Seit dem 13. September 2022 müssen Arbeitgeber in Deutschland die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten aufzeichnen. Festgestellt hat diese Pflicht das Bundesarbeitsgericht, ein Gesetz zur Form der Erfassung fehlt bis heute. Im Koalitionsvertrag 2025 haben CDU, CSU und SPD die elektronische Erfassung angekündigt, im Juni 2026 wurde ein erster Entwurf aus dem Bundesarbeitsministerium bekannt.
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- Die Ausgangslage: Warum die Zeiterfassung zur Pflicht wird
- Das BAG-Urteil von 2022: Der Wendepunkt
- Der Koalitionsvertrag 2025: Elektronische Zeiterfassung soll Gesetz werden
- Was genau muss erfasst werden?
- Wer ist von der Zeiterfassungspflicht betroffen?
- Übergangsfristen nach Unternehmensgröße
- Was bleibt von der Vertrauensarbeitszeit?
- Aktuelle Situation in deutschen Unternehmen
- Bußgelder und Sanktionen bei Verstößen
- Zeiterfassung im Homeoffice und bei mobiler Arbeit
- Die Rolle des Betriebsrats
- Delegation der Erfassungspflicht an Mitarbeiter
- Welche Systeme kommen infrage?
- Datenschutz bei der Zeiterfassung
- Handlungsempfehlungen für Unternehmen
- Ausblick: Weitere geplante Änderungen im Arbeitszeitrecht
- Fazit: Jetzt handeln lohnt sich
- Häufige Fragen zum Zeiterfassungsgesetz
Für Geschäftsführer und Personalverantwortliche heißt das: Die Aufzeichnung ist schon heute Pflicht, offen ist nur noch die Form.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem BAG-Beschluss vom 13. September 2022 müssen Arbeitgeber Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzeichnen, unabhängig von der Betriebsgröße.
- Ein im Juni 2026 bekannt gewordener Entwurf des Bundesarbeitsministeriums sieht die elektronische Erfassung am Tag der Arbeit vor, mit Übergangsfristen von einem, zwei oder fünf Jahren.
- Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten sollen dauerhaft auf Papier aufzeichnen dürfen.
- Laut Bitkom erfassten 2025 rund drei Viertel der Unternehmen die Arbeitszeit, 44 Prozent führten ihr System erst nach dem BAG-Beschluss ein.
- Ein direktes Bußgeld für fehlende Aufzeichnungen sieht das Arbeitsschutzgesetz bisher nicht vor, wohl aber für Verstöße gegen behördliche Anordnungen.
Die Ausgangslage: Warum die Zeiterfassung zur Pflicht wird

Den Anstoß gab der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg: Am 14. Mai 2019 entschied das Gericht, dass alle EU-Mitgliedstaaten ihre Arbeitgeber verpflichten müssen, ein objektives, verlässliches und zugängliches System zur Erfassung der täglichen Arbeitszeit einzurichten.
Geklagt hatte die spanische Gewerkschaft CCOO gegen die Deutsche Bank SAE, weil die Bank kein System besaß, mit dem sich die tägliche Arbeitszeit ihrer Beschäftigten erfassen ließ.
Deutschland reagierte zögerlich. Wie die Erfassung im Einzelnen aussieht, überließ der EuGH den nationalen Gesetzgebern, und der Bundestag hat das Urteil bis heute nicht in ein eigenes Gesetz gegossen.
Das BAG-Urteil von 2022: Der Wendepunkt

Fakten schuf das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit seinem Beschluss vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21): Der Erste Senat unter Vorsitz von BAG-Präsidentin Inken Gallner stellte fest, dass auch in Deutschland die gesamte Arbeitszeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufzuzeichnen ist.
Die Erfurter Richter leiten die Pflicht aus Paragraf 3 Absatz 2 Nummer 1 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) ab, ausgelegt im Licht des EuGH-Urteils. Ein neues Gesetz brauchte der Senat dafür nicht.
Darf der Arbeitgeber mit der Erfassung warten, bis der Gesetzgeber das Arbeitszeitgesetz anpasst? Nein. Nach dem BAG ist die Aufzeichnung schon heute geltendes Recht.
Lesetipp: Arbeitsschutzgesetz: Was Arbeitgeber 2026 wirklich umsetzen müssen
Der Koalitionsvertrag 2025: Elektronische Zeiterfassung soll Gesetz werden

Union und SPD haben die elektronische Erfassung in ihren Koalitionsvertrag geschrieben. Im Vertrag steht: „Wir werden die Pflicht zur elektronischen Erfassung von Arbeitszeiten unbürokratisch regeln und dabei für kleine und mittlere Unternehmen angemessene Übergangsregeln vorsehen.“
Die Ausgestaltung liegt beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) unter Ministerin Bärbel Bas. Mitte Juni 2026 wurde ein erster Entwurf aus dem Ministerium bekannt, den das BMAS selbst als interne Arbeitsfassung bezeichnete. Der Entwurf sieht eine Neufassung von Paragraf 16 des Arbeitszeitgesetzes vor. Ein Kabinettsbeschluss stand bei Redaktionsschluss im Oktober 2026 noch aus, und im Maßnahmenpaket des Koalitionsausschusses von Anfang Juli 2026 fehlte die Reform.
Für Unternehmen ändert das Warten wenig: Die Aufzeichnungspflicht selbst gilt seit 2022, der Entwurf regelt vor allem die Form.
Was genau muss erfasst werden?

Erfasst werden Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit, also auch Überstunden sowie Arbeit an Sonn- und Feiertagen. Die Pflicht gilt für alle Arbeitgeber, unabhängig von der Branche, und für jeden Arbeitsort: im Außendienst, auf Dienstreise und im Homeoffice.
Das System muss bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Schon der EuGH verlangte 2019 ein „objektives, verlässliches und zugängliches System“ für die Erfassung sämtlicher Arbeitszeiten.
Nach dem Entwurf von 2026 soll die Aufzeichnung künftig elektronisch und am selben Tag erfolgen, an dem die Arbeit geleistet wird. Aufbewahren müssten Arbeitgeber die Aufzeichnungen zwei Jahre lang. Eine bestimmte Technik schreibt der Entwurf nicht vor.
Wer ist von der Zeiterfassungspflicht betroffen?

Die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung gilt seit dem BAG-Beschluss von 2022 für alle Arbeitgeber in Deutschland, vom Kleinbetrieb über den Mittelständler bis zum Konzern.
Aufzuzeichnen ist die Arbeitszeit aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne von Paragraf 5 Absatz 1 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG). Für leitende Angestellte nach Paragraf 5 Absatz 3 BetrVG gelten speziellere Regeln.
Ausnahmen von der elektronischen Erfassungspflicht
Arbeitgeber mit bis zu zehn Beschäftigten sollen nach dem Entwurf dauerhaft von der elektronischen Form befreit bleiben und weiter auf Papier aufzeichnen dürfen. Die Aufzeichnung selbst bleibt auch für diese Kleinbetriebe Pflicht.
Privathaushalte als Arbeitgeber nimmt der Entwurf von 2026 ebenfalls aus. Der Entwurf von 2023 befreite zudem ausländische Arbeitgeber, die bis zu zehn Beschäftigte nach Deutschland entsenden.
Daneben lassen beide Entwürfe tarifvertragliche Abweichungen zu. Per Tarifvertrag oder einer darauf gestützten Betriebs- oder Dienstvereinbarung dürfen Betriebe auf Papier aufzeichnen; nach dem Entwurf von 2026 darf die Erfassung dann auch bis zu sieben Tage später erfolgen.
Übergangsfristen nach Unternehmensgröße

Um kleinere Unternehmen zu entlasten, sehen die Entwürfe gestaffelte Übergangsfristen vor. Die Staffelung stammt aus dem Referentenentwurf des BMAS vom April 2023, die Arbeitsfassung von 2026 übernimmt sie.
Gerechnet ab Inkrafttreten des Gesetzes gelten für die elektronische Form folgende Fristen: ein Jahr für Arbeitgeber ab 250 Beschäftigten, zwei Jahre für Betriebe mit weniger als 250 und fünf Jahre für Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten. Arbeitgeber mit bis zu zehn Beschäftigten bleiben dauerhaft ausgenommen.
Die Fristen betreffen nur die elektronische Form. Aufzeichnen müssen alle Arbeitgeber schon jetzt, ob auf Papier, in einer Tabelle oder mit einem System.
Große Arbeitgeber stellen als Erste auf die elektronische Form um.
Mittlere Betriebe bekommen ein Jahr mehr Zeit.
Kleine Betriebe haben die längste Frist.
Kleinstbetriebe dürfen weiter auf Papier aufzeichnen.
Was bleibt von der Vertrauensarbeitszeit?

Für die Vertrauensarbeitszeit verspricht der Koalitionsvertrag: „Die Vertrauensarbeitszeit bleibt ohne Zeiterfassung im Einklang mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie möglich.“
Ganz ohne Aufzeichnung kommt das Modell trotzdem nicht aus. Vertrauensarbeitszeit regelt, wann und wo Beschäftigte arbeiten, nicht wie lange. Nach dem Entwurf von 2026 darf der Arbeitgeber zwar darauf verzichten, die vertragliche Arbeitszeit zu kontrollieren, muss aber sicherstellen, dass Verstöße gegen Höchstarbeitszeit und Ruhezeiten auffallen, etwa durch Stichproben oder automatische Hinweise. Eine freiwillige Notiz reicht dafür nicht.
Im Alltag bestimmen Mitarbeitende weiterhin selbst, wann sie arbeiten. Aufgezeichnet werden die geleisteten Stunden trotzdem. Unternehmen, die ihre Vertrauensarbeitszeit deshalb neu fassen, können Arbeitszeitmodell, Betriebsvereinbarung und Erfassungsweg gemeinsam mit einer HR-Beratung aufeinander abstimmen; welche Anbieter das übernehmen, listet der Vergleich der HR-Beratungen auf.
Aktuelle Situation in deutschen Unternehmen

Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt, wie weit die deutsche Wirtschaft mit der Umsetzung ist: Rund drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) erfassen die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten. Vor dem BAG-Beschluss im September 2022 hatten erst 30 Prozent eine Erfassung, 44 Prozent führten sie danach ein. Für die repräsentative Umfrage befragte Bitkom Research im Frühjahr 2025 telefonisch 602 Unternehmen ab 20 Beschäftigten.
Unter den Unternehmen mit Zeiterfassung nutzen 31 Prozent ein elektronisches System am Computer und 24 Prozent stationäre Terminals, an denen Beschäftigte per Chip oder Transponder stempeln. Auf die klassische Stempeluhr setzen 19 Prozent, weitere 18 Prozent nutzen eine Smartphone-App zur digitalen Zeiterfassung, wie z.B. Clockin. Excel-Tabellen führen 16 Prozent, handschriftliche Stundenzettel 13 Prozent.
Begeistert sind die Unternehmen nicht: 65 Prozent sagen, die Erfassung nehme der Vertrauensarbeitszeit ihre Flexibilität, und 55 Prozent halten eine genaue Erfassung vor allem bei Wissensarbeit für schwer umsetzbar. In 41 Prozent der Unternehmen fühlen sich Beschäftigte durch die Erfassung überwacht.
nutzen ein elektronisches Zeiterfassungssystem am Rechner.
stempeln an stationären Geräten mit Chip oder Transponder.
setzen weiter auf die klassische Stech- oder Stempeluhr.
erfassen die Arbeitszeit per Smartphone-App.
Bußgelder und Sanktionen bei Verstößen

Für fehlende Aufzeichnungen droht derzeit kein unmittelbares Bußgeld. Die Pflicht ergibt sich aus Paragraf 3 Arbeitsschutzgesetz, und Paragraf 25 ArbSchG belegt einen Verstoß dagegen nicht direkt mit einer Geldbuße.
Ein indirektes Risiko besteht trotzdem, denn die zuständige Arbeitsschutzbehörde kann anordnen, dass ein Arbeitgeber die Pflichten aus Paragraf 3 ArbSchG erfüllt. Verstößt der Betrieb gegen eine solche vollziehbare Anordnung, droht ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro.
Bußgeldbewehrt ist schon heute die Aufzeichnungspflicht aus Paragraf 16 Absatz 2 Arbeitszeitgesetz (ArbZG): Arbeitszeit, die an Werktagen über acht Stunden hinausgeht, muss der Arbeitgeber dokumentieren.
Missachtet ein Betrieb Höchstarbeitszeiten, Ruhezeiten oder das Verbot der Sonntagsarbeit, steigt die Gefahr von Beschwerden und damit von Kontrollen. Für Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz selbst sieht Paragraf 22 ArbZG Geldbußen bis zu 30.000 Euro vor. Handelt der Arbeitgeber vorsätzlich und gefährdet dadurch die Gesundheit oder Arbeitskraft eines Beschäftigten oder wiederholt er den Verstoß beharrlich, drohen nach Paragraf 23 ArbZG bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe.
Seit dem BAG-Beschluss von 2022 ist Zeiterfassung Pflicht, doch 26 Prozent der Unternehmen erfassten 2025 noch keine Arbeitszeit.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zeiterfassung im Homeoffice und bei mobiler Arbeit

Hybride Arbeit macht die Umsetzung im Homeoffice zur Praxisfrage. Auch zu Hause muss die geleistete Arbeitszeit nachvollziehbar erfasst werden, denn die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers endet nicht an der Bürotür.
Für das Homeoffice eignen sich digitale Lösungen: Mitarbeitende erfassen ihre Zeiten am Rechner oder per Smartphone. Ein Terminal im Firmenflur hilft am heimischen Schreibtisch nicht weiter, deshalb brauchen Unternehmen mit Homeoffice-Regelung eine mobile Erfassung.
Besondere Herausforderungen im Homeoffice
Im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben besonders leicht. Beschäftigte arbeiten dort schnell länger als im Büro, lassen Pausen ausfallen oder bleiben ständig erreichbar, was auf Dauer zu psychischer Überlastung führen kann.
Die Zeiterfassung dient hier nicht nur der Dokumentation, sondern auch der Vorbeugung: Überstunden fallen früh auf, bevor sie sich auftürmen.
Die Rolle des Betriebsrats

Bei der Einführung eines Zeiterfassungssystems redet der Betriebsrat mit. Nach Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 7 BetrVG bestimmt er über die Ausgestaltung der Erfassung mit, bei elektronischen Systemen kommt Nummer 6 für technische Einrichtungen zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle hinzu. Deshalb gehört der Betriebsrat schon an den Tisch, sobald das Unternehmen ein System auswählt.
Im Verfahren vor dem BAG wollte ein Betriebsrat die Einführung eines elektronischen Systems per Initiativrecht durchsetzen. Das Gericht verneinte dieses Initiativrecht, weil der Arbeitgeber ohnehin gesetzlich zur Erfassung verpflichtet ist. Über das Ob entscheidet also das Gesetz, über das Wie redet der Betriebsrat mit.
Delegation der Erfassungspflicht an Mitarbeiter

Arbeitgeber dürfen die Aufzeichnung an ihre Beschäftigten delegieren. Verantwortlich für Vollständigkeit und Richtigkeit der Einträge sowie für die Einhaltung von Ruhezeiten und Höchstarbeitszeiten bleibt trotzdem der Arbeitgeber.
Im Alltag heißt das: Ihre Mitarbeitenden tragen ihre Zeiten selbst ein, und Sie prüfen zumindest stichprobenartig, ob die Einträge stimmen.
Welche Systeme kommen infrage?

Weder der BAG-Beschluss noch das Arbeitsschutzgesetz schreiben eine bestimmte Form vor. Bis zum neuen Gesetz haben Unternehmen bei der Wahl des Systems freie Hand.
Mit dem geplanten Gesetz wird die Aufzeichnung grundsätzlich elektronisch. Nach der Begründung des Entwurfs von 2023 zählen dazu neben Zeiterfassungsgeräten auch Apps auf dem Mobiltelefon und herkömmliche Tabellenkalkulationen.
Drei Wege stehen zur Wahl:
- Digitale Zeiterfassungssysteme automatisieren am meisten. Beschäftigte stempeln per App, am Computer oder am Terminal, das System speichert die Daten, und die Lohnbuchhaltung übernimmt sie direkt. Damit die Stunden ohne Abtippen in die Abrechnung gelangen, braucht das Lohnprogramm eine Schnittstelle zum Zeiterfassungssystem; einen Marktüberblick gibt unser Vergleich der Lohnabrechnungsprogramme.
- Excel-Tabellen gelten als pragmatische Übergangslösung, sind aber fehleranfällig und kosten Verwaltungsaufwand.
- Handschriftliche Stundenzettel bleiben für Kleinbetriebe mit bis zu zehn Beschäftigten erlaubt. Größere Betriebe müssen nach Ablauf ihrer Übergangsfrist auf eine elektronische Form wechseln, sofern kein Tarifvertrag eine Ausnahme zulässt.
Datenschutz bei der Zeiterfassung

Mit jeder Zeiterfassung verarbeitet der Arbeitgeber personenbezogene Daten seiner Beschäftigten und muss deshalb die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) beachten. Digitale Systeme verschärfen die Frage, wer auf die Daten zugreifen darf und wo die Daten liegen. Zugriffsrechte, Speicherort und Löschfristen gehören deshalb schon in die Auswahl des Anbieters.
Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Die Umstellung auf ein gesetzeskonformes System braucht Planung. Auch wenn das Gesetz zur elektronischen Form noch aussteht, können Sie Ihr Unternehmen schon jetzt auf die neuen Anforderungen vorbereiten.
Schritt 1: Bestandsaufnahme
Prüfen Sie, wie Ihr Unternehmen Arbeitszeiten heute erfasst, und halten Sie fest, wo Lücken bestehen.
Schritt 2: Anforderungen definieren
Berücksichtigen Sie alle Arbeitsmodelle in Ihrem Unternehmen: Büroarbeit, Homeoffice, Außendienst und Schichtarbeit. Das gewählte System muss in jedem dieser Modelle funktionieren.
Schichtbetriebe sparen Abstimmungsaufwand, sobald Zeiterfassung und Dienstplan verbunden sind: Geplante und geleistete Stunden stehen dann ohne Abtippen nebeneinander. Programme für beides listet der Vergleich der Dienstplan-Software auf.
Schritt 3: System auswählen
Vergleichen Sie Anbieter nach Funktionen, Bedienung, Datenschutz und Anbindung an Ihre vorhandene HR-Software. Welche Anbieter diese Kriterien erfüllen, führt der Vergleich der Zeiterfassungssysteme im Einzelnen auf.
Schritt 4: Betriebsrat einbinden
Informieren Sie den Betriebsrat frühzeitig und beziehen Sie ihn in die Auswahl ein. Bei elektronischen Systemen braucht die Einführung ohnehin die Zustimmung des Betriebsrats nach Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG, und eine späte Beteiligung verzögert den Start.
Schritt 5: Mitarbeiter schulen
Planen Sie rechtzeitig Informationen oder Schulungen ein, damit die Belegschaft neue Werkzeuge und Abläufe annimmt.
Schritt 6: Pilotphase durchführen
Testen Sie das neue System zunächst in einer Abteilung und führen Sie die Lösung erst danach im ganzen Unternehmen ein.
Ausblick: Weitere geplante Änderungen im Arbeitszeitrecht

Neben der elektronischen Zeiterfassung plant die Koalition eine Flexibilisierung der Arbeitszeit. Im Koalitionsvertrag kündigen Union und SPD an, im Einklang mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu ermöglichen.
Viele Unternehmen wünschen sich diese Lockerung: Laut Bitkom fordern 82 Prozent eine wöchentliche Höchstarbeitszeit statt einer täglichen, 49 Prozent wollen die elfstündige Ruhezeit flexibler handhaben.
Der Entwurf von 2026 knüpft die Wochenhöchstarbeitszeit an einen Tarifvertrag oder eine darauf gestützte Betriebsvereinbarung. Der Durchschnitt von 48 Wochenstunden über zwölf Monate bleibt bestehen. An der Pflicht zur Zeiterfassung ändert die Flexibilisierung nichts. Ohne Aufzeichnung lässt sich ein Wochendurchschnitt gar nicht nachweisen.
Fazit: Jetzt handeln lohnt sich
Die elektronische Arbeitszeiterfassung ist im Koalitionsvertrag vereinbart, offen sind Termin und Details. Die Pflicht zur Aufzeichnung besteht seit dem BAG-Beschluss von 2022. Unternehmen, die jetzt handeln, verschaffen sich einen rechtlichen Vorsprung und gewinnen nebenbei einen genauen Überblick über Überstunden und Personalbedarf.
Laut Bitkom wollten 21 Prozent der Unternehmen noch 2025 eine Arbeitszeiterfassung einführen. Nur 2 Prozent gaben an, abzuwarten, bis der Gesetzgeber die Pflicht konkretisiert.
Warten lohnt sich nicht: Nutzen Sie die Zeit bis zum Gesetz, um Ihr System in Ruhe auszuwählen und einzuführen.
Häufige Fragen zum Zeiterfassungsgesetz
Ist die Zeiterfassung in Deutschland schon Pflicht?
Ja. Seit dem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts vom 13. September 2022 (1 ABR 22/21) müssen Arbeitgeber Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit ihrer Beschäftigten aufzeichnen. Die Pflicht folgt aus Paragraf 3 des Arbeitsschutzgesetzes und gilt unabhängig von Branche und Betriebsgröße.
Liegt schon ein Zeiterfassungsgesetz vor?
Nein. Im Juni 2026 wurde eine Arbeitsfassung des Bundesarbeitsministeriums bekannt, die Paragraf 16 des Arbeitszeitgesetzes neu fassen soll. Ein Kabinettsbeschluss stand im Oktober 2026 noch aus. Bis zum Gesetz bleibt die Form der Aufzeichnung frei.
Muss die Zeiterfassung elektronisch sein?
Derzeit nicht. Nach dem Entwurf soll die Aufzeichnung künftig elektronisch und am Tag der Arbeitsleistung erfolgen. Die Übergangsfristen betragen ein Jahr ab 250 Beschäftigten, zwei Jahre unter 250 und fünf Jahre unter 50 Beschäftigten. Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten dürfen dauerhaft auf Papier aufzeichnen.
Ist Vertrauensarbeitszeit weiterhin möglich?
Ja, laut Koalitionsvertrag bleibt Vertrauensarbeitszeit möglich. Nach dem Entwurf von 2026 darf der Arbeitgeber darauf verzichten, die vertragliche Arbeitszeit zu kontrollieren, muss aber sicherstellen, dass Verstöße gegen Höchstarbeitszeit und Ruhezeiten auffallen.
Welche Strafen drohen ohne Zeiterfassung?
Für fehlende Aufzeichnungen sieht das Arbeitsschutzgesetz bisher kein direktes Bußgeld vor. Ordnet die Arbeitsschutzbehörde die Erfassung an und hält sich der Arbeitgeber nicht daran, drohen bis zu 30.000 Euro. Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz können ebenfalls bis zu 30.000 Euro kosten.
Hat der Betriebsrat bei der Zeiterfassung ein Mitspracherecht?
Ja, bei der Ausgestaltung. Nach Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 7 BetrVG bestimmt der Betriebsrat mit, wie die Arbeitszeit erfasst wird, bei elektronischen Systemen zusätzlich nach Nummer 6. Die Einführung selbst kann der Betriebsrat nicht erzwingen, weil die Pflicht schon gesetzlich besteht.
Quellen
- Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 13.09.2022, Az. 1 ABR 22/21
- Europäischer Gerichtshof, Urteil vom 14.05.2019, Rs. C-55/18 (CCOO)
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): FAQ zur Arbeitszeiterfassung, bmas.de
- Koalitionsvertrag 2025 „Verantwortung für Deutschland“, CDU/CSU und SPD
- Referentenentwurf des BMAS zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes, April 2023
- Arbeitsfassung des BMAS zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes, bekannt geworden im Juni 2026 (nicht amtlich veröffentlicht)
- Bitkom: Presseinformation „Arbeitszeiterfassung in drei Viertel der Unternehmen“, 06.06.2025, bitkom.org
- IHK Berlin: Arbeitszeiterfassungspflicht für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, ihk.de
- ver.di: Arbeitszeiterfassung: Alles, was Du dazu wissen musst, verdi.de
- Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), insbesondere § 3 Abs. 2 Nr. 1, §§ 22, 25
- Arbeitszeitgesetz (ArbZG), insbesondere §§ 16, 22, 23
