11 Prozent digital: Deutschland erst 2045 fertig

Michael Dobler
Autor Dr. Web
Aktualisiert:
3 Min. Lesezeit
11 Prozent digital: Deutschland erst 2045 fertig

Der INSM-Behörden-Digimeter 2026 misst die Lücke zwischen Anspruch und Realität in der deutschen Verwaltung. Nur 823 von 7.509 relevanten Verwaltungsleistungen sind flächendeckend digital verfügbar. Das sind elf Prozent. Bei aktuellem Tempo erreicht Deutschland die vollständige Digitalisierung im Jahr 2045.

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Geht es Ihnen auch so? Sie wollen eine Gewerbeerweiterung anmelden, finden das Formular online, füllen es digital aus und stehen am Ende doch wieder mit Pinselausdrucken im Amtsflur. Genau diese Erfahrung spiegelt die Behörden-Digitalisierung in Zahlen.

Das Wichtigste in Kürze

  • 11 Prozent der Verwaltungsleistungen sind flächendeckend digital verfügbar
  • Hochrechnung: vollständige Digitalisierung erst 2045
  • NRW löst Hamburg als bestes Bundesland ab, Saarland bleibt Schlusslicht
  • Karsten Wildberger (BMDS) plant fünf voll-digitale Kernleistungen pro Bundesland bis Ende 2026

Wo hakt der Digitalstaat 2026?

Ein Holzstempel und ein Kalenderblatt auf einem Papier mit dem Stempelaufdruck „DIGITAL ab 2045“
IW-Digimeter zeigt drei Digitalisierungsprobleme: unterschiedliche IT-Architekturen von Bund, Ländern und Kommunen sowie Medienbrüche zwischen digitalen Anträgen und analoger Bearbeitung

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat den Digimeter im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt. Drei strukturelle Probleme tauchen wiederholt auf. Erstens die Standard-Fragmentierung: Bund, Länder und Kommunen nutzen unterschiedliche IT-Architekturen. Zweitens die Medienbrüche: Ein digital eingereichter Antrag landet oft beim Sachbearbeiter als Druck im Posteingang. Drittens die Datenhaltung: Behörden dürfen Informationen aus anderen Behörden nicht automatisch nachladen.

Lesetipp: Die teuersten Sonderregelungen: 30 Baustellen im Sozialstaat und ihr fiskalisches Volumen

Die Folgen für Unternehmen sind messbar. Eine Gewerbeanmeldung dauert in den schnellsten Kommunen drei Tage, in den langsamsten mehrere Wochen. Steuerbescheide, Bauanträge und Umzugsmeldungen liegen je nach Postleitzahl auf völlig unterschiedlichem Stand. Für Standortentscheidungen wird das zur unsichtbaren Variable.

Was plant das Digitalministerium?

Unfertiger Bogen aus roten Bausteinen, Vogel, Verkehrsampel und zwei Hinweisschilder
Bundesdigitalminister Wildberger stellt Drei-Stufen-Plan vor: Fünf digitale Verwaltungsleistungen pro Bundesland bis Ende 2026, EinfachMachen-Portal seit Frühjahr 2026 für Bürgerbeschwerden

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger hat einen Drei-Stufen-Plan vorgelegt. Bis Ende 2026 sollen in jedem Bundesland fünf zentrale Verwaltungsleistungen vollständig digital funktionieren. Parallel läuft seit Frühjahr 2026 das EinfachMachen-Portal, in dem Bürger und Unternehmen konkrete Bürokratie-Schmerzpunkte melden. Für Anfang 2027 ist die EUDI-Wallet als digitaler Personalausweis im Smartphone geplant.

Elf Prozent ist die ehrliche Zahl, die Geschäftsführer kennen müssen, bevor sie über Standortwahl oder Digital-Investitionen entscheiden. 2045 ist kein Datum, das in einer Strategie steht. Bis dahin trägt jedes Unternehmen die Lücke selbst.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Die Skepsis in der Bevölkerung bleibt hoch. 66 Prozent der Deutschen nehmen beim Bürokratieabbau keinen nennenswerten Fortschritt wahr, was die politischen Ankündigungen vom realen Erleben trennt. Der Nationale Normenkontrollrat hatte zuletzt Mitte Mai ein aktuelles Bundesgesetz als handwerklich schwach kritisiert.

Was bedeutet das für die nächsten 18 Monate?

Ein Holzrahmen mit dem Text „BAUSTELLE DEUTSCHLAND.“, „Fertigstellung: 2045.“, „11% Digital“ und Ladebalken
BundID und ELSTER-Anmeldung für KMU essenziell: BundID ermöglicht Zugang zu Förderungen wie der E-Auto-Prämie 2026, ELSTER-Nutzung wird für elektronische Steuermeldungen verpflichtend

Zwei pragmatische Schritte stehen für KMU im Vordergrund. Zunächst die BundID: Wer noch keine hat, sollte sie spätestens jetzt einrichten, weil mehr und mehr Förderverfahren über das Online-Personalausweis-Verfahren laufen. Die E-Auto-Prämie 2026 ist das aktuellste Beispiel, der Antrag startet heute über die BAFA-Förderzentrale.

Parallel die ELSTER-Pflege: Elektronische Steuermeldungen werden für die meisten Förderungen verlangt. Wer ein gültiges Zertifikat hat und die letzten zwei Steuerbescheide griffbereit, vermeidet doppelten Aufwand. Für Verwaltungsangelegenheiten ohne Online-Weg lohnt der direkte Termin: Die meisten Kommunen reservieren digitale Slots schneller als telefonische Erreichbarkeit.

Die Aufholjagd hat begonnen, das Tempo bleibt ein politisches Versprechen. Der Digimeter wird im November aktualisiert. Bis dahin gilt für Unternehmen die alte Regel: Was digital geht, sofort digital erledigen. Was analog bleibt, in den Kalender eintragen.

Dazu:

 

 

Mehr Newshunger?

Grafik: Uhr auf Baustelle mit Prozentangaben,
Nationaler Normenkontrollrat fordert Bürokratieabbau; E-Auto-Prämie 2026 unter Überprüfung; Selbstständigen-Einkommen analysiert
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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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