Die Teilzeitquote in Deutschland klettert 2025 auf 31,9 % und erreicht damit einen neuen Höchststand. Das Statistische Bundesamt verknüpft die Zahl mit der laufenden Debatte über längere Arbeitszeiten. Für den Mittelstand verbirgt sich darin ein Personalreservoir, das bislang kaum jemand hebt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen größten Abstand zeigen die Eltern: 66,4 % der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 18 Jahren arbeiten in Teilzeit, bei den Vätern sind es 8,6 %, wie das Statistische Bundesamt meldet. Achtmal so häufig treten Frauen kürzer, sobald Kinder im Haushalt leben.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Teilzeitquote aller abhängig Beschäftigten erreichte 2025 mit 31,9 % einen Höchststand.
- Erwerbstätige Mütter mit minderjährigen Kindern arbeiten zu 66,4 % in Teilzeit, Väter nur zu 8,6 %.
- Vollzeitkräfte leisteten im Schnitt 39,9 Wochenstunden und damit 0,6 Stunden weniger als 2015.
- Das Alter der Kinder verändert die Teilzeitneigung der Mütter kaum.
Warum trifft die Teilzeit vor allem Mütter?

Jede zweite Frau in abhängiger Beschäftigung arbeitete 2025 in Teilzeit, genau 50,6 %, bei den Männern nur 14,3 %. Das Muster verfestigt sich schon bei jüngeren Frauen ohne Kinder, deren Quote bei 24,8 % liegt gegenüber 12,3 % bei den Männern. Sobald Kinder hinzukommen, vergrößert sich der Abstand stark. Bemerkenswert bleibt, dass das Alter der Kinder dabei kaum ins Gewicht fällt: Eltern mit kleinen, betreuungsintensiven Kindern reduzieren ihre Stunden nicht wesentlich häufiger als Eltern älterer Kinder.
Was bedeutet das für den Fachkräftemangel?

Diese Zahlen erscheinen, während Politik und Verbände über längere Wochenarbeitszeiten streiten. Vollzeitbeschäftigte kamen 2025 auf 39,9 Stunden pro Woche und damit auf 0,6 Stunden weniger als zehn Jahre zuvor. Teilzeitkräfte legten zu und arbeiteten mit 21,3 Stunden zwei Stunden mehr als 2015. Im Fachkräftemangel steckt damit ein stilles Reservoir, nämlich Beschäftigte, die ihre Stunden ausweiten würden, sobald die Rahmenbedingungen es zulassen.
Die Debatte über die längere Vollzeitwoche zielt am eigentlichen Hebel vorbei. Bevor Betriebe ihren Vollzeitkräften mehr abverlangen, sollten sie die Mütter fragen, was eine Aufstockung bisher verhindert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Stellschrauben hat der Mittelstand?

Für Personalverantwortliche zählt vor allem die Bindung der eigenen Belegschaft. Flexible Arbeitszeitmodelle und ortsunabhängiges Arbeiten verschieben die Grenze, ab der eine Aufstockung der Stunden überhaupt machbar wird. Verlässliche Kinderbetreuung am Standort wirkt dabei oft stärker als die nächste Gehaltsrunde.
Wo Routineaufgaben heute Stunden fressen, helfen KI-gestützte Werkzeuge, Spielraum zu schaffen. Kleine Betriebe, die flexible Modelle früh anbieten, sichern sich im angespannten Arbeitsmarkt einen Vorsprung bei der Rekrutierung.
Die Destatis-Daten lesen sich als Inventur eines verschenkten Potenzials. Prüfen Sie im eigenen Betrieb, wie viele Teilzeitkräfte gern aufstocken würden und woran es bislang scheitert. Dieses Gespräch kostet wenig und beantwortet oft mehr als die nächste Stellenausschreibung.
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