DOS-Klassiker von GOG laufen auch auf Macs mit Apple-Silicon-Chip, obwohl viele Spiele nur in einer Windows-Fassung ausgeliefert werden. Der Weg führt über DOSBox für Mac und eine kleine Konfigurationsdatei. Ein aktueller Erfahrungsbericht zeigt, wie sich Titel wie Die Siedler II oder Heroes of Might and Magic II auf einem M2-MacBook starten lassen.
Das Problem kennt jeder, der alte Spiele neu kaufen will: GOG verpackt DOS-Titel mit einer eingebauten DOSBox-Umgebung, doch manche Spiele sind nur für Windows vorbereitet. Auf älteren Intel-Macs ließ sich das über VirtualBox oder Boot Camp lösen.
Auf einem M-Series-Mac läuft virtualisiertes x64-Windows dagegen quälend langsam. Der Entwickler Marek Foss hat in einem ausführlichen Erfahrungsbericht einen einfacheren Weg dokumentiert, der ohne Windows-Lizenz und ohne Virtualisierung auskommt.
Wie funktioniert der Trick?
Die Grundidee besteht darin, die mitgelieferte Windows-DOSBox zu umgehen und stattdessen die native DOSBox-Version für Mac auf die Spieldateien zeigen zu lassen. Nach der Installation von DOSBox für Mac wird der GOG-Installer einmalig auf einer Windows-Maschine ausgeführt, etwa einem alten Intel-MacBook. Anschließend wandern die installierten Spieldateien per Kopie auf den Apple-Silicon-Mac.
Eine kurze Konfigurationsdatei mountet danach den Spielordner sowie die benötigte CD-Abbilddatei und startet die ausführbare Datei des Spiels. Ein kleines Mac-Befehlsskript bündelt alles, sodass ein Doppelklick genügt, um den Klassiker zu öffnen.
Welche Stolpersteine gibt es?
Ganz ohne Aufwand geht es nicht. Für den Installationsschritt wird einmalig ein Windows-Rechner gebraucht, da die reinen Windows-Installer der betroffenen Titel auf dem Mac nicht direkt laufen. Ein Kommentar unter dem Bericht weist auf mögliche Abkürzungen hin, etwa das Entpacken des Installers per Wine oder einem Archivprogramm wie 7-Zip. Zudem warnt macOS bereits, dass künftige Versionen die aktuelle DOSBox-Fassung für Mac nicht mehr unterstützen könnten. Als Ausweg stehen aktiv weiterentwickelte Alternativen wie DOSBox-X oder DOSBox Staging bereit. Über die zahlreichen Parameter in der Konfigurationsdatei lassen sich außerdem Fenstermodus, Auflösung und Bildskalierung an den eigenen Geschmack anpassen.
Warum ist das mehr als Nostalgie?
Hinter der Bastelei steckt eine ernste Frage zur Langlebigkeit von Software. GOG verkauft seine Spiele ohne Kopierschutz und mit der ausdrücklichen Idee, dass gekaufte Titel dauerhaft nutzbar bleiben. Genau dieser Ansatz zahlt sich aus, wenn die zugrunde liegende Hardware komplett wechselt, wie beim Sprung von Intel zu Apple Silicon. Wer Software besitzt statt sie nur zu streamen, behält die Kontrolle darüber, ob und wie lange sie läuft. Für Selbstständige und kleine Unternehmen ist das ein Argument, das über Spiele hinausreicht: Plattformwechsel sind unvermeidlich, und offene Formate plus quelloffene Emulatoren halten alte Werkzeuge am Leben, wenn der Hersteller längst weitergezogen ist.
Emulation ist die stille Versicherung gegen geplante Obsoleszenz. Wer seine gekaufte Software über quelloffene Werkzeuge am Laufen hält, macht sich unabhängig von der Laune eines Herstellers. Das gilt für ein 30 Jahre altes Strategiespiel genauso wie für ein Fachprogramm im Betrieb.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Reiz des Ganzen liegt im Detail. Ein doppelt angeklicktes Skript, eine Handvoll Zeilen Konfiguration, und ein Spiel aus den Neunzigern erscheint auf einem der modernsten Notebooks der Gegenwart. Die Methode ist kein Hexenwerk, sondern Fleißarbeit, die sich für jeden lohnt, der seine Lieblingsklassiker nicht im Regal der Vergangenheit zurücklassen will. Und sie erinnert daran, dass guter Software-Erhalt selten von den großen Plattformen kommt, sondern von einer Gemeinschaft, die alte Technik bewusst am Leben hält.
ist geschäftsführender Gesellschafter von Dr. Web und verantwortet als Chefredakteur die redaktionelle Ausrichtung des Fachportals für Entscheider. Die digitale Verlagswelt prägt er seit über einem Jahrzehnt mit: so war er unter anderem Vorstand eines renommierten englischsprachigen Online-Magazins. Seine Expertise reicht von einem 360° Rundum-Blick in Online Marketing und Webentwicklung bis hin zu Künstlicher Intelligenz und Digitaler Transformation. Unter seiner Ägide vergleicht und empfiehlt die Dr. Web Redaktion Software, Agenturen und Dienstleister, damit Unternehmer und Entscheider immer die beste Wahl für ihr Business treffen.
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