Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter warnt im Handelsblatt-Interview vor einer „Spirale nach unten“. Seit 2019 hat die Metall- und Elektroindustrie rund 300.000 Stellen verloren, weitere 300.000 könnten folgen. Dann läge die Beschäftigung unter dem tiefsten Stand nach der Wiedervereinigung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit den jüngsten Warnungen von Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter rückt die Krise der Metall- und Elektroindustrie an einen historischen Tiefpunkt. Hand aufs Herz: Trifft Sie diese Entwicklung auch in der eigenen Zulieferkette? Das Interview im Handelsblatt liest sich wie ein Hilferuf an die Politik.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit 2019 sind in der Metall- und Elektroindustrie rund 300.000 Arbeitsplätze verschwunden, der Bestand liegt aktuell unter 3,8 Millionen.
- Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter warnt vor weiteren 300.000 Jobverlusten in den kommenden Monaten.
- Treten beide Szenarien ein, fällt die Beschäftigung unter den tiefsten Stand nach der Wiedervereinigung.
- Bundeskanzler Friedrich Merz trifft die Sozialpartner am 10. Juni 2026, ein Wettbewerbsfähigkeits-Paket steht auf der Tagesordnung.
Was sagt Dinglreiter konkret?

Die Lage in der Metall- und Elektroindustrie bezeichnet der Verbandspräsident im Handelsblatt als „dramatisch“. Die Branche stellt rund zwei Drittel der deutschen Industrie und stützt damit den gesamten Wirtschaftsstandort. Der Beschäftigungsstand ist seit dem Höchststand 2019 um 300.000 gefallen und droht laut Dinglreiter um weitere 300.000 zu sinken.
Würde diese Prognose eintreffen, läge die Beschäftigung in der M+E-Industrie niedriger als zum bisher tiefsten Punkt nach der deutschen Wiedervereinigung. Wie sich der Druck heute schon in den Stellenplänen niederschlägt, hat die Redaktion am Beispiel der 1.300 Festo-Stellen in Esslingen und der vier von zehn Industriebetrieben mit Abbau-Plänen für 2026 dargestellt.
Warum drückt China auf die Bilanz?

Mit den zuletzt deutlich gestiegenen chinesischen Investitionen in die EU schiebt sich ein zweiter Belastungsfaktor in den Vordergrund. Der Großteil dieser Investitionen fließt nicht nach Deutschland, sondern in andere EU-Länder. So entstehen in Polen, Ungarn oder Spanien neue Werke und damit neue Wettbewerber mit günstigeren Kostenstrukturen und direktem Marktzugang in den Binnenmarkt.
Die Arbeitsplätze bleiben außerhalb Deutschlands, die Konkurrenz aber landet direkt bei deutschen Mittelständlern auf der Ausschreibungs-Tabelle. Dass die deutsche Industriestruktur ohnehin bröckelt, belegt der DATEV-Mai-Bericht 2026: Maschinenbau minus 2,7 Prozent, Metallerzeugnisse minus 2,4 Prozent, während andere Bereiche zulegen.
Wenn eine Branche, die zwei Drittel der deutschen Industrie ausmacht, auf das Wendezeit-Niveau zurückfällt, dann betrifft das jeden Mittelständler in der Zulieferkette. Politische Lösungswillens-Beteuerungen reichen nicht mehr, jetzt zählt Tempo.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was erwartet die Branche vom Treffen am 10. Juni?

Das von Bundeskanzler Merz angesetzte Treffen mit den Sozialpartnern betrachtet der Gesamtmetall-Präsident mit Skepsis. Sinnvoll sei der Termin nur dann, wenn alle Parteien echten Lösungswillen mitbrächten. Andernfalls verliere man wertvolle Zeit. Die Wettbewerbsfähigkeit müsse jetzt mit einem konkreten Paket verbessert werden, sonst würden weitere Arbeitsplätze abgebaut, mehr Prozesse verlagert und weniger Steuern sowie Sozialabgaben gezahlt. Daraus entstehe eine Spirale nach unten, die schwer zu stoppen sei. Politisch parallel relevant: Die Bitkom-DSGVO-Studie zeigt, dass 70 Prozent der Unternehmen Innovationen wegen regulatorischer Lasten stoppen.
Was bedeutet das für Mittelständler in der Zulieferkette?

Geschäftsführer in zuliefernden Betrieben sollten ihre Kundenkonzentration prüfen. Wer mehr als 30 Prozent Umsatz mit einem M+E-Großkunden macht, läuft Gefahr, einem Stellenabbau-Programm direkt zum Opfer zu fallen. Bonitätsprüfung der Top-Kunden, Diversifizierung in benachbarte Branchen und ein konservatives Liquiditätspolster bleiben 2026 die wichtigsten Hausaufgaben. Wer parallel in Effizienzhebel investieren will, kann die aktuellen LLM-Vergleichswerte aus dem DrWeb-Ratgeber heranziehen oder einen Blick auf den Selbstständigen-Gehalt-Report werfen, falls eine Ausgründung als Plan B auf dem Tisch liegt.
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