuft Fable mit verschärftem Schutzfilter weltweit.
Mythos 5.1 ist dasselbe Modell wie Fable 5.1, nur ohne die zusätzlichen Schutzfilter. Zugang erhalten ausschließlich geprüfte US-Organisationen über die Trusted-Access-Programme von Anthropic, etwa für Sicherheitsforschung und Biowissenschaften. Seit dem 6. Oktober staffelt Anthropic diesen Zugang für Sicherheitsteams in drei Stufen.
Beim Vergleich der Token-Preise lauert ein Haken. Seit Opus 4.7 zerlegen die Claude-Modelle denselben Text in rund 30 Prozent mehr Token als die ältere Generation. Ein niedrigerer Preis pro Million Token schlägt deshalb nicht eins zu eins auf die Monatsrechnung durch.
Gilt bis 100.000 Token Promptlänge. Gedacht für Massenaufgaben wie das Sortieren von Anfragen.
Die Mitte zwischen Leistung und Kosten, im Gratis-Tarif enthalten.
Anthropic empfiehlt Opus 5.5 als Ausgangspunkt für anspruchsvolle Aufgaben.
Stärkstes allgemein verfügbares Modell, im Abo erst ab Max oder über Guthaben.
Über 100.000 Token Promptlänge berechnet Anthropic für Haiku 5.5 den ganzen Prompt zum fünffachen Tarif. Bei den übrigen Modellen berechnet Anthropic das ganze Kontextfenster von 1 Million Token ohne Aufschlag.
Die Eurobeträge beruhen auf dem EZB-Referenzkurs vom 7. Oktober 2026 (1 Euro entspricht 1,1177 US-Dollar) und sind kaufmännisch gerundet. Batch-Aufträge kosten die Hälfte. Ältere Modelle wie Opus 4.8 oder Sonnet 4.6 bleiben vorerst buchbar, Anthropic schaltet Sonnet 4.5 am 30. November 2026 ab.
Wie funktioniert Constitutional AI?

Der Sicherheitsansatz von Anthropic trägt einen eigenen Namen: Constitutional AI, zu Deutsch etwa KI mit Verfassung. Statt jede einzelne Antwort von Menschen bewerten zu lassen, gibt die Firma dem Modell eine Sammlung von Grundsätzen mit, eine Art Wertekatalog.
Die erste Fassung von 2023 bestand aus einer Liste einzelner Prinzipien und stützte sich unter anderem auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Am 22. Januar 2026 ersetzte Anthropic dieses Regelwerk durch eine neue Verfassung, die ihre Grundsätze in Fließtext begründet, statt sie nur aufzuzählen. Claude soll damit verstehen, warum eine Regel gilt, und auch in Lagen urteilen können, die keine Regel vorhersieht.
Im Training erzeugt Claude aus dieser Verfassung eigene Übungsdaten, darunter Rangfolgen möglicher Antworten. Eine Maschine übernimmt damit den Abgleich, für den andere Labore menschliche Bewerter bezahlen. Die Forschung von Anthropic hat dafür 2022 den Begriff RLAIF geprägt, verstärkendes Lernen aus KI-Feedback. Das Verfahren lässt sich schneller und günstiger skalieren als rein menschliches Feedback.
Für Entscheider zählt vor allem die Folge: Claude verweigert heikle Anfragen häufiger und begründet das offener als manche Konkurrenz. Anthropic stellt die Verfassung unter der Lizenz CC0 sogar gemeinfrei, damit andere Labore das Prinzip übernehmen können.
Ob eine in Worte gegossene Verfassung Maschinen wirklich zähmt, bleibt umstritten. Sicher ist nur, dass sich eine ausformulierte Verfassung leichter prüfen lässt als Regeln, die unsichtbar im Programmcode stecken. Wie ernst die Debatte um KI-Ethik inzwischen genommen wird, zeigt der Auftritt eines Anthropic-Mitgründers an der Seite des Papstes, nachzulesen in unserer Analyse zur KI-Enzyklika.
Investoren bewerten Anthropics Vorsicht mit 863 Milliarden Euro, und ausgerechnet das Pentagon stuft dieselbe Vorsicht als Lieferkettenrisiko ein.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was kostet Claude, und welcher Plan passt zu Ihnen?

Anthropic kennt zwei Bezahlmodelle: Abonnements für die Chat-Nutzung und nutzungsbasierte Abrechnung über die Programmierschnittstelle. Die Token-Preise stehen im Modell-Kapitel weiter oben, dieses Kapitel behandelt die Abos.
Der Free-Tarif kostet nichts und enthält Sonnet sowie Haiku, drosselt die Nutzung aber nach wenigen Nachrichten pro Fünf-Stunden-Fenster. Im Juni 2026 haben wir den kostenlosen Zugang einen Vormittag im Redaktionsalltag getestet, und die Nachrichtensperre kam früher, als uns lieb war. Opus, Fable und Claude Code fehlen im Gratis-Zugang ganz.
Pro kostet 20 US-Dollar im Monat, umgerechnet rund 18 Euro, bei jährlicher Zahlung rund 15 Euro im Monat. Der Tarif enthält Opus, Claude Code und die Browser-Erweiterung Claude in Chrome, Fable nur gegen zusätzliches Nutzungsguthaben. Für die meisten Wissensarbeiter reicht diese Stufe vollkommen aus.
Die Max-Tarife richten sich an Vielnutzer: ab rund 89 Euro im Monat für die fünffache Kapazität von Pro, eine größere Stufe mit zwanzigfacher Kapazität kostet mehr. Fable ist in Max enthalten, darf aber nur die Hälfte des wöchentlichen Nutzungskontingents beanspruchen. Entwickler, die täglich mit Claude Code arbeiten, kommen um Max kaum herum, weil das Werkzeug Token in großen Mengen verbraucht.
Bei Free, Pro und Max entscheiden Nutzer seit Herbst 2025 selbst, ob Anthropic ihre Chats für das Training verwenden darf; mit Zustimmung speichert Anthropic die Daten bis zu fünf Jahre. Für Team, Enterprise und die Programmierschnittstelle gelten dagegen die kommerziellen Bedingungen: kein Training mit Kundendaten, dazu ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO.
| Plan | Preis pro Monat | Für wen |
|---|---|---|
| Free | 0 € | Ausprobieren, Gelegenheitsnutzung |
| Pro | rund 18 € (jährlich rund 15 €) | tägliche Wissensarbeit |
| Max | ab rund 89 € | Vielnutzer, Claude Code, Fable |
| Team Standard | rund 22 € je Platz (jährlich rund 18 €) | Teams von 2 bis 150 Personen |
| Team Premium | rund 112 € je Platz (jährlich rund 89 €) | Teams mit hohem Bedarf, inklusive Fable |
| Enterprise | rund 18 € je Platz plus Nutzung zu API-Preisen | große Rollouts, SSO, nur jährlich |
Auch diese Beträge sind umgerechnet, denn Euro-Preise weist Anthropic nicht aus. In Deutschland kommt die Umsatzsteuer hinzu, und gegenüber Firmenkunden rechnet Anthropic im Reverse-Charge-Verfahren ab.
Wofür setzen Unternehmen Claude konkret ein?

Der größte Wachstumstreiber heißt Claude Code, ein agentisches Werkzeug fürs Terminal. Der Assistent liest ganze Code-Basen, schreibt Dateien und führt Befehle aus, gesteuert per normaler Sprache.
Laut Sacra erreichte Claude Code bis Mai 2026 einen hochgerechneten Jahresumsatz von umgerechnet rund 7 Milliarden Euro. Zu den Kunden zählen Firmen wie Netflix, Spotify und Salesforce. Das Geschäft mit Programmierwerkzeugen ist damit zum Kerngeschäft von Anthropic geworden.
Mit Cowork zielt Anthropic seit Januar 2026 auf Nicht-Entwickler. Der Desktop-Agent startete als Vorschau für macOS, später folgte Windows. Das Programm sortiert Dateien, zieht Daten aus Belegen und entwirft Dokumente, ganz ohne Terminal. Inzwischen führt Anthropic Cowork nicht mehr als eigenes Produkt, sondern als Teil der Claude-App.
Quer durch die Anwendungen läuft das Model Context Protocol, kurz MCP. Dieser offene Standard funktioniert wie ein einheitlicher Anschluss für Werkzeuge und verbindet Claude mit externen Diensten wie Google Drive, Slack oder Buchhaltungssoftware.
Im Büroalltag glänzt der Assistent bei langen Dokumenten. Der Assistent fasst Verträge zusammen, wertet Berichte aus und erstellt Protokolle; dabei spielt das große Kontextfenster seinen Vorteil aus.
- Programmierung: Features bauen, Bugs beheben, Altcode modernisieren
- Textarbeit: Entwürfe, Zusammenfassungen, Übersetzungen
- Analyse: Tabellen, Kennzahlen und Marktdaten auswerten
- Kundenservice: Anfragen vorsortieren und beantworten
Welche Risiken und Grenzen sollten Entscheider kennen?

Wie alle Sprachmodelle halluziniert Claude gelegentlich, erfindet also Fakten oder Quellen, die plausibel klingen, aber falsch sind. Eine Endkontrolle durch Menschen bleibt Pflicht. Welche Aufgaben KI heute noch reihenweise verpatzt, haben wir gesammelt, nachzulesen in unserer ehrlichen Liste der KI-Grenzen.
Heikler für Planer ist die Abhängigkeit. Unternehmen, die ihre Prozesse fest an Claude koppeln, setzen alles auf eine Karte: einen einzelnen US-Anbieter samt dessen Preis- und Verfügbarkeitsentscheidungen.
Wie riskant diese Bindung ist, zeigt der Konflikt mit der Politik in Washington. Anfang März 2026 stufte das US-Verteidigungsministerium Anthropic als Lieferkettenrisiko ein, ein Etikett sonst für ausländische Gegner. Hintergrund ist ein Streit darüber, ob die Modelle für autonome Waffen genutzt werden dürfen. Eine Bundesrichterin in San Francisco hob im August eine parallele Einstufung auf. Am 25. September dagegen bestätigte das Bundesberufungsgericht in Washington die Kerneinstufung mit zwei zu einer Stimme. Der Weg zu Aufträgen des Pentagons bleibt Anthropic damit versperrt.
Hinzu kommt die Exportsperre vom Juni. Nur 18 Tage lagen zwischen Abschaltung und Freigabe von Fable 5, doch die Episode zeigt, wie schnell ein politischer Eingriff die Verfügbarkeit einer KI verändert.
Beim Datenschutz gehören Geschäftsgeheimnisse in Team, Enterprise oder die Programmierschnittstelle, nicht in private Konten. Eine reine EU-Verarbeitung bietet die Anthropic-API allerdings nicht, Anfragen laufen weltweit verteilt oder ausschließlich in den USA. Nur Amazon Bedrock und Google Cloud bieten regionale EU-Endpunkte an, gegen 10 Prozent Aufschlag auf den regulären Preis.
Wie gelingt der schnelle Einstieg mit Claude?

Über die Adresse claude.ai startet jeder Browser-Nutzer sofort, dazu existieren Apps für Windows, Mac, iOS und Android. Seit September 2026 verlangt Anthropic für private Konten ein Mindestalter von 18 Jahren und lässt das Alter über den Dienstleister Yoti prüfen.
Für den ersten Test reicht der Free-Tarif. Sinnvoll ist eine konkrete Aufgabe aus dem Alltag, etwa eine Kundenmail entwerfen oder eine Umsatztabelle auswerten lassen.
Drei Punkte erhöhen den Ertrag spürbar. Formulieren Sie die Aufgabe am besten klar und mit Beispielen. Laden Sie relevante Dokumente direkt hoch, statt Inhalte abzutippen. Prüfen Sie zudem jede Zahl und jede Quelle nach, bevor daraus eine Entscheidung wird.
Sobald ein fester Nutzen erkennbar ist, lohnt der Wechsel zu Pro, für Teams mit Datenschutzpflichten direkt zu Team oder Enterprise.
Beim Programmieren spielt Claude seine Stärke aus, bei heiklen Themen bremst der Assistent früh, und in der Verfügbarkeit hängt vieles am politischen Wohlwollen aus Washington. Entscheider, die das einkalkulieren, holen am meisten heraus.
(Der Beitrag erschien erstmals am 23. Juni 2026. Im Oktober 2026 wurde er grundlegend überarbeitet: Modelle, Preise, Unternehmenszahlen, Exportsperre und Pentagon-Streit entsprechen dem Stand vom 8. Oktober 2026.)
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zu Claude von Anthropic

AGI (Artificial General Intelligence)
AGI bezeichnet eine KI, die jede geistige Aufgabe eines erwachsenen Menschen vergleichbar gut bewältigt. Bislang existiert AGI nur in der Theorie, dient der gesamten Branche aber als Fernziel und Dauerstreitpunkt.
Agentische KI
Agentische KI plant und erledigt mehrstufige Aufgaben eigenständig, statt nur zu antworten. Solche Systeme bearbeiten Dateien oder setzen Befehle ab. Claude Code zählt zu dieser Kategorie.
Anthropic
Anthropic ist ein US-amerikanisches KI-Unternehmen aus San Francisco, 2021 gegründet und Hersteller von Claude. Bekannt wurde das Unternehmen durch den Fokus auf KI-Sicherheit und die Rechtsform der Public-Benefit Corporation.
Claude Code
Claude Code ist das agentische Werkzeug von Anthropic für die Softwareentwicklung. Der Agent liest Code-Basen, schreibt Dateien und führt Terminalbefehle aus, gesteuert per natürlicher Sprache.
Constitutional AI
Constitutional AI ist das Trainingsverfahren von Anthropic, bei dem eine schriftliche Verfassung das Verhalten des Modells lenkt. Aus dieser Verfassung erzeugt Claude im Training eigene Übungsdaten und Rangfolgen möglicher Antworten.
Cowork
Cowork ist der Desktop-Agent von Anthropic für Nicht-Entwickler, gestartet im Januar 2026. Das Programm sortiert Dateien, wertet Belege aus und entwirft Dokumente, ohne dass Nutzer ein Terminal bedienen müssen. Inzwischen gehört Cowork zur Claude-App.
Halluzination
Halluzination beschreibt eine Fehlerart von Sprachmodellen: Die KI erfindet Fakten, Zitate oder Quellen, die glaubwürdig klingen, aber nicht stimmen. Eine menschliche Endkontrolle bleibt deshalb nötig.
Kontextfenster
Das Kontextfenster ist die maximale Textmenge, die ein Modell pro Anfrage verarbeitet, gemessen in Token. Alle aktuellen Claude-Modelle fassen bis zu eine Million Token, grob 750.000 Wörter.
MCP (Model Context Protocol)
MCP ist ein offener Standard von Anthropic, der KI-Modelle mit externen Diensten verbindet, etwa Google Drive oder Slack. Die Schnittstelle wirkt wie ein einheitlicher Anschluss für Werkzeuge.
Public-Benefit Corporation
Die Public-Benefit Corporation ist eine US-Rechtsform, die das Management verpflichtet, neben dem Gewinn auch einen festgelegten gesellschaftlichen Zweck zu verfolgen. Anthropic firmiert als solche.
RLAIF
RLAIF steht für verstärkendes Lernen aus KI-Feedback. Eine KI bewertet die Antworten einer anderen anhand festgelegter Grundsätze, statt dass Menschen jede Antwort prüfen. Das Verfahren senkt Aufwand und Kosten.
Run-Rate
Die Run-Rate ist der annualisierte Umsatz, hochgerechnet aus einem einzelnen Monat mal zwölf. Schnell wachsende Firmen nutzen die Kennzahl gern, doch ein besonders starker Monat verzerrt das Ergebnis nach oben.
Sprachmodell (LLM)
Ein Sprachmodell ist ein großes neuronales Netz, trainiert darauf, das nächste Wort vorherzusagen. Diese Technik bildet die Grundlage von Claude, ChatGPT und Gemini. Englisch: Large Language Model.
Token
Ein Token ist die kleinste Verarbeitungseinheit eines Sprachmodells, grob ein halbes bis ganzes Wort. Preise und Kontextfenster werden in Token gemessen, nicht in Zeichen.
FAQ: Claude von Anthropic: Alles Wichtige zur KI

Was ist Claude von Anthropic?
Claude ist ein KI-Assistent des US-Unternehmens Anthropic, vergleichbar mit ChatGPT. Der Assistent beantwortet Fragen, schreibt Texte, analysiert Dokumente und programmiert. Anthropic legt dabei besonderen Wert auf Sicherheit und lenkt das Verhalten der Modelle über eine veröffentlichte Verfassung.
Ist Claude kostenlos nutzbar?
Ja, der Free-Tarif kostet nichts und enthält die Modelle Sonnet sowie Haiku, allerdings mit knappen Nachrichtenlimits. Opus, Claude Code und Claude in Chrome enthält erst der Pro-Tarif für 20 US-Dollar im Monat, umgerechnet rund 18 Euro zuzüglich Umsatzsteuer (Stand Oktober 2026).
Welches Claude-Modell ist das beste?
Das stärkste allgemein verfügbare Modell ist Fable 5.1 aus der Mythos-Klasse, zugleich das teuerste. Als Standard für anspruchsvolle Aufgaben empfiehlt Anthropic Opus 5.5. Sonnet 5.5 deckt die meisten Alltagsaufgaben günstiger ab, Haiku 5.5 punktet bei Tempo und Preis (Stand Oktober 2026).
Lässt sich Claude DSGVO-konform einsetzen?
Für Geschäftsdaten eignen sich Team, Enterprise und die Programmierschnittstelle. Für diese Angebote gelten die kommerziellen Bedingungen von Anthropic: kein Training mit Kundendaten, dazu ein Auftragsverarbeitungsvertrag. Eine reine EU-Verarbeitung bietet die Anthropic-API nicht, regionale EU-Endpunkte haben nur Amazon Bedrock und Google Cloud im Angebot.
Wie unterscheidet sich Claude von ChatGPT?
Claude gilt als stärker beim Programmieren und bei langen Dokumenten, alle aktuellen Modelle verarbeiten bis zu eine Million Token pro Anfrage. ChatGPT bietet dafür Bildgenerierung und eine breitere Werkzeugpalette. Beim Einstiegsabo liegen beide Anbieter nah beieinander.
Sind Fable und Mythos wieder verfügbar?
Teilweise. Die Exportsperre des US-Handelsministeriums vom 12. Juni 2026 wurde am 30. Juni aufgehoben. Fable 5.1 steht seit September 2026 allgemein zur Verfügung. Mythos 5.1 ohne die zusätzlichen Schutzfilter erhalten nur geprüfte US-Organisationen über die Trusted-Access-Programme von Anthropic.
Wann geht Anthropic an die Börse?
Einen festen Termin hat Anthropic noch nicht genannt (Stand 8. Oktober 2026). Anthropic hat den Entwurf seines Börsenprospekts am 1. Juni 2026 vertraulich bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Laut dem Entwurf, den Reuters einsehen konnte, plant das Unternehmen die Erstnotiz frühestens für den Herbst 2026.
Quellen
9 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 08.10.2026
- AnthropicModels overview (Claude API Docs)
- AnthropicPricing (Claude API Docs)
- AnthropicPlans & Pricing
- AnthropicClaude Fable 5.1 and Mythos 5.1
- AnthropicSeries H
- AnthropicUpdates to our consumer terms
- AnthropicData residency (Claude API Docs)
- AnthropicClaude’s new constitution
- Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse
