Die Bundesregierung hat mit der Modernisierungsagenda im vergangenen Jahr ein zentrales Reformpaket aufgesetzt. Ziel ist der systematische Abbau von Bürokratie in den Bundesbehörden. Im März 2026 hat der NKR-Vorsitzende Lutz Goebel im Handelsblatt eine erste Zwischenbilanz gezogen, da der erste Umsetzungszyklus zeitgleich zu Ende gegangen ist.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWas die Zwischenbilanz konkret zeigt

Bürokratieabbau und Staatsmodernisierung stehen laut NKR ganz oben auf der politischen Agenda. Bei der praktischen Umsetzung hapert es jedoch. Goebel hat im Interview konkret benannt, dass die Modernisierungsmechanismen zwar greifen, die Geschwindigkeit aber nicht ausreicht, um die wirtschaftspolitisch dringend nötige Entlastung zu erzielen.
Am 16. März 2026 hat der NKR drei weitere Beispiele in das Maßnahmenpaket für Bürokratieabbau aufgenommen. Solche Erweiterungen erfolgen kontinuierlich und basieren auf Hinweisen aus Wirtschaft und Verwaltung. Bereits Ende Januar 2026 hat BILD-Reporter Paul Ronzheimer die Reportage „Wie geht’s Deutschland? Bürokratie-Wahnsinn“ ausgestrahlt, in der die stellvertretende NKR-Vorsitzende Prof. Dr. Sabine Kuhlmann Stellung bezogen hat.
Bürokratie als Standort-Bremsklotz

Die ifo-Expertenbefragung weist Bürokratie als stärksten negativen Einflussfaktor auf den Wirtschaftsstandort Deutschland aus. Drei Punkte machen für KMU 2026 den Unterschied:
- Genehmigungsverfahren bleiben langsam, auch in Bereichen mit ausdrücklichem Beschleunigungsversprechen.
- Berichtspflichten aus EU-Recht überlagern sich mit nationalen Vorgaben.
- Digitale Antragsverfahren existieren nur fragmentarisch, das Onlinezugangsgesetz gilt als gescheitert.
Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand liegt im Mai 2026 deutlich im negativen Bereich. Rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen plant, Investitionen zurückzufahren. Diese Zurückhaltung ist nicht allein konjunkturell, sondern auch Resultat regulatorischer Unsicherheit.
Was der zweite Zyklus bringen muss

Der zweite Umsetzungszyklus der Modernisierungsagenda hat im April 2026 begonnen. Der NKR hat drei Hebel als entscheidend identifiziert: Skalierung erprobter Instrumente wie KMU-Test und Digitalcheck, Einsatz von KI in der Folgenabschätzung und systematische Überprüfung bestehender Vorschriften, nicht nur neuer Gesetze.
Der politische Wille ist da. Was fehlt, ist die strukturelle Konsequenz, mit der die Reformen in den Ressorts umgesetzt werden“, so Lutz Goebel, NKR-Vorsitzender.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Für Entscheider in mittelständischen Unternehmen bedeutet der zweite Zyklus: Beobachten, welche Branchen-Themen konkret angegangen werden. Wer sich aktiv in Konsultationsprozesse einbringt, hat Chancen, Erleichterungen für die eigene Branche zu sichern.
Fazit für Entscheider

Die NKR-Zwischenbilanz ist ein klares Signal: 2026 wird zum Lackmustest dafür, ob Bürokratieabbau in Deutschland strukturell wirksam wird. Für Unternehmer lohnt sich aktive Einmischung in die Konsultationen mehr als das Warten auf Top-down-Reformen.
Wer als Unternehmer auf spürbare Entlastung wartet, wartet weiter. Wer mitgestaltet, kann zumindest dafür sorgen, dass die nächsten Reformen die richtigen Themen treffen“, so Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web