Hand aufs Herz: Haben Sie beim Kauf Ihres iPhone 16 die Werbung für die neue Siri gesehen und sie als Kaufargument gewertet? Falls ja, könnten Sie Teil einer Sammelklage sein, die Apple gerade mit 250 Millionen US-Dollar beendet. Das Bundesgericht in San Jose, Kalifornien, nahm am 5. Mai 2026 den Vergleich zur Prüfung an. Im Zentrum steht eine Marketingstrategie, die KI-Funktionen versprach, bevor sie technisch existierten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Apple einigt sich auf 250 Millionen US-Dollar Vergleich wegen irreführender Werbung für Siri und Apple Intelligence
- Berechtigt sind Käufer von iPhone 15 Pro, iPhone 15 Pro Max und allen iPhone-16-Modellen zwischen dem 10. Juni 2024 und dem 29. März 2025
- Berechtigte erhalten voraussichtlich 25 bis 95 US-Dollar pro Gerät, abhängig von der Zahl eingereichter Ansprüche
- Endgültige Genehmigung durch Richterin Noël Wise ist für den 17. Juni 2026 angesetzt
Was Apple versprochen hat und nicht lieferte

Auf der WWDC 2024 präsentierte Apple eine vollständig überarbeitete Siri, die persönlichen Kontext verstehen, Aktionen in Apps ausführen und natürliche Dialoge führen sollte. Die Funktion wurde prominent in TV-Kampagnen beworben, Schauspielerin Bella Ramsey führte in einem Spot vor, wie die neue Siri komplexe Aufgaben über mehrere Apps hinweg erledigt. Als die iPhone-16-Modelle im September 2024 ausgeliefert wurden, fehlten diese Funktionen vollständig. Im März 2025 räumte Apple ein, dass die neue Siri nicht ausgeliefert werden kann. Tests hätten ergeben, dass die Software nur in rund zwei Dritteln der Fälle zuverlässig arbeitete. Im Januar 2026 schloss Apple schließlich einen Vertrag mit Google, um das Gemini-Modell als Brückenlösung für Siri einzusetzen. Laut Klagdokumenten beim US-Bundesgericht warfen die Kläger Apple irreführende Werbung und unlauteren Wettbewerb vor.
Der Zeitraum ist präzise definiert: Berechtigt sind Käufer, die zwischen der WWDC-Ankündigung am 10. Juni 2024 und dem offiziellen Eingeständnis der Verzögerungen am 29. März 2025 eines der genannten Modelle erworben haben. Apple bestreitet die Vorwürfe inhaltlich, zahlt aber trotzdem. Die Genehmigung des Vergleichs steht noch aus.
Apple hat eine Lektion erteilt bekommen, die für die gesamte Branche gilt: KI-Funktionen in Werbung versprechen, bevor sie funktionieren, ist kein Marketing-Trick mehr, sondern ein juristisches Risiko. Das wird Produktankündigungen in den nächsten Jahren verändern.“
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was das für Unternehmen bedeutet, die KI bewerben

Rechtsexperten sehen den Vergleich als Präzedenzfall. Erstmals hat ein Konzern in dieser Größenordnung für konkrete Funktionsversprechen zu KI-Produkten gezahlt, die nicht oder verspätet eingelöst wurden. Das betrifft nicht nur Apple. Zahlreiche Hersteller von Enterprise-Software, CRM-Systemen und Produktivitätstools bewerben heute KI-Agenten, Copiloten und autonome Funktionen, die sich noch in der Entwicklung befinden. In Europa käme neben dem Verbraucherschutzrecht zusätzlich der AI Act ins Spiel, der für Hochrisiko-Anwendungen klare Transparenzpflichten vorschreibt. Einen Überblick über die aktuellen Regulierungsverschiebungen beim AI Act liefert unser Artikel zur SAP Sapphire 2026, der zeigt, wie Softwareanbieter KI-Strategien heute kommunizieren. Für die Frage, was DACH-Unternehmen bei KI-Tools datenschutzrechtlich beachten müssen, gibt unser KI-Ratgeber eine praxisnahe Einordnung.
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