Wenn die NSA Claude jagen lässt: 200 Millionen für Schwachstellen

Michael Dobler
Autor Dr. Web
Aktualisiert:
3 Min. Lesezeit
Wenn die NSA Claude jagen lässt: 200 Millionen für Schwachstellen

Das Pentagon erweitert seine KI-Verträge auf 200 Millionen Dollar mit Anthropic. Im Zentrum steht das Modell Mythos, das Software auf Sicherheitslücken durchsucht. Die NSA und Dutzende weitere Behörden testen es bereits.

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Der Pentagon-Anthropic-Deal verdoppelt das ursprüngliche Vertragsvolumen. Mythos soll Schwachstellen in militärischer und ziviler Software finden, bevor Angreifer sie nutzen. Für die Cybersecurity-Branche markiert das einen Wendepunkt: KI ist nicht mehr Werkzeug, sondern aktiver Verteidiger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pentagon vergibt 200 Millionen Dollar an Anthropic für KI-gestützte Schwachstellensuche
  • Mythos-Modell wird bereits von der NSA und Dutzenden weiteren Behörden getestet
  • KI-gestützte Vulnerability-Scans werden zur strategischen Verteidigungslinie
  • Deutsche Behörden wie BSI stehen vor ähnlicher Grundsatzentscheidung

Was Mythos technisch leistet

Goldener Chip mit Aufschrift
Anthropic stellt Mythos vor: KI-Modell für Sicherheitsforschung, das Quellcode analysiert, Angriffsvektoren erkennt und Patches vorschlägt

Anthropic positioniert Mythos als spezialisiertes Reasoning-Modell für Sicherheitsforschung. Das Modell liest Quellcode, identifiziert potenzielle Angriffsvektoren und schlägt Patches vor. Anders als klassische statische Code-Analyzer denkt Mythos in Angriffsketten, also über mehrere Funktionen und Module hinweg. Tests des britischen KI-Sicherheitsinstituts zeigten, dass das Modell drei von zehn komplexen 32-stufigen Angriffsszenarien erfolgreich nachstellen konnte.

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Diese Trefferquote ist beunruhigend gut. Wenn ein Verteidigungsmodell Angriffsketten findet, kann ein vergleichbares Angreifermodell sie auch nutzen. Das Pentagon investiert deshalb nicht nur in die Suche nach Lücken, sondern parallel in die Frage, welche Modelle US-Behörden überhaupt verwenden dürfen.

Wer mitspielt und wer ausgeschlossen ist

Mausefalle mit Geldnote, Fernglas und Beschriftung „Für Claudine?“ auf weißem Grund
Microsoft, Amazon und OpenAI beliefern das Pentagon mit KI-Systemen. Chinesische Anbieter wurden ausgeschlossen. Der Markt konsolidiert sich

Microsoft, Amazon und seit Anfang Mai auch OpenAI stehen auf der Lieferantenliste des Pentagon. Ausgeschlossen wurde im Februar 2026 ein chinesischer Anbieter, eingestuft als Lieferkettenrisiko. Der Markt für staatliche KI-Verträge konsolidiert sich. Wer hier nicht früh dabei ist, bekommt später keinen Fuß in die Tür.

Für deutsche Behörden stellt sich dieselbe Frage. Das BSI hat bisher keine vergleichbare Großvergabe an einen KI-Anbieter ausgesprochen. Die deutsche Cybersicherheitsarchitektur arbeitet stärker mit Open-Source-Tools und Eigenentwicklungen. Die Frage ist, ob diese Strategie hält, wenn US-Behörden mit KI-Modellen Schwachstellen in Sekunden finden, für die menschliche Auditoren Tage brauchen.

Wer das Werkzeug zur Schwachstellensuche kontrolliert, kontrolliert auch das Wissen über jede Schwachstelle. Souveränität in der Cybersicherheit beginnt deshalb bei der Frage, wessen Modell den Quellcode liest.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was deutsche IT-Verantwortliche jetzt prüfen sollten

Wählscheibentelefon, oranges Kabel als Fragezeichen geformt, Geldbündel daneben
Pentagon-Investment macht KI-gestützte Code-Audits zum Standard. IT-Leiter müssen DSGVO-Konformität, Cloud-Act-Risiken und Open-Source-Alternativen prüfen

Die Pentagon-Investition treibt den Marktstandard. KI-gestützte Code-Audits werden in den nächsten 24 Monaten in jeder ernsthaften Sicherheitsstrategie auftauchen. Wer als IT-Leiter im deutschen Mittelstand verantwortet, sollte drei Punkte klären: Welche Anbieter sind DSGVO-konform und nicht US-CLOUD-Act-pflichtig? Welche Open-Source-Alternativen existieren? Und welche Lücken im eigenen Code-Bestand würden ein modernes Reasoning-Modell sofort finden?

Mehr Newshunger?

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Cisco und Cerebras expandieren KI-Infrastruktur. NIS-2-Registrierungspflicht betrifft 29.000 Unternehmen. KI-Einsatz in deutschen Firmen verdoppelt sich. Anthropic startet KI-Cybersecurity-Tool
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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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