Aroundtown lässt elf Start-ups vier Monate lang an einem Gebäudebestand arbeiten, der zusammen mit den Partnern über 400 Milliarden Euro wert ist. Knapp ist in dieser Branche längst nicht mehr das Kapital, sondern der Zugang zu echten Häusern.

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Elf Start-ups und vier Monate an einem Portfolio jenseits von 400 Milliarden Euro: Mit diesen Eckdaten hat AtechX, die Innovationsplattform des Immobilienkonzerns Aroundtown, am 20. Juli 2026 seine vierte Kohorte gestartet.[1] Erprobt werden die Technologien nicht im Labor, sondern in vermieteten Bestandsgebäuden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Elf internationale Start-ups arbeiten vier Monate lang mit Bestandshaltern der Immobilienwirtschaft zusammen
  • Zum Partnernetz gehören unter anderem Aroundtown, Vonovia, LEG Immobilien, Apleona, Prologis und Schwarz Digits
  • Die Themen reichen von energetischer Sanierung über Wärmepumpen und Batteriespeicher bis zu KI-gestützter Verwaltung und Baustellenrobotik
  • Die zweite Kohorte hat fünf Start-ups umfasst, die vierte mehr als doppelt so viele

Warum Gebäude die knappere Währung sind als Geld

Mann hält Schlüsselbund mit zwei Anhängern („400 Mrd. €“) und Froschfigur vor weißem Hintergrund
Wagniskapitalfonds mit 3 Milliarden Euro Vermögen finanzieren Gebäudetechnologien. Diese scheitern nicht an Geldmangel, sondern weil sie in bewohnten Häusern getestet werden müssen

Die am Programm beteiligten Wagniskapitalfonds verwalten zusammen rund 3 Milliarden Euro. Kapital ist also reichlich vorhanden. Woran junge Gebäudetechnologien tatsächlich scheitern, ist etwas anderes.

Eine CO₂-Wärmepumpe, ein Batteriespeicher oder ein KI-Werkzeug für die Objektverwaltung lässt sich auf dem Prüfstand nicht seriös validieren. Dafür braucht es bewohnte Häuser, reale Zählerdaten, echte Mieter und den ganz normalen Genehmigungsweg.

Genau das ist die eigentliche Gegenleistung im Programm: Zugang statt Scheck. Dieses Muster kennt die Industrie bereits aus der Dekarbonisierung von Werken, wo E.ON und Leadec Fabriken ohne Eigenkapital der Betreiber umrüsten.

Welche Frist treibt den Andrang?

Die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie EPBD war bis zum 29. Mai 2026 in nationales Recht zu überführen. Die Richtlinie verlangt, den Primärenergieverbrauch des gesamten Wohngebäudebestands bis 2030 um mindestens 16 Prozent gegenüber 2020 zu senken.[2]

Entscheidend ist die Konstruktion dieser Pflicht. Für einzelne Wohngebäude schreibt die Richtlinie keine Sanierung vor, den Nachweis führen die Mitgliedstaaten über den Gesamtbestand. Der Druck landet damit dort, wo die großen Zahlen liegen, also bei den Portfoliohaltern aus genau dieser Partnerliste.

Wie zäh das im Alltag wird, zeigt ein Blick auf Vonovia: Der Konzern gehört zum Netzwerk und hat gleichzeitig Speicher an Balkonkraftwerken unter Verweis auf den Brandschutz untersagt. Zwischen Klimaziel und Hausordnung liegen viele solcher Detailfragen.

Zugang statt Kapital: die vierte AtechX-Kohorte in Zahlen

Elf Start-ups erproben Sanierungs- und Verwaltungstechnik in bewohnten Gebäuden, während die EU-Gebäuderichtlinie den Bestandshaltern eine Bestandsquote vorgibt.

11
internationale Start-ups in der vierten Kohorte
4
Monate Laufzeit des Programms
400 Mrd. €
Immobilienwert im Partnernetz als Testfeld
3 Mrd. €
verwaltetes Kapital der beteiligten Wagniskapitalfonds
16 %
weniger Primärenergie im Wohngebäudebestand bis 2030 gegenüber 2020

Warum der Stichtag 29. Mai 2026 zählt

Bis zu diesem Datum war die überarbeitete EU-Gebäuderichtlinie in nationales Recht zu überführen. Einzelne Wohngebäude trifft keine Sanierungspflicht, den Nachweis führen die Mitgliedstaaten über den gesamten Bestand. Das verlagert den Druck auf die großen Portfoliohalter.

Der Gebäudebestand ist die einzige Infrastruktur, die sich nicht durch mehr Geld beschleunigen lässt. Deshalb verschenken Konzerne jetzt Zugang, nicht Kapital.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Von fünf auf elf: Was das Muster verrät

Die zweite AtechX-Kohorte hat noch fünf Start-ups umfasst. Die Verdopplung innerhalb weniger Programmrunden folgt derselben Logik wie die Zukäufe der Bausoftware-Branche, etwa als sich Nemetschek für 2,1 Milliarden Euro auf die Baustelle gekauft hat.

Der Bestand rückt in den Mittelpunkt, nicht der Neubau. Dieselbe Verschiebung zeigt sich bei der Förderung für die Umwandlung leerer Büros in Wohnungen und in der Kostenrechnung ganzer Quartiere, wie sie das Beispiel Schwammstadt vorführt.

Für Entscheider im Mittelstand mit eigenen Liegenschaften folgen daraus zwei nüchterne Aufgaben. Prüfen Sie, ob Ihr Gebäudebestand in der nationalen EPBD-Umsetzung als Nichtwohngebäude unter die Mindeststandards fällt. Und klären Sie früh, wer die Sanierung vorfinanziert, denn die Handwerkskapazität dafür ist knapp und im SHK-Handwerk längst zum Engpass geworden.

Quellen

[1] AtechX (Aroundtown): „PropTech Accelerator for Real Estate Startups“

[2] Amtsblatt der Europäischen Union: Richtlinie (EU) 2024/1275 über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

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