Palmöl steckt in fast jedem zweiten Supermarktprodukt, und im Sommer 2026 entscheidet ein politischer Beschluss aus Jakarta über seinen Preis. Seit dem 1. Juli muss indonesischer Diesel zur Hälfte aus Palmöl bestehen, und schlagartig verschwindet der Rohstoff im eigenen Tank statt im Weltmarkt. Für deutsche Regale, Kosmetik und Kraftstoffe hat das spürbare Folgen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKaum ein Rohstoff ist so allgegenwärtig und zugleich so unsichtbar wie Palmöl. Als Indonesien seine Biodiesel-Quote auf 50 Prozent anhob, zog der Preis an den Terminmärkten kräftig an. Die Kontrolle über die Ölpalme ist damit ein Hebel, der von der Tiefkühlpizza bis zur Energiepolitik reicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Fast jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl, von Margarine über Schokolade bis zu Seife und Waschmittel.
- Indonesien und Malaysia liefern zusammen über 85 Prozent der Weltproduktion und bestimmen den Markt.
- Die B50-Quote lenkt seit Juli 2026 rund 3,5 Millionen Tonnen Palmöl in indonesischen Biodiesel statt in den Export.
- Die Ölpalme ist die mit Abstand ertragreichste Ölpflanze und liefert auf wenig Fläche das meiste Öl.
- Ab Ende Dezember 2026 zwingt die EU-Entwaldungsverordnung deutsche Importeure zu lückenloser Herkunftsprüfung.
Bluff oder Wissen? Der Palmöl-Check
1 Woher stammt die Ölpalme ursprünglich? Aufklappen ↓
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2 Wie viel Palmöl liefern Indonesien und Malaysia zusammen? Aufklappen ↓
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3 Wofür wird der größte Teil des Palmöls in Deutschland verwendet? Aufklappen ↓
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4 Warum ist ein Boykott von Palmöl ökologisch heikel? Aufklappen ↓
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5 Was verlangt die EU-Entwaldungsverordnung ab Ende 2026? Aufklappen ↓
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Was ist Palmöl und wie entsteht es?

Palmöl ist das Fett aus den Früchten der Ölpalme, der ertragreichsten Ölpflanze der Welt. Aus dem orangeroten Fruchtfleisch presst man das eigentliche Palmöl, aus dem Kern das feinere Palmkernöl.
Die Ölpalme Elaeis guineensis wächst nur im feuchtheißen Gürtel rund um den Äquator. Sie trägt nach drei bis vier Jahren erste Früchte und liefert danach über Jahrzehnte hinweg ununterbrochen Ernte, in großen Fruchtständen mit Tausenden einzelner Steinfrüchte.
Ihr großer Vorteil liegt im Ertrag. Ein Hektar Ölpalmen liefert in Indonesien im Schnitt rund 17 Tonnen Öl im Jahr, ein Vielfaches dessen, was Raps oder Sonnenblume auf gleicher Fläche schaffen.
Genau diese Effizienz macht den Rohstoff so konkurrenzlos billig. Palmöl deckt einen großen Teil des weltweiten Bedarfs an Pflanzenfett, beansprucht dafür aber nur einen kleinen Bruchteil der globalen Ackerfläche für Ölpflanzen.
Für 2026 erwartet der Markt eine Weltproduktion von rund 87 Millionen Tonnen. Kein anderes Pflanzenöl kommt an dieses Volumen heran, und keines ist so tief in die Lieferketten der Konsumgüterindustrie eingewachsen.
Wer entdeckte Palmöl und wie begann der Rausch?

Palmöl nutzten Menschen in Westafrika schon vor über 5.000 Jahren, lange bevor Europa den Rohstoff für sich entdeckte. Archäologische Funde belegen die Verwendung als Nahrung und Heilmittel bereits um 3.000 vor Christus.
Nach Europa gelangten erste Berichte 1466 durch portugiesische Seefahrer. Wissenschaftlich beschrieben wurde die Pflanze aber erst 1763, und den eigentlichen Aufstieg brachte erst die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts.
Damals brauchten europäische Fabriken Fett für Seife, Kerzen und Maschinenschmierstoff. Der britische Unternehmer William Lever, Gründer des späteren Unilever-Konzerns, baute sein Seifenimperium auf Palmöl und legte 1908 im belgisch besetzten Kongo seine erste koloniale Plantage an.
Nach Südostasien kam die Pflanze auf verschlungenem Weg. 1848 pflanzte man vier Setzlinge aus Westafrika im botanischen Garten von Bogor auf Java, und aus diesen wenigen Palmen wuchsen die riesigen Plantagen Sumatras heran.
Die kommerzielle Nutzung begann 1911. In Westafrika mussten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern für die Kolonialmächte Öl liefern, ganz ähnlich wie beim Kakao, dessen koloniale Handelsstruktur bis heute nachwirkt.
Wie hat Palmöl die Weltkarte verändert?

Palmöl verschob das Zentrum der Ölproduktion von Afrika nach Südostasien und machte zwei Länder zu Weltmarktführern. Indonesien liefert heute rund 58 Prozent der globalen Menge, Malaysia etwa 25 Prozent.
Der Grundstein dafür wurde in der Kolonialzeit gelegt. Britische und niederländische Handelshäuser rodeten in Sumatra und auf der malaiischen Halbinsel den Regenwald für Plantagen und schufen eine Exportwirtschaft, die auf billige Arbeitskraft und tropische Böden setzte.
Nach der Unabhängigkeit übernahmen die jungen Staaten diese Struktur und bauten sie massiv aus. Allein in Indonesien hat sich die Anbaufläche seit 1990 verzehnfacht und bedeckt heute mindestens 14 Millionen Hektar, eine Fläche größer als Griechenland.
Wie mächtig dieser Hebel ist, zeigte das Jahr 2022. Als Indonesien im April den Export vorübergehend stoppte, schossen die Speiseölpreise weltweit nach oben, ein Muster, das an die Getreidekrise beim Weizen erinnert.
Auch der Streit mit Europa ist geopolitisch. Indonesien und Malaysia klagten vor der Welthandelsorganisation gegen die EU, weil diese Palmöl-Biodiesel als besonders entwaldungsintensiv einstuft und zurückdrängt. Der Rohstoff ist damit längst zum diplomatischen Druckmittel geworden.
Warum ist Palmöl für die Weltwirtschaft so wichtig?

Palmöl ist das meistproduzierte und meistgehandelte Pflanzenöl der Erde und damit ein Grundpfeiler der globalen Lebensmittel- und Energieversorgung. Fällt es aus, wird nicht ein Nischenmarkt getroffen, sondern die Grundversorgung von Milliarden Menschen.
Die weltgrößten Abnehmer sind Indien, China und die Europäische Union. Wie empfindlich dieser Markt reagiert, zeigte sich im Frühjahr 2026, als Indiens Palmölimporte binnen eines Monats um 19 Prozent einbrachen, weil die hohen Preise die Raffinerien zum Abwarten zwangen.
Gehandelt wird der Rohstoff vor allem über die Börsen in Kuala Lumpur und den Umschlagplatz Rotterdam, und der Preis wird international in Dollar gestellt. Fast der gesamte Welthandel läuft über den Seeweg aus Südostasien nach Europa und Asien.
Deutschland verbraucht nach Angaben des WWF pro Jahr rund 1,8 Millionen Tonnen und fördert selbst keinen einzigen Tropfen. Diese vollständige Importabhängigkeit macht die deutsche Industrie verwundbar für jede Störung am anderen Ende der Lieferkette.
Der Preis kennt seit Monaten nur eine Richtung. Analysten halten für die zweite Jahreshälfte 2026 Werte von bis zu rund 1.400 Euro je Tonne für möglich, getrieben von der neuen Biodiesel-Nachfrage und dem Wetterphänomen El Niño, das die Ernten bedroht.
In welchen Produkten steckt Palmöl und was verschwindet ohne es?

Palmöl steckt in fast jedem zweiten Supermarktprodukt, von Margarine und Schokolade über Tiefkühlpizza bis zu Seife, Lippenstift und Waschmittel. Die meisten Menschen kennen die Produkte, ahnen aber nichts vom Rohstoff darin.
Der Grund für diese Allgegenwart liegt in den Eigenschaften des Fetts. Das Fett ist bei Zimmertemperatur streichfest, geschmacksneutral, lange haltbar und billig, eine Kombination, die kein anderes Öl in dieser Form bietet.
Überraschend ist, wohin der größte Strom fließt. In Deutschland gehen laut WWF rund 52 Prozent des Palmöls in den Biodiesel-Tank, 35 Prozent in Nahrung und Futter und nur der Rest in die Industrie. Der vermeintliche Supermarkt-Bösewicht landet also mehrheitlich als Kraftstoff im Motor.
Die folgende Übersicht zeigt, in welchen Alltagsprodukten der Rohstoff typischerweise auftaucht.
| Produktgruppe | Beispiel | Funktion des Palmöls |
|---|---|---|
| Brotaufstrich | Margarine, Nuss-Nougat-Creme | Streichfähigkeit ohne Härtung |
| Süßwaren | Schokolade, Kekse, Eiscreme | Schmelz und Haltbarkeit |
| Fertiggerichte | Tiefkühlpizza, Instantnudeln | Frittier- und Backfett |
| Kosmetik | Seife, Shampoo, Lippenstift | Tenside und Konsistenzgeber |
| Haushalt | Waschmittel, Kerzen | Fettbasis und Reinigungswirkung |
| Energie | Biodiesel | Kraftstoffkomponente |
Nicht überall wäre ein Ausfall gleich dramatisch. In vielen Rezepturen lässt sich Palmöl grundsätzlich durch Raps, Kokos oder Sonnenblume ersetzen, wenn auch mit anderer Textur, anderem Preis und höherem Flächenbedarf.
An einer Stelle jedoch kippt die Rechnung. In Produkten, die ein bei Zimmertemperatur festes Fett ohne künstliche Härtung brauchen, etwa in vielen Brotaufstrichen und Backwaren, gibt es kaum einen gleichwertigen und ebenso günstigen Ersatz. Dort träfe ein Lieferstopp die Regale zuerst.
Wie setzt sich der Preis einer Margarine zusammen?

Der Rohstoff Palmöl macht nur einen kleinen Teil dessen aus, was ein Becher Margarine an der Kasse kostet. Den Löwenanteil des Preises bestimmen Herstellung, Verpackung, Handel und Steuer.
Nimmt man einen typischen Becher Margarine, entfällt der größte Einzelblock auf die Handelsmarge des Einzelhändlers. Die reinen Rohstoffkosten für Öle und Fette liegen deutlich darunter, und das Palmöl ist davon wiederum nur ein Bruchteil.
Das erklärt ein Paradox. Selbst wenn sich der Weltmarktpreis für Palmöl verdoppelt, steigt der Regalpreis eines verarbeiteten Lebensmittels oft nur um wenige Cent, weil der Rohstoffanteil so gering ist.
Ganz anders sieht die Rechnung beim Biodiesel aus. Dort ist das Öl der Hauptbestandteil, und jede Preisbewegung am Weltmarkt schlägt fast ungebremst auf die Wirtschaftlichkeit des Kraftstoffs durch. Genau deshalb ist die indonesische Biodiesel-Politik so preistreibend.
Die folgende Aufschlüsselung ist ein Richtwert und zeigt, wie sich der Endpreis eines Bechers Margarine grob verteilt.
Wer verdient an Palmöl und wer zahlt drauf?

Am Palmöl verdienen große Agrarkonzerne, produzierende Staaten und Millionen Kleinbauern, während Verbraucher, Regenwald und indigene Gemeinschaften die Kosten tragen. Die Gewinne und Lasten sind sehr ungleich verteilt.
Auf der Gewinnerseite stehen Handelsriesen wie Wilmar oder Sime Darby und die Regierung Indonesiens, die über eine Exportabgabe kräftig mitverdient. Etwa 40 Prozent der indonesischen Anbaufläche gehört allerdings Kleinbauern, für die das Öl die wichtigste Einnahmequelle ist.
Auf der Verliererseite stehen zuerst die Wälder. Der Anbau hat in Südostasien riesige Regenwaldflächen vernichtet und Arten wie den Orang-Utan an den Rand der Ausrottung gebracht.
Auch Menschen zahlen einen Preis. Um neue Plantagen entstehen immer wieder Landkonflikte mit indigenen Gemeinschaften, und in Importländern wie Indien trifft jeder Preissprung direkt die Ärmsten, für die Speiseöl ein Grundnahrungsmittel ist.
Zugleich hängt die Wirtschaft ganzer Regionen an dieser einen Frucht. Das macht die Produzenten reich, aber auch abhängig, denn jeder Einbruch am Weltmarkt erschüttert sofort ihre Staatshaushalte.
Palmöl ist der stille Weltmarktführer unter den Fetten. Der Streit dreht sich längst nicht mehr ums Essen, sondern um die Frage, ob wir die effizienteste Ölpflanze der Welt verteufeln oder endlich sauber anbauen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie mächtig ist die Palmöl-Lobby?

Die Palmöl-Lobby ist auf beiden Seiten stark, bei den Produzentenstaaten wie bei der europäischen Biokraftstoff-Industrie. Sie prägt Handelsverträge, Subventionen und das öffentliche Bild des Rohstoffs.
In Indonesien bündelt der Verband Gapki die Interessen der Branche, und ein staatlicher Palmöl-Fonds lenkt die Einnahmen aus der Exportabgabe gezielt in die Biodiesel-Förderung. So finanziert der Rohstoff seine eigene Nachfrage.
In Europa tobt parallel ein Kampf um Deutungshoheit. Die Branche vermarktet zertifiziertes Öl als nachhaltige Lösung, während Umweltverbände auf die Grenzen dieser Siegel verweisen.
Wie berechtigt diese Skepsis ist, zeigt eine oft zitierte Studie. Rund 75 Prozent der als nachhaltig zertifizierten Plantagen auf Borneo wurden erst in den vergangenen 30 Jahren aus Wald umgewandelt, auch wenn die Zertifizierung die Entwaldung in intakten Gebieten immerhin um bis zu einem Drittel senkt.
In Deutschland versucht das Forum Nachhaltiges Palmöl, Industrie und Naturschutz an einen Tisch zu bringen. Ob freiwillige Standards genügen oder erst Gesetze wie die EU-Verordnung wirken, bleibt die zentrale Streitfrage.
Wie kommen wir von Palmöl los?

Ein vollständiger Ausstieg aus Palmöl ist weder einfach noch ökologisch eindeutig sinnvoll, weil jede Alternative ihren eigenen Preis hat. Die ehrliche Antwort lautet: besser anbauen statt blind ersetzen.
Der naheliegende Weg wäre der Umstieg auf andere Öle, doch hier lauert eine Falle. Weil die Ölpalme so ertragreich ist, bräuchte man für dieselbe Menge Raps- oder Sojaöl ein Vielfaches an Fläche, was den Druck auf andere Ökosysteme nur verlagert. Ähnlich umkämpft ist die Flächenfrage beim Soja.
Realistischer ist zertifiziertes Öl aus entwaldungsfreiem Anbau. Der Anteil solcher Ware wächst, reicht aber noch längst nicht, um den gesamten Bedarf zu decken.
Spannend ist die Forschung an echten Alternativen. Start-ups arbeiten an Palmöl-Ersatz aus Präzisionsfermentation, bei dem Mikroorganismen ähnliche Fette erzeugen, ganz ohne Plantage. Auch aus altem Speisefett lässt sich Biodiesel gewinnen.
Im Kraftstoffsektor liegt der größte Hebel. Fährt Europa Palmöl im Tank konsequent zurück, sinkt die Nachfrage spürbar, denn Biodiesel ist der eigentliche Großverbraucher, nicht die Küche.
Was bedeutet der Palmöl-Preisschock für Deutschland?

Für Deutschland bedeutet die neue Lage steigende Kosten und einen wachsenden Bürokratieaufwand, ausgelöst durch Indonesiens Biodiesel-Politik und die EU-Entwaldungsverordnung. Beide treffen 2026 zusammen.
Der Auslöser sitzt in Jakarta. Seit dem 1. Juli 2026 muss indonesischer Diesel zur Hälfte aus Palmöl bestehen, wodurch nach Regierungsangaben rund 3,5 Millionen Tonnen zusätzlich im Inland verbrannt statt exportiert werden. Das verknappt das globale Angebot und stützt die Preise.
Für deutsche Verbraucher heißt das teurere Kosmetik, Süßwaren und Kraftstoffe, wenn auch bei Lebensmitteln nur in kleinen Schritten. Bei Unternehmen der Lebensmittel- und Chemiebranche schlägt der Rohstoffpreis dagegen direkt auf die Margen durch.
Dazu kommt ab dem 30. Dezember 2026 die EU-Entwaldungsverordnung. Große und mittlere Importeure müssen dann für jede Charge nachweisen, dass nach 2020 kein Wald gerodet wurde, und zwar bis zur einzelnen Anbaufläche. Kleinere Betriebe haben bis Mitte 2027 Zeit.
Für die kommenden Monate zeichnen sich drei Szenarien ab. Im optimistischen Fall füllen gute Ernten in Malaysia die Lücke, im realistischen bleibt der Preis hoch und volatil, im pessimistischen verschärft El Niño die Knappheit zusätzlich.
Verbrauchern bleibt vor allem der bewusste Blick aufs Etikett und auf Zertifikate, Unternehmen die frühzeitige Absicherung ihrer Lieferketten. Wer die Herkunft seines Öls schon heute lückenlos kennt, steht ab Ende Dezember 2026 klar im Vorteil.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Palmöl

B50-Quote
B50-Quote bezeichnet die indonesische Vorschrift, dass Dieselkraftstoff zur Hälfte aus Palmöl-Biodiesel bestehen muss. Sie gilt seit dem 1. Juli 2026 und erhöht die inländische Palmöl-Nachfrage stark, was das Exportangebot verknappt und die Weltmarktpreise treibt.
Biodiesel
Biodiesel ist ein aus pflanzlichen Ölen gewonnener Kraftstoff, der fossilem Diesel beigemischt wird. Palmöl zählt zu den wichtigsten Rohstoffen dafür und bindet in Deutschland den größten Teil des Verbrauchs, mehr als Lebensmittel und Industrie zusammen.
CPO
CPO steht für Crude Palm Oil, also rohes Palmöl direkt aus der Presse des Fruchtfleischs. Es ist die weltweit gehandelte Grundform, aus der durch Raffination die verschiedenen Lebensmittel- und Industriequalitäten entstehen.
Elaeis guineensis
Elaeis guineensis ist der botanische Name der Afrikanischen Ölpalme. Sie stammt aus Westafrika, wächst nur in den Tropen und liefert mit Abstand den höchsten Ölertrag pro Hektar unter allen Ölpflanzen.
El Niño
El Niño ist ein wiederkehrendes Klimaphänomen mit ungewöhnlich warmem Pazifikwasser. Es bringt Südostasien oft Trockenheit und kann die Palmöl-Ernten mindern, weshalb es 2026 als zusätzlicher Risikofaktor für die Preise gilt.
EUDR
EUDR ist die Kurzform der EU-Entwaldungsverordnung. Sie verlangt ab Ende 2026, dass Rohstoffe wie Palmöl, Soja oder Kakao nachweislich nicht auf nach 2020 gerodeten Flächen erzeugt wurden, samt Herkunftsnachweis bis zum einzelnen Feld.
Kleinbauern
Kleinbauern bewirtschaften kleine Anbauflächen, oft nur wenige Hektar. In Indonesien gehört ihnen rund 40 Prozent der Ölpalmenfläche, was sie zu zentralen, aber wirtschaftlich verwundbaren Akteuren der Lieferkette macht.
Palmkernöl
Palmkernöl wird aus dem harten Kern der Palmfrucht gewonnen, nicht aus dem Fruchtfleisch. Es hat eine andere Fettzusammensetzung als Palmöl und wird vor allem in Kosmetik, Seifen und Süßwaren eingesetzt.
Präzisionsfermentation
Präzisionsfermentation nutzt Mikroorganismen, um gezielt bestimmte Fette oder Öle herzustellen. Start-ups erproben damit einen Palmöl-Ersatz, der ohne Plantagen auskommt, steht aber noch am Anfang der industriellen Nutzung.
Raffination
Raffination bezeichnet die Reinigung und Weiterverarbeitung des rohen Palmöls zu geruchs- und geschmacksneutralen Qualitäten. Erst dadurch wird der Rohstoff für Lebensmittel, Kosmetik und Kraftstoffe verwendbar.
Ressourcenfluch
Ressourcenfluch beschreibt das Phänomen, dass rohstoffreiche Länder oft ärmer oder instabiler bleiben als erwartet. Bei Palmöl zeigt er sich in einseitiger Exportabhängigkeit und der Anfälligkeit ganzer Regionen für Preiseinbrüche.
RSPO
RSPO steht für Roundtable on Sustainable Palm Oil, ein Industriesiegel für nachhaltigeres Palmöl. Es soll Entwaldung begrenzen, steht aber in der Kritik, weil viele zertifizierte Flächen früher selbst Regenwald waren.
FAQ: Palmöl: Der unsichtbare Rohstoff im Supermarktregal

Warum steigt der Palmölpreis 2026 so stark?
Der Preis steigt vor allem, weil Indonesien seit dem 1. Juli 2026 mit der B50-Quote rund 3,5 Millionen Tonnen Palmöl in den eigenen Biodiesel lenkt statt in den Export. Zusätzlich droht das Klimaphänomen El Niño die Ernten in Südostasien zu mindern, was das Angebot weiter verknappt.
In welchen Produkten steckt überall Palmöl?
Palmöl steckt in fast jedem zweiten Supermarktprodukt, von Margarine, Schokolade und Tiefkühlpizza über Seife, Shampoo und Lippenstift bis zu Waschmitteln und Kerzen. In Deutschland fließt der größte Anteil sogar in Biodiesel, nicht in Lebensmittel.
Ist palmölfreies Einkaufen wirklich besser für die Umwelt?
Nicht unbedingt, denn die Ölpalme liefert je Hektar ein Vielfaches an Öl im Vergleich zu Raps oder Soja. Ein pauschaler Umstieg auf andere Öle würde mehr Anbaufläche verschlingen und den Druck auf andere Ökosysteme erhöhen. Sinnvoller ist zertifiziert entwaldungsfreies Palmöl.
Woher bezieht Deutschland sein Palmöl?
Deutschland fördert kein eigenes Palmöl und importiert jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen, überwiegend aus Indonesien und Malaysia. Diese vollständige Importabhängigkeit macht die Industrie anfällig für Preisschocks und Lieferstörungen.
Was ändert die EU-Entwaldungsverordnung für Palmöl?
Ab dem 30. Dezember 2026 müssen große und mittlere Importeure nachweisen, dass ihr Palmöl nicht auf nach 2020 gerodeten Flächen erzeugt wurde, samt Herkunftsnachweis bis zum einzelnen Feld. Kleinere Betriebe haben bis Mitte 2027 Zeit. Der Aufwand für die Lieferkettenprüfung ist erheblich.
Warum ist Palmöl so schwer zu ersetzen?
Palmöl ist bei Zimmertemperatur streichfest, geschmacksneutral, lange haltbar und sehr günstig, eine Kombination, die kein anderes Öl in dieser Form bietet. Vor allem in streichfesten Aufstrichen und Backwaren fehlt ein gleichwertiger Ersatz ohne künstliche Fetthärtung.
Quellen
WWF Deutschland | Palmöl: einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt | https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel | besucht am 22.07.2026
Indonesia Investments | Energy Self-Sufficiency: Indonesia to Impose B50 Biodiesel Stage on 1 July 2026 | https://www.indonesia-investments.com/news/todays-headlines/energy-self-sufficiency-indonesia-to-impose-b50-biodiesel-stage-on-1-july-2026/item9939 | besucht am 22.07.2026
Europäische Kommission | Regulation on deforestation-free products | https://environment.ec.europa.eu/topics/forests/deforestation/regulation-deforestation-free-products_en | besucht am 22.07.2026
Trading Economics | Palm Oil Price | https://tradingeconomics.com/commodity/palm-oil | besucht am 22.07.2026
History of Food (SODI) | Ölpalme: Globalgeschichte, Versklavung, Kolonialismus | https://historyoffood.sodi.de/oelpalme/ | besucht am 22.07.2026
Greenpeace | Palmöl: Regenwaldzerstörung für Rohstoffe | https://www.greenpeace.de/biodiversitaet/waelder/waelder-erde/raubbau-palmoel | besucht am 22.07.2026
Forum Nachhaltiges Palmöl | Opportunities and Challenges | https://forumpalmoel.org/en/opportunities-and-challenges/ | besucht am 22.07.2026