Die Wasserzeichen-Pflicht für KI-Inhalte nimmt Form an. Am 8. Mai 2026 hat die EU-Kommission die öffentliche Konsultation zum Entwurf der Transparenz-Leitlinien nach Artikel 50 des AI Act eröffnet. Bis 3. Juni 2026 können Anbieter, Verbände und Behörden Stellung nehmen. Ab 2. August greifen die ersten Verpflichtungen, Bestandssysteme haben bis 2. Dezember Zeit.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Konsultation seit 8. Mai 2026 offen, Frist endet am 3. Juni
- Neue KI-Systeme liefern ab 2. August 2026 maschinenlesbare Markierungen, Bestandssysteme bis 2. Dezember 2026
- Verstöße kosten bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent vom weltweiten Jahresumsatz
- Ausnahmen gelten für Kunst, Satire und private Nutzung, nicht für Verwaltungen mit Chatbot-Einsatz
Was ändert sich konkret für Anbieter?

Artikel 50 des AI Act verpflichtet Anbieter generativer KI in vier Punkten. Chatbots geben sich künftig als nicht-menschlich zu erkennen, synthetische Bilder, Videos und Texte tragen eine maschinenlesbare Markierung, Anbieter von Emotionserkennung informieren betroffene Personen aktiv, und Deepfakes mit öffentlicher Relevanz brauchen eine sichtbare Kennzeichnung. Reine Hilfsfunktionen wie Rechtschreibprüfungen bleiben außen vor.
Die technische Umsetzung wird in Brüssel parallel über einen freiwilligen Verhaltenskodex geregelt. Der Entwurf empfiehlt für Bilder, Audio und Video den offenen Standard C2PA, für KI-generierte Texte statistische Wasserzeichen, die maschinell erkennbar bleiben, ohne den Lesefluss zu stören. Die finale Kodexfassung erscheint laut Kommission im zweiten Quartal 2026.
Ab Dezember 2026 müssen auch ältere KI-Systeme nachträglich markiert werden. Auch kleinere Anbieter mit eigenem Chatbot fallen unter diese Regel.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Spielräume bietet der Entwurf?

Drei Punkte werfen für deutsche Anbieter offene Fragen auf. Die Definition „durchschnittlich informierter Personen“ entscheidet darüber, wann ein Chatbot sich nicht extra kennzeichnen muss. Die technischen Anforderungen an Robustheit gegen Komprimierung und Bearbeitung sind im Entwurf nur grob skizziert. Und die Rolle von GPAI-Modellanbietern gegenüber nachgelagerten Betreibern bleibt im Detail unklar.
Genau hier setzt die Konsultation an. Anbieter mit Sitz in Deutschland sollten die Frist bis zum 3. Juni nutzen, um eigene Implementierungsfragen einzubringen. Der finale Leitlinientext wird im zweiten Quartal veröffentlicht, danach bleibt nur noch eine kurze Vorbereitungsspanne bis August.
Was deutsche Anbieter jetzt prüfen sollten

Drei Felder verdienen die meiste Aufmerksamkeit. Welche KI-Systeme erzeugen aktuell Inhalte, die unter Artikel 50 fallen? Wo liegen die Schnittstellen, an denen sich C2PA-Metadaten oder statistische Wasserzeichen technisch integrieren lassen? Und welche Anbieter in der Lieferkette arbeiten bereits mit GPAI-Modellen?
Die EU-Konsultation ist auch eine Standortbestimmung. Anbieter mit belastbaren Antworten bis zum 3. Juni gewinnen Verhandlungsspielraum beim finalen Kodex. Die offizielle Konsultationsseite der Kommission sammelt Stellungnahmen ab sofort.
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