Der US-Finanzinvestor Warburg Pincus übernimmt PSI Software, einen führenden Anbieter von Leitsoftware für Stromnetze und Industrieanlagen, und nimmt das Berliner Unternehmen von der Börse. Der Energiekonzern E.ON bleibt als Ankerinvestor an Bord. Damit rückt eine Frage nach vorn, die Entscheider zu selten stellen: Wem gehört die Software, die kritische Infrastruktur steuert?
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenPSI Software steuert Netze, an denen Millionen Haushalte hängen, und bekommt gerade einen neuen Eigentümer. Für 45 Euro je Aktie und rund 702 Millionen Euro übernimmt Warburg Pincus den Berliner Softwarehersteller.[1] Hinter dem nüchternen Übernahmevorgang steckt eine strategische Weichenstellung für die Energiewende.
Das Wichtigste in Kürze
- Warburg Pincus zahlt 45 Euro je Aktie, rund 702 Millionen Euro, und nimmt PSI Software von der Börse.
- E.ON hält weiter 17,77 Prozent und sichert sich per Rahmenvereinbarung Einfluss; der Gruppe zugerechnet werden 76,56 Prozent der Stimmrechte.
- PSI liefert Leitsysteme für Strom, Gas, Wärme und Industrie und zählt damit zur kritischen Infrastruktur.
- Ein Ransomware-Angriff hat PSI im Frühjahr 2024 selbst lahmgelegt.
Was reizt einen Finanzinvestor an PSI Software?

Vom Werkzeug zum Nadelöhr: PSI baut Software, mit der Netzbetreiber und Industriebetriebe ihre Anlagen steuern und optimieren, von den Lastflüssen bis zum Redispatch. Je erneuerbarer und dezentraler die Netze werden, desto stärker hängt ihre Stabilität an genau dieser Leittechnik.
Kapital für den langen Atem: Warburg Pincus setzt auf cloudbasierte Software mit industrieller KI und nimmt PSI von der Börse, um fern vom Quartalsdruck zu investieren. „Die Partnerschaft liefert die Erfahrung, die Finanzkraft und die operative Unterstützung, um unsere Wachstumsstrategie zu beschleunigen“, sagt PSI-Vorstandschef Robert Klaffus.
E.ON zieht mit: Als größter Kunde und zweitgrößter Aktionär verkauft E.ON nicht, sondern bleibt strategischer Investor und bindet PSI per Rahmenvereinbarung enger an sich.[1] Der Zeitpunkt passt, denn der Netzausbau verschlingt Milliarden, und die Steuerungssoftware sitzt an einer Schlüsselstelle.
Warum die Steuerungssoftware zum strategischen Gut wird
Ein einziger Angriffspunkt: Wie verletzlich ein solcher Lieferant ist, hat PSI am eigenen Leib erlebt. Anfang 2024 hat die Ransomware-Gruppe Hunters International die interne IT lahmgelegt; die Kundensysteme sind nach Unternehmensangaben unberührt geblieben. Ein Softwarehaus für kritische Infrastruktur gehört damit selbst zur Angriffsfläche, ähnlich wie bei jüngeren Lücken in Sicherheitsprodukten.
Kontrolle als Hebel: Das 500-Milliarden-Paket für die Infrastruktur erhöht den Einsatz zusätzlich. Die digitale Schaltzentrale zu programmieren heißt mitzubestimmen, wie schnell und wie sicher die Energiewende läuft.
Der Weg zur Übernahme
- Feb. 2024Die Ransomware-Gruppe Hunters International legt die interne IT von PSI lahm; Kundensysteme bleiben nach Unternehmensangaben unberührt.
- Okt. 2025Warburg Pincus schließt eine Investmentvereinbarung und bietet 45,00 Euro je Aktie.
- Juli 2026Alle Freigaben liegen vor; eine Kapitalerhöhung bringt rund 29 Millionen Euro frisches Kapital.
Die Leitsoftware der Stromnetze wechselt in die Hand eines Finanzinvestors, und das ist kein reiner Finanzdeal, sondern eine Frage der Resilienz. Deutschland sollte genau hinsehen, wer die digitalen Schaltzentralen seiner Energieversorgung besitzt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Deal für kritische Infrastruktur?
Prüfung bestanden: Der Kauf hat die außenwirtschaftliche Investitionskontrolle durchlaufen und alle nötigen Freigaben erhalten.[2] Unter NIS2 bleiben Betreiber trotzdem in der Pflicht, ihre Lieferketten abzusichern, denn Haftung und Sorgfalt enden nicht am Werkstor.
Konsequenz für Entscheider: Der Fall zeigt, warum jedes Unternehmen wissen sollte, wem seine kritischen Softwarelieferanten gehören und wie es um deren Notfallpläne steht. Belastbare Verträge zur Fortführung gehören ebenso auf die Agenda wie eine souveräne Datenhaltung, geprüft lange vor dem nächsten Vorfall und nicht erst danach. Eine solide Grundlage dafür liefern die Cybersecurity-Grundlagen für den Mittelstand.
Quellen
[1] Warburg Pincus: „PSI Software SE and Warburg Pincus enter into an Investment Agreement; Warburg Pincus announces Public Takeover Offer“ ↩
[2] PSI Software SE: „All regulatory approvals obtained for the voluntary public takeover offer“ ↩
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