Bernie Sanders will den US-Bürgern die Hälfte der größten KI-Konzerne übereignen. Eine einmalige Steuer von 50 Prozent soll Aktien von OpenAI, Anthropic und xAI in einen Staatsfonds umleiten. Für die Bewertungslogik der gesamten Branche wäre das ein Eingriff, den auch DACH-Entscheider einordnen sollten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin KI-Staatsfonds in öffentlicher Hand, finanziert durch eine 50-Prozent-Abgabe auf die Aktien der größten Anbieter: Diesen Plan hat US-Senator Bernie Sanders am 1. Juni 2026 in einem Gastbeitrag angekündigt. Das Gesetz trägt den Namen „American A.I. Sovereign Wealth Fund Act“ und liegt bislang nur als Ankündigung vor. Der konkrete Entwurf soll in den kommenden Wochen folgen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sanders plant eine einmalige Steuer von 50 Prozent auf die Aktien großer KI-Firmen, zahlbar in Anteilen statt in Bargeld.
- Die Anteile fließen in einen Staatsfonds, der dem Bund Stimmrechte und Sitze in den Vorständen sichert.
- Erträge sollen zunächst als Direktzahlungen an die Bürger fließen, später Gesundheit, Bildung und Wohnen finanzieren.
- Eingebracht ist der Entwurf noch nicht, und in der jetzigen Form gilt er als politisch chancenlos.
Was steckt hinter dem geplanten KI-Staatsfonds?

Sanders begründet seinen Vorstoß mit der Herkunft der Trainingsdaten. KI-Modelle stützten sich auf das kollektive Wissen der Menschheit, auf Bücher, Musik, Journalismus und wissenschaftliche Forschung, meist übernommen ohne Erlaubnis oder Vergütung. Aus dieser Logik leitet der Senator einen öffentlichen Anspruch ab. In seinem Gastbeitrag auf der eigenen Senatsseite formuliert er den Grundsatz, dass die Öffentlichkeit an dem Wohlstand teilhaben solle, den eine öffentliche Ressource erzeugt.
Welche Konzerne träfe die 50-Prozent-Steuer?

Betroffen wären OpenAI, Anthropic und Elon Musks xAI, dazu weitere führende Anbieter. Die Steuer greift am Eigenkapital statt an den Gewinnen, die Unternehmen müssten also die Hälfte ihrer Aktien an den Fonds abtreten. Bei den heutigen Bewertungen ginge es um dreistellige Milliardenbeträge. Zusammen nähern sich OpenAI und Anthropic der 1,8-Billionen-Dollar-Marke und bereiten parallel ihre Börsengänge vor. Anthropic hat dafür Anfang Juni vertraulich einen S-1-Entwurf bei der US-Börsenaufsicht eingereicht.
Sanders trifft mit der Aktiensteuer genau den Nerv einer Branche, die ihre Bewertung schneller hochschreibt als ihre Umsätze. Ob das Gesetz je kommt, ist zweitrangig, denn die Eigentumsfrage steht jetzt im Raum.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum ist der Plan rechtlich und politisch umstritten?

Kritiker sehen in der Zwangsabgabe eine Enteignung, die gegen den fünften Verfassungszusatz verstoße, der bei staatlichen Übernahmen eine Entschädigung vorschreibt. Zur Begleichung der Steuer müssten Firmen neue Aktien ausgeben und damit Altaktionäre verwässern oder eigene Anteile zurückkaufen. Bei den aktuellen Bewertungen könnten sich das die wenigsten leisten. Mit den Demokraten in der Minderheit gilt das Vorhaben in der jetzigen Form als nicht durchsetzbar. Bemerkenswert bleibt, dass selbst die Betroffenen ähnliche Ideen aufgebracht haben. OpenAI regte einen öffentlichen Wohlstandsfonds an, Anthropic sprach von nationalen Staatsfonds mit KI-Beteiligungen.
Was bedeutet das für den DACH-Markt?

Für deutsche, österreichische und Schweizer Entscheider bleibt der Vorstoß vorerst eine US-Debatte, doch die Richtung verdient Aufmerksamkeit. Die EU setzt bislang auf Regulierung statt Beteiligung, etwa über den AI Act und Initiativen zur technologischen Souveränität. Einen Staatsfonds nach Sanders-Vorbild gibt es in Europa nicht. Sobald Washington die Eigentumsfrage an KI-Konzernen politisch verhandelt, verschieben sich mittelfristig auch die Rahmenbedingungen für jeden Betrieb, der OpenAI– oder Anthropic-Dienste fest in seine Prozesse einbaut. Ein Blick in die Grundlagen großer Sprachmodelle hilft, diese Abhängigkeiten realistisch einzuschätzen.
Konkret lohnt jetzt vor allem ein nüchterner Blick auf die eigene KI-Lieferkette. Notieren Sie, welche Dienste geschäftskritisch sind, und hinterlegen Sie für jeden eine Alternative. So bleiben Sie unabhängig davon, wie Washington die Eigentumsfrage am Ende beantwortet.
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