Die Zukunft der Website entscheidet sich gerade daran, ob eine Seite auch für Maschinen lesbar wird. Joost de Valk, Gründer des SEO-Plugins Yoast und heute bei Your.Online für KI zuständig, veröffentlichte dazu einen viel diskutierten Beitrag. Seine Kernaussage: Websites verschwinden nicht, ihre Aufgabe verschiebt sich.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Joost de Valk beschreibt die Website als Bündel aus Oberflächen: eine für Menschen, mehrere für Maschinen.
  • Die Maschinen-Oberflächen antworten nicht nur, sondern handeln aktiv: prüfen Verfügbarkeiten und lösen Bestellungen aus.
  • Umstritten ist nur der Weg: de Valk wirbt für llms.txt, Google lehnt die Datei ab und setzt auf WebMCP.
  • Für DACH-Betreiber zählt zuerst eine saubere Datenbasis, kein blinder Wetteinsatz auf ein einzelnes Format.

Was ändert sich an der Rolle der Website?

Schwarzer Türklopfer, Kamera, Klappe und Schild „Nur für Agenten“ auf Weiß
Website als zentrale Informationsquelle mit mehreren Schnittstellen: eine für Menschen, mehrere für Maschinen zur Automatisierung von Anfragen und Buchungen

Antwort zuerst: Die Website bleibt die Quelle der Wahrheit, bedient aber mehrere Oberflächen zugleich. De Valk beschreibt die Seite als Bündel von Schnittstellen, eine für Menschen und mehrere für Maschinen. Der wichtige Unterschied steckt im Verhalten der Maschinen: Diese Oberflächen beantworten nicht nur Fragen, sondern führen Aktionen aus, prüfen Verfügbarkeiten, buchen Termine oder lösen Bestellungen aus.

Daraus zieht de Valk eine klare Forderung: Eine Website, die zähle, solle mindestens auch ein MCP-Server sein.[1] Das Model Context Protocol, kurz MCP, ist der Standard, über den KI-Agenten strukturiert mit einem Dienst sprechen. Dass Maschinen selbst Antworten liefern, treibt bereits die Answer Engine Optimization voran.

Den Fallstrick kennt die Branche schon. Separate Maschinen-Versionen driften vom Original weg und sterben, wie einst die mobilen m-dot-Seiten und Googles AMP. Deshalb sollen Menschen- und Agenten-Fassung aus einer Vorlage entstehen.

Warum ist llms.txt so umstritten?

Kurz gesagt: Über das Ziel herrscht Einigkeit, über den Weg nicht. De Valk wirbt für llms.txt, eine Markdown-Datei im Wurzelverzeichnis, die Sprachmodellen die wichtigsten Inhalte einer Seite bündelt. Sein Argument: Ein Standard setzt sich durch, sobald Anbieter ihn ausliefern, nicht erst, wenn Bots danach fragen.

Google widerspricht deutlich. Der Search-Sprecher John Mueller verglich llms.txt mit dem längst toten Keywords-Meta-Tag und hielt gepflegtes Extra-Markdown allein für Bots für überflüssig. Kein KI-Dienst frage die Datei ab, Google setze lieber auf den Ansatz WebMCP. Schon beim KI-Opt-out in der robots.txt erklärte der Konzern einen beliebten Kniff für wirkungslos.

Sein Regelwerk specification.website bündelt seit dem 30. Mai 2026 genau 128 Regeln in zehn Kategorien, von Barrierefreiheit bis zu einem eigenen Kapitel Agent Readiness.[2] Die Spezifikation stellt sogar selbst einen offenen MCP-Server bereit, den Agenten ohne Anmeldung abfragen.

Der Streit um llms.txt lenkt vom eigentlichen Punkt ab. Entscheidend bleibt eine einzige, gut strukturierte Quelle der Wahrheit, unabhängig davon, welches Discovery-Format sich am Ende durchsetzt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die Website-Spezifikation im Überblick
128 Regeln für die Agenten-Ära, verteilt auf zehn Kategorien
128
Regeln insgesamt
10
Kategorien
18
Punkte allein für Agent Readiness
1
offener MCP-Server ohne Anmeldung
Themen je Kategorie
Barrierefreiheit20
Performance19
Agent Readiness18
Grundlagen14
SEO13
Sicherheit12
Internationalisierung12
Well-Known URIs9
Datenschutz6
Ausfallsicherheit5

Was sollten Betreiber im DACH-Raum jetzt tun?

Antwort zuerst: Bauen Sie eine saubere Datenbasis, bevor Sie auf ein einzelnes Format wetten. Eine saubere Datenbasis per JSON-LD und eine einzige gepflegte Datenquelle helfen Menschen wie Maschinen, unabhängig vom Streit ums Discovery-Format. Genau hier beginnt die eigene Sichtbarkeit in KI-Antworten.

Für die vielen WordPress-Seiten im DACH-Raum sinkt die Hürde, denn Yoast liefert eine llms.txt-Funktion inzwischen mit. Wie viel Agenten-Traffic fließt, macht ein Werkzeug wie Mcpsnoop sichtbar.

Ein Vorbehalt bleibt. Sobald Agenten auf einer Seite handeln, wächst die Angriffsfläche, wie manipulierte Quelltexte zeigen, die KI-Agenten schon zur Zahlung verleiteten. De Valk sieht zugleich Echtheit zur Infrastruktur werden: Statt E-E-A-T nur zu schätzen, prüfen Agenten künftig kryptografisch, ob ein Anbieter echt ist. Unter dem EU AI Act und der DSGVO bleibt die Haftung für automatisch ausgelöste Aktionen beim Betreiber.

Der nächste Schritt bleibt überschaubar: die eigene Datenbasis prüfen und einen MCP-Endpunkt testen. So bleibt eine Marke sichtbar, egal ob der Kunde am Ende selbst klickt oder seinen Agenten schickt.

Quellen

[1] Joost de Valk: „The future of the website“

[2] Website Specification: „A specification for the modern web“

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