Der Speicher ist zum teuersten Engpass der KI-Rechenzentren geworden. Ausgerechnet ein Zulieferer aus Shanghai liefert dagegen den passenden Chip: Montage bringt seinen CXL-Speicherchip in die Serienfertigung, Samsung und SK Hynix haben ihn schon in ihre nächste Modulgeneration übernommen. Für Rechenzentren in Europa entscheidet diese Technik künftig mit, wie teuer eine Stunde KI-Rechenleistung wird.

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Ein CXL-Speicherchip klingt nach Nischentechnik, steckt aber im Zentrum der teuersten Frage jedes KI-Rechenzentrums: Woher kommt genug Arbeitsspeicher, ohne die Kosten in die Höhe zu treiben? Der chinesische Interconnect-Spezialist Montage Technology hat auf seiner Halbjahresbilanz bestätigt, dass sein Chip genau dafür bei den zwei größten Speicherherstellern der Welt gelandet ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Montage bringt als erster Anbieter einen CXL-3.2-Speichererweiterungschip (MXC) in die Serienfertigung, Samsung und SK Hynix haben ihn validiert.
  • Der Chip löst den Speicherengpass in KI-Servern, indem er zusätzlichen DDR5-Speicher über PCIe 6.x an den Prozessor koppelt, mit bis zu 64 GT/s.
  • Im ersten Halbjahr 2026 stieg Montages Umsatz auf 427 Millionen Euro, ein Plus von 26,6 Prozent, fast vollständig getragen von Interconnect-Chips.
  • Für europäische Rechenzentren senkt CXL die Kosten pro KI-Rechenschritt, bringt aber einen weiteren China-Baustein in die Lieferkette.

Warum hängt die KI am Speicher, nicht nur an der Rechenleistung?

DDR5-Module und eine winzige Bauarbeiterfigur bilden ein goldenes Pluszeichen
CXL-Standard erweitert Speicherkapazität von KI-Servern über PCIe-Schnittstelle, ohne Prozessor-Limitierungen

Große Sprachmodelle scheitern im Betrieb seltener an der reinen Rechenleistung als am Speicher. Jeder Serverprozessor kann nur eine begrenzte Zahl an Speichermodulen ansteuern, während ein einzelnes KI-Modell hunderte Gigabyte Arbeitsspeicher verlangt. Genau diese Wand durchbricht Compute Express Link, kurz CXL: Der Standard koppelt zusätzlichen Speicher über die PCIe-Schnittstelle direkt an den Prozessor, als säße er auf dem Board.

Montages Baustein dafür heißt Memory eXpander Controller. Der neue MXC nach CXL 3.2 überträgt über PCIe 6.x bis zu 64 Gigatransfers pro Sekunde und steuert zwei DDR5-Kanäle mit bis zu 8000 MT/s an.[1] Für Betreiber heißt das: Speicherkapazität lässt sich vom Prozessorsockel entkoppeln und dorthin legen, wo sie am günstigsten ist.

Warum kaufen Samsung und SK Hynix bei einem China-Zulieferer?

Montage ist kein Neuling, sondern einer von nur drei Anbietern weltweit, die den Taktpuffer (RCD) für DDR5-Server-Speicher liefern, neben Rambus und Renesas. Dieses Oligopol sitzt in nahezu jedem Server-Speichermodul. Die neuen Linien aus MXC, PCIe-Retimer und MRCD sind der Wachstumstreiber: Im ersten Quartal legten sie zusammen um 93,8 Prozent auf rund 34 Millionen Euro zu. Im Halbjahr trugen Interconnect-Chips 398 Millionen Euro und damit gut 93 Prozent des Umsatzes von 427 Millionen Euro.[2]

Diese Konstellation dreht die gängige Erzählung um. Während Zeiss Chinas Fortschritt bei der EUV-Belichtung auf den Stand von 2004 datiert, sitzt bei den Interconnect-Chips ein Zulieferer aus Shanghai an der Spitze und verkauft an die koreanischen Speicherkonzerne, statt abgeschottet zu werden. Dass Samsung und SK Hynix den Chip bereits validiert haben, bestätigen beide Seiten, nicht nur eine staatsnahe Meldung.

Beim Arbeitsspeicher der KI führt der Weg nach Korea über einen Chip aus Shanghai. Viele denken Lieferketten nur bis zur Fertigung, dabei liefert China längst das Nervensystem der Server mit.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Rechenzentren in Europa?

Für Rechenzentren in Europa senkt CXL vor allem die Kosten pro KI-Rechenschritt. Zusätzlicher Arbeitsspeicher verlangt keinen kompletten Servertausch mehr, sondern läuft über CXL-Module an bestehenden Plattformen von Intel Xeon oder AMD Epyc. Genau diesen Hebel suchen Betreiber, die wie Infineon und Skeleton an der Versorgung der KI-Rechenzentren arbeiten.

Der Haken ist die Herkunft. Der Controller kommt jetzt von einem börsennotierten China-Zulieferer und steckt im koreanischen DRAM, mit denselben Fragen nach Exportkontrollen und US-Sanktionslisten wie bei anderen China-Bausteinen. Entscheider sollten zweierlei klären: ob CXL-Speichererweiterung auf der 2027er-Roadmap ihrer Hardware- und Cloud-Anbieter steht und ob die Speicher-Lieferkette als Resilienzfrage behandelt wird, nicht nur als Preisfrage. Wie schnell dieser Markt sich verschiebt, zeigt Nvidias Griff nach Hugging Face ebenso wie Chinas Ausbau eigener Fabriken bei Hua Hong in Wuxi.

Montage: der CXL-Speicherchip in Zahlen

Halbjahr 2026, alle Beträge in Euro zum Tageskurs vom 4. September 2026 (1 Yuan rund 0,128 Euro).

427 Mio. €
Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 26,6 Prozent
398 Mio. €
davon Interconnect-Chips, rund 93 Prozent des Umsatzes
2
Speicherriesen mit Design-in: Samsung und SK Hynix haben den Chip validiert
64 GT/s
Datenrate des CXL-3.2-Chips über PCIe 6.x, dazu zwei DDR5-Kanäle

Quellen

[1] Montage Technology: „Montage Technology Announces Industry-First Trial Production of CXL 3.2 MXC Chip“

[2] Montage Technology, Halbjahresbericht 2026 (Veröffentlichung über die Shanghai Stock Exchange): Freiwillige Ergebnismitteilung zum ersten Halbjahr 2026

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