Europa sucht händeringend nach Magnetrohstoffen außerhalb Chinas, und ausgerechnet Grönland rückt jetzt ins Zentrum. Ein 35-Millionen-Dollar-Deal überträgt das fortgeschrittene Seltenen Erden-Projekt Sarfartoq an Greenland Mines, während der westliche Magnethersteller Neo Performance Materials sich bis zu 60 Prozent der künftigen Förderung sichert. Für die europäische Lieferkette ist das mehr als eine Randnotiz aus der Arktis.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Greenland Mines (Nasdaq: GRML) übernimmt das NdPr-Projekt Sarfartoq für 35 Mio. US-Dollar, rund 30,5 Mio. €.
  • Neo Performance Materials bleibt Anteilseigner und erhält Abnahmerechte auf bis zu 60 Prozent der Produktion.
  • Sarfartoq enthält in der ST1-Zone etwa 27 Mio. kg Neodymoxid und 8 Mio. kg Praseodymoxid.
  • Die grönländische Regierung muss dem Verkauf nach dem Mineral Activities Act noch zustimmen.

Warum ist Sarfartoq für Europa so interessant?

Ein Brocken aus Gestein und Mineralkristallen mit Grönland-Fähnchen vor weißem Hintergrund
Sarfartoq-Lagerstätte in Grönland mit 25–40 % Neodym und Praseodym: Weltklasse-Vorkommen für Elektromotoren-Magnete

Neodym und Praseodym sind das Arbeitspferd der Magnetindustrie. Beide Metalle stecken in den Permanentmagneten, die Elektromotoren bei kompakter Bauform kräftig halten. Sarfartoq weist mit einem Nd-Pr-Anteil von 25 bis 40 Prozent Gesamtgehalt eine der weltweit höchsten Quoten für Seltenen Erden auf, und genau dieser Wert entscheidet über die Wirtschaftlichkeit. Die Lagerstätte liegt zudem rund 60 Kilometer von einem internationalen Flughafen mit Hafenzugang entfernt, was die Erschließung gegenüber abgelegeneren Vorkommen verkürzen kann.

Was bringt die Beteiligung von Neo Performance?

Erzbrocken mit Europakarte, darauf Bauarbeiter-Figur und Fahne „HERGESTELLT IN GRÖNLAND“
Greenland Mines erwirbt ausstehende Anteile an Neo North Star Resources für 35 Mio. US-Dollar in bar und Aktien

Greenland Mines übernimmt von der Neo-Tochter Neo North Star Holdings die ausstehenden Anteile an Neo North Star Resources, dem Lizenzhalter des Sarfartoq-Carbonatit-Komplexes. Der Kaufpreis von 35 Mio. US-Dollar setzt sich aus 20 Mio. in bar und 15 Mio. in neu ausgegebenen GRML-Aktien zusammen. Neo bleibt nach dem Verkauf als Aktionär an Bord und behält über eine bestehende Absichtserklärung die Abnahmerechte auf bis zu 60 Prozent des geförderten Erzes oder Konzentrats, wie der Magnethersteller in seiner Mitteilung zur Partnerschaft bestätigt. Für einen Hersteller, der 2024 ein Magnetwerk in Estland eröffnet hat, sichert das eine grönländische Quelle für Nd-Pr-Rohstoff direkt an die eigene Trenn- und Magnetproduktion an.

Mit Sarfartoq hält Greenland Mines neben dem Palladium-Gold-Platin-Projekt Skaergaard nun zwei große Rohstoffvorhaben auf der Insel. Wie eng der Magnetmarkt mit der geopolitischen Lage verknüpft ist, zeigt unser Hintergrund zu der Frage, wer Europa 2026 den Magneten abdreht. Den größeren Rahmen liefert die OECD-Warnung vor wachsenden Exportbeschränkungen auf kritische Rohstoffe.

Grönland gehört geografisch und politisch zu Europas Vorhof. Wenn ein westlicher Magnethersteller sich dort Abnahmerechte sichert, ist das kein Bergbau-Detail, sondern ein Baustein der europäischen Versorgungssicherheit.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Wie schnell kann Sarfartoq tatsächlich liefern?

Ein hellgrauer Gesteinsbrocken mit leuchtend blauen Kristalleinschlüssen und einem eingebauten Tacho
Greenland Mines entwickelt zwei Großprojekte für kritische Mineralien in Grönland auf Basis von NI-43-101-Ressourcenschätzung und 15 Jahren Bohrarbeiten

Das Projekt stützt sich auf eine historische NI-43-101-Ressourcenschätzung, eine vorläufige Wirtschaftlichkeitsanalyse und mehr als 15 Jahre Bohrarbeiten. Greenland-Mines-Präsident Bo Møller Stensgaard spricht von „zwei Projekten im großen Maßstab für kritische Mineralien“ in Grönland. Bis zur kommerziellen Produktion bleibt der Weg trotzdem lang. Zunächst muss die grönländische Regierung den Anteilstransfer genehmigen, danach steht die Überführung der alten Daten in eine aktuelle Ressourcenschätzung an. Bis dahin bleibt der chinesische Vorsprung bei den Trennkapazitäten bestehen, den auch ein vielversprechendes Vorkommen nicht über Nacht ausgleicht.

Für deutsche Industriebetriebe lohnt der Blick auf solche Projekte trotzdem, denn hier entstehen mögliche Alternativen zur fast vollständigen China-Abhängigkeit. Wer Magnete in Antrieben, Windkraft oder Robotik verbaut, sollte die Entwicklung in Grönland im Auge behalten und bei langfristigen Lieferverträgen frühzeitig nach diversifizierten Quellen fragen.

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