2,88 Millionen Studierende stehen 461.800 neuen Ausbildungsverträgen gegenüber. Deutschlands Bildungswege driften weiter auseinander: Während Hochschulen einen neuen Höchststand an Studierenden melden, sinkt die Zahl neuer Ausbildungsverträge das zweite Jahr in Folge. Für Betriebe im Mittelstand wird die Suche nach Nachwuchs damit noch enger.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen2.876.900 Studierende zählt Deutschland im laufenden Wintersemester, ein neuer Rekordwert. Gleichzeitig unterschrieben nur 461.800 junge Menschen 2025 einen neuen Ausbildungsvertrag, 13.300 weniger als im Jahr zuvor. Beide Kurven laufen seit Jahren auseinander.
Das Wichtigste in Kürze
- Neuer Studierenden-Rekord: 2.876.900 Studierende im Wintersemester 2025/2026, ein Plus von 12.800 Personen gegenüber dem Vorjahr.
- Ausbildungsverträge sinken weiter: 461.800 neue Verträge 2025, ein Rückgang um 2,8 Prozent oder 13.300 Verträge.
- Auch der Bestand schrumpft: Insgesamt 1.207.900 Auszubildende zum Jahresende 2025, ein Minus von 0,8 Prozent.
- Dr. Web ordnet ein: Die neue Serie KI-Resilienz-Check prüft 30 Ausbildungsberufe auf ihre Zukunftsfestigkeit.
Warum sinken die Ausbildungsverträge 2025 weiter?

Der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen hält an: 2025 unterschrieben laut den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts rund 461.800 junge Menschen einen neuen Vertrag, 2,8 Prozent oder 13.300 weniger als 2024. Nach moderaten Zuwächsen zwischen 2021 und 2023 rutscht die Kurve damit zum zweiten Mal in Folge ins Minus, wie die aktuelle Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts zeigt.
Auf der anderen Seite wächst die Zahl der Studierenden. 2.876.900 junge Menschen sind im Wintersemester 2025/2026 an deutschen Hochschulen eingeschrieben, 12.800 mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls ermittelt hat. Fachhochschulen und Kunsthochschulen wachsen dabei deutlich stärker als klassische Universitäten.
Diese Schieflage trifft besonders den Mittelstand. Handwerksbetriebe, Pflegeeinrichtungen und Bauunternehmen berichten seit Jahren von unbesetzten Lehrstellen, während Hörsäle in vielen Studiengängen voll bleiben. Eine reine Zahl bildet diese Verwerfung nur unvollständig ab, denn die Statistik trifft keine Aussage darüber, welcher der beiden Wege in zehn Jahren noch dieselben Berufsaussichten bietet. Wir hören genau das in Gesprächen mit Handwerksbetrieben fast wöchentlich.
Die Zahlen zeigen eine krasse Schieflage, die sich immer weiter ausweitet.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was können Betriebe aus den Zahlen ableiten?
Für Personalverantwortliche liefert die Statistik einen klaren Auftrag: Betriebe, die selbst ausbilden, sichern sich langfristig Nachwuchs, den der externe Arbeitsmarkt kaum noch hergibt. Betriebe, die diesen Weg noch nicht beschreiten, finden im Leitfaden zum Ausbildungsbetrieb konkrete Schritte zum Einstieg.
Die eigentliche Wucht des Wandels reicht über reine Kopfzahlen hinaus. Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Bürojobs, sondern zunehmend auch Tätigkeiten, für die junge Menschen jahrelang studieren. Viele Ausbildungsberufe gelten laut BIBB dagegen als technikoffen und passen sich schneller an neue Werkzeuge an. Wie stark einzelne Ausbildungsberufe von dieser Verschiebung profitieren oder darunter leiden, ordnet die neue Dr.-Web-Serie KI-Resilienz-Check für 30 Ausbildungsberufe mit einer eigenen Schulnotenskala ein.
Junge Menschen in der Berufswahl profitieren von einem nüchternen Blick auf beide Optionen, nicht von pauschalen Empfehlungen für den einen oder anderen Weg. Der Fachkräftemangel im Handwerk erhöht die Verhandlungsmacht gut ausgebildeter Spezialisten schon heute spürbar, wie die Analyse zu KI-resistenten Berufen zeigt. Für Betriebe zählt jetzt vor allem eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Ausbildungsquote, bevor der nächste Jahrgang an die Hochschulen abwandert.
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