Bislang konnten sich Unternehmen kaum wehren, wenn Googles AI Overviews falsche Tatsachen über sie verbreiteten. Genau das ändert ein frisches Urteil des Landgerichts München I, das die KI-Antworten rechtlich Google selbst zuschreibt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKommt Ihnen das Thema bekannt vor? Dann lohnt der Blick auf eine Begründung, die für jede Marke im deutschsprachigen Raum Folgen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Landgericht München I stuft Google als unmittelbaren Störer ein und macht den Konzern für falsche AI-Overview-Aussagen haftbar (Az. 26 O 869/26).
- Die Richter werten die KI-Übersicht als eigenständige Äußerung von Google, nicht als bloßen Verweis auf fremde Inhalte.
- Für betroffene Firmen gilt damit das normale Äußerungsrecht mit Unterlassungs- und Richtigstellungsansprüchen.
- Das Urteil betrifft jeden, der im deutschsprachigen Raum von KI-Suchantworten falsch beschrieben wird.
Warum gilt Google plötzlich als Urheber?

Zwei Münchner Verlage hatten geklagt, weil die KI-Übersicht ihnen die dubiosen Machenschaften anderer Firmen zuordnete. Das Gericht sah darin keine simple Trefferliste, sondern eine eigene Aussage des Konzerns.
In der Begründung heißt es, die KI-Funktion erzeuge „einen zusammenhängenden Fließtext, der mehrere Quellen auswertet und zu einer eigenständigen Antwort zusammenfasst“, während klassische Treffer nur indexierte Inhalte Dritter zeigten. Selbst der Hinweis „mit KI erstellt“ ändert nach Ansicht der Richter nichts an dieser Zurechnung. Wie generative Suchsysteme fremde Quellen zu eigenen Aussagen verschmelzen, ordnet unser Überblick zu Generative Engine Optimization ein.
Ein Muster, kein Einzelfall

Eine Analyse des KI-Start-ups Oumi für die New York Times kam zu dem Ergebnis, dass Googles AI Overviews mit dem Gemini-3-Modell in 91 Prozent der Fälle korrekt antworten. Bei der Masse an Suchanfragen bleiben damit rechnerisch Millionen falscher Antworten pro Stunde.
Der Fall reiht sich in eine längere Serie ein. Studien zeigen bereits, dass AI Overviews die Klickrate halbieren, und Daten zur sinkenden Reichweite klassischer Suchergebnisse belegen, wie stark die KI-Antwort die Aufmerksamkeit bündelt. Aus einer Panne wird so ein strukturelles Haftungsrisiko.
Was deutsche Unternehmen jetzt tun sollten

Prüfen Sie regelmäßig, wie Ihre Marke in den AI Overviews und im Google AI Mode auftaucht. Dokumentieren Sie falsche Aussagen mit Screenshot und Zeitstempel, denn diese Belege tragen einen späteren Unterlassungsanspruch.
Falls die KI personenbezogene Daten verdreht, greifen zusätzlich die Vorgaben der DSGVO. Holen Sie bei handfesten Falschbehauptungen früh anwaltlichen Rat ein, statt auf eine freiwillige Korrektur durch Google zu hoffen.
Das Urteil nimmt Google die bequeme Rolle des bloßen Boten. Eine Maschine, die Antworten formuliert, macht ihren Betreiber für deren Wahrheitsgehalt verantwortlich.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Für Suchmaschinen verschiebt sich damit die Beweislast spürbar. Das Landgericht München I hat einen Maßstab gesetzt, an dem sich weitere Verfahren orientieren dürften.
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