Das Internationale Bankhaus Bodensee hat das Geschäftsjahr 2025 nur mit Mühe im Plus gehalten. Unterm Strich blieben 0,7 Millionen Euro Gewinn, und selbst der kam nur zustande, weil die Bank alte Reserven auflöste.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Grund für die dünne Bilanz ist eine auf 45,5 Millionen Euro gestiegene Risikovorsorge. Jetzt zieht der Eigentümer die Konsequenz: die Würth-Gruppe übernimmt das Haus vollständig und stärkt sein Eigenkapital.
Das Wichtigste in Kürze
- Würth übernimmt die zuletzt von der Hypo Vorarlberg gehaltene Minderheit und ist nun Alleineigentümerin der Bank.
- Zur Stärkung der Bilanz erhöht der Konzern das Eigenkapital des Instituts.
- Geschäftsjahr 2025: 0,7 Millionen Euro Überschuss bei 45,5 Millionen Euro Risikovorsorge und 1,35 Milliarden Euro Bilanzsumme.
- Für 2026 erwartet die Bank ein deutlich negatives Ergebnis, ab 2027 die Rückkehr zu stabilen Erträgen.
Was hat Würth genau entschieden?

Die Würth-Gruppe hat die zuletzt von der Hypo Vorarlberg gehaltene Minderheitsbeteiligung am Bankhaus übernommen und ist damit nun Alleineigentümerin.[1] Zugleich erhöht der Konzern das Eigenkapital der Bank, auch mit Blick auf mögliche Anforderungen der Aufsicht.
Der Rückhalt ist beträchtlich. Würth hat 2025 rund 20,7 Milliarden Euro umgesetzt und zählt zu den kapitalstärksten Familienunternehmen Europas. Ein Institut mit 1,35 Milliarden Euro Bilanzsumme lässt sich aus dieser Position stützen, ohne dass ein staatlicher oder externer Retter nötig wäre. Wie aktiv Eigner und Vorstände ihre Beteiligungen derzeit umbauen, zeigt auch der Konzernumbau bei BASF.
Warum geriet das Bankhaus in Schieflage?
Die Ursache steckt im Kreditbuch. Eine schwache Konjunktur, ein angespannter Markt für Gewerbeimmobilien und eine gestiegene Insolvenzdynamik trafen vor allem die Segmente Unternehmenskunden und gewerbliche Immobilienkunden.[1]
Deshalb sprang die Risikovorsorge auf 45,5 Millionen Euro und zehrte den operativen Ertrag fast vollständig auf. Dass am Jahresende überhaupt ein Überschuss stand, verdankt die Bank allein aufgelösten Reserven. Rückläufige Kreditvolumina drückten zusätzlich das Zinsergebnis.
Die Bereinigung läuft weiter. Für 2026 rechnet das Haus ausdrücklich mit einem deutlich negativen Ergebnis, weil es Altlasten im Immobilien- und Firmenkundengeschäft konsequent abbaut. Erst ab 2027 soll die Rückkehr zu stabilen Erträgen gelingen, angestrebt wird eine harte Kernkapitalquote von 17 Prozent.
Nicht die Zinswende, sondern die Gewerbeimmobilie ist zum stillen Risiko der kleinen Banken geworden. Ohne kapitalstarken Eigentümer wäre diese Bereinigung für ein Haus dieser Größe kaum aus eigener Kraft zu stemmen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für den Mittelstand?
Der Fall ist kein Einzelfall. Der Einbruch am Gewerbeimmobilienmarkt frisst sich seit Monaten durch die Bücher kleiner Regional- und Privatbanken, deren Kredite oft auf wenige Branchen konzentriert sind. Dass selbst gestandene Häuser unter Druck geraten, zeigen auch die Milliardenforderungen, mit denen deutsche Großbanken den Linde-Konzern verklagen.
Für Firmenkunden folgt daraus ein Muster. Banken fahren ihr Geschäft mit Gewerbeimmobilien und Unternehmenskrediten zurück und verlagern den Schwerpunkt auf gebührenstarkes Private Banking, strukturierte Finanzierungen, Factoring und Leasing. Das Bankhaus Bodensee macht genau diesen Schwenk vor.
Konkret heißt das: Prüfen Sie die Risikolage Ihrer Hausbank, nicht nur deren Konditionen, und verteilen Sie Finanzierungen früh auf mehrere Partner, bevor sich Kreditlinien verengen. Ein hoher Gewerbeimmobilien-Anteil bei der eigenen Bank wird sonst zum stillen Klumpenrisiko.
Quelle
[1] Internationales Bankhaus Bodensee: „Internationales Bankhaus Bodensee stellt Weichen für nachhaltig profitable Entwicklung“ (Geschäftszahlen 2025, 10.07.2026) ↩
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