Der einmalige Erfüllungsaufwand in der NKR-Berichtsperiode 2022/2023 hat einen Rekordwert von 23,7 Milliarden Euro erreicht. Damit liegt der Wert so hoch wie nie zuvor seit Beginn der systematischen Messung. Im Vergleich zur Vorperiode bedeutet das einen Sprung um 9,3 Milliarden Euro, etwa 54 Prozent. Der zentrale Treiber des Anstiegs ist das Gebäudeenergiegesetz, umgangssprachlich Heizungsgesetz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWas Erfüllungsaufwand konkret meint

Der Nationale Normenkontrollrat berechnet jedes Jahr, welche Bürokratielasten neue Gesetze und Vorschriften für Bürger, Unternehmen und Verwaltung erzeugen. Unterschieden wird zwischen laufendem Erfüllungsaufwand und dem einmaligen Umstellungsaufwand. Beide Größen werden in Euro ausgewiesen und ermöglichen einen objektiven Blick auf die Belastungslandschaft.
Der Sprung von 2022 auf 2023 markiert den höchsten Zuwachs seit Beginn der Messreihe. Konkret heißt das: Allein die in diesem einen Jahr neu eingeführten Vorschriften belasten die deutsche Volkswirtschaft mit 23,7 Milliarden Euro einmalig zusätzlich.
Was hinter dem Sprung steckt

Das Gebäudeenergiegesetz hat den Großteil des Anstiegs verursacht. Hinzu kommen weitere energie- und klimapolitische Regelungen, etwa zur Berichtspflicht für Wärmenetze und zur kommunalen Wärmeplanung. Für viele KMU bedeutet das konkret:
- Pflicht zur Dokumentation von Heizungsanlagen und Sanierungsmaßnahmen.
- Erweiterte Berichtspflichten in der Bauwirtschaft.
- Höhere Anforderungen an Energieaudits und energetische Modernisierungen.
Welche Branchen besonders getroffen sind

Die Bauwirtschaft trägt einen großen Teil des Mehraufwands. Auch das Handwerk sowie kleine und mittlere Wohnungsverwaltungen sind stark betroffen. Hinzu kommen Energieberater, die plötzlich höhere Dokumentationspflichten erfüllen müssen, und Immobilienverwalter, die Eigentümer durch komplexere Anträge führen.
Der Mittelstand zahlt überproportional. Großunternehmen können den Aufwand durch Skaleneffekte und spezialisierte Compliance-Abteilungen besser abfedern. Bei KMU dagegen landet die Belastung direkt beim Geschäftsführer oder einer Person aus der Verwaltung, die dann andere Aufgaben weniger intensiv betreiben kann.
Wenn ein einzelnes Gesetz die Bürokratiebilanz um 54 Prozent nach oben treibt, ist das kein Betriebsunfall, sondern ein systemisches Problem“, so Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Ausblick: Wo Entlastung möglich ist

Der NKR hat in seiner Modernisierungsagenda angekündigt, retrospektiv auch bestehende Vorschriften zu prüfen. Das Gebäudeenergiegesetz steht dabei explizit auf der Liste. Ob die Reform tatsächlich zu spürbarer Entlastung führt, hängt davon ab, wie konsequent die Bundesressorts die KI-gestützte Methodik anwenden. Unternehmer sollten branchenspezifische Belastungen aktiv in die Konsultationen einbringen.