Envea Process GmbH stellt den Betrieb am Standort Schliengen zum Ende Januar 2027 ein, wie die Badische Zeitung berichtete. Rund 50 Stellen fallen weg, die Konzernmutter begründet den Schritt mit einer Neuausrichtung der europäischen Standorte. Hinter dem Messtechnik-Spezialisten aus dem Landkreis Lörrach steht seit 2020 mehrheitlich der US-Finanzinvestor Carlyle.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Standort: Envea Process GmbH in Schliengen, Gutedelstraße 31, schließt zum Ende Januar 2027.
  • Jobs: Rund 50 Arbeitsplätze fallen weg.
  • Begründung: Der Konzern spricht von einer Neuausrichtung der europäischen Standorte.
  • Eigentümer: Envea gehört seit Oktober 2016 zum französischen Envea-Konzern mit Sitz in Poissy, an dem seit 2020 die US-Beteiligungsgesellschaft Carlyle Group die Mehrheit hält.
  • Geschichte: Der Standort startete 1994 als SWR engineering Messtechnik GmbH, bevor Envea das Unternehmen 2016 übernahm und in Envea Process GmbH umbenannte.

Warum begründet Envea die Schließung mit einer Neuausrichtung?

Illustration eines blauen Metallsteckers mit Kabel und Schild mit Aufschrift
Envea Process stellt in Schliengen Feststoffmessgeräte für Zement-, Chemie-, Stahl- und Lebensmittelindustrie her

Envea Process entwickelt und produziert in Schliengen Feststoffmessgeräte: Sensoren für Mengenmessung, Materialflussüberwachung, Feuchte- und Staubmessung, die in der Zement-, Chemie-, Stahl- und Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommen. Der französische Mutterkonzern beschäftigt laut eigenen Unternehmensangaben konzernweit über 1.300 Vollzeitkräfte in Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, den USA, Indien und China.

Zur konkreten Standortlogik hinter der Schließung äußert sich Envea bislang nicht über die allgemeine Formel der Neuausrichtung hinaus. Weder zu einer Verlagerung der Produktion noch zu einem Sozialplan oder einer Transfergesellschaft für die Belegschaft in Schliengen liegen öffentliche Angaben vor.

Wer steckt hinter Envea, und welche Rolle spielt Carlyle?

Seit 2020 hält die Carlyle Group mit Sitz in Washington die Mehrheit am französischen Envea-Konzern. Carlyle zählt zu den größten Private-Equity-Gesellschaften der Welt und hat in den vergangenen Jahren wiederholt in Umweltmesstechnik und Industrieausrüster investiert.

Für den Standort Schliengen bedeutet die Eigentümerstruktur einen doppelten Abstand zur Entscheidung. Die operative Führung sitzt in Frankreich, die Kapitalseite in den USA. Standortentscheidungen im Landkreis Lörrach fallen damit außerhalb jeder lokalen oder auch nationalen Einflussnahme.

Eine Kapitalgesellschaft aus Washington entscheidet über Schliengen, nicht die Nachfrage vor Ort. Genau das ist die neue Realität für viele Weltmarktführer im ländlichen Baden-Württemberg, die längst nicht mehr sich selbst gehören.“

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das Ende für Schliengen und die Beschäftigten?

Rund 50 Stellen sind nach Angaben der Badischen Zeitung betroffen, ein Wert, der sich mit den zuletzt gemeldeten Mitarbeiterzahlen des Unternehmens deckt. Bis zur Schließung Ende Januar 2027 bleiben den Beschäftigten gut sieben Monate.

Für die Gemeinde Schliengen ist Envea Process kein Großarbeitgeber im Sinne einer Monostruktur, dennoch schmerzt der Verlust eines forschungsnahen Industriebetriebs im ländlichen Raum zwischen Freiburg und Basel besonders. Wie sich ein einzelner Werksverlust regional multipliziert, hat die Redaktion in einer eigenen Analyse bereits eingeordnet.

Envea selbst betreibt in Deutschland weitere Standorte, darunter Karlsfeld bei München für Quecksilbermesstechnik. Ob Aufgaben aus Schliengen dorthin oder ins Ausland verlagert werden, ist bislang nicht bekannt.

Der Fall reiht sich in ein größeres Muster ein. Allein in den energieintensiven Industriezweigen ist die Beschäftigung nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft binnen weniger Jahre um rund 53.000 Stellen geschrumpft, wie die Redaktion in der Analyse zur Deindustrialisierung bereits aufgearbeitet hat, und 44 Prozent der Industriebetriebe planen für das laufende Jahr weiteren Stellenabbau. Envea Process zählt zwar nicht zu den energieintensiven Branchen, doch das Grundmuster gleicht sich: Internationale Konzernmütter trennen sich von kleineren deutschen Standorten, sobald die Kapitalseite eine europaweite Bündelung verlangt.

Quellen

  • Badische Zeitung – Envea schließt Werk in Schliengen – knapp 50 Jobs fallen weg – https://www.badische-zeitung.de/envea-schliesst-werk-in-schliengen-knapp-50-jobs-fallen-weg – besucht am 07.07.2026
  • ENVEA – Unternehmensprofil ENVEA Deutschland – https://www.envea.global/de/envea-deutschland/ – besucht am 07.07.2026
  • Creditreform – Firmenauskunft ENVEA Process GmbH (Amtsgericht Freiburg, HRB 300479) – https://firmeneintrag.creditreform.de/79418/7010142177/ENVEA_PROCESS_GMBH – besucht am 07.07.2026

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