Dieter Petereit 1. Oktober 2018

UX-Design: Bananen als Best Practice

Was ist UX-Design? Vage Erklärungen gibt es viele, aber keine so plakative wie die Bananen-Analogie. Die versteht nicht nur der Südfrüchte-Händler…

Die UX-Designerin Megan Wilson, hatte stets Probleme damit, neuen Bekanntschaften zu verdeutlichen, was sie beruflich macht. Zumeist blickte sie dabei in verständnislose Gesichter, was sie umso mehr betrübte, als sie jede Art von schlechter UX (Benutzererfahrung) hasst, auch jene, die dadurch entsteht, dass sie ihren Beruf nicht verständlich erklären kann.

Sie begab sich also auf die Suche nach einer guten Analogie, mit deren Hilfe sie ihren Beruf nicht nur verständlich, sondern auch unterhaltsam erklären konnte, um so eine rundum gelungene UX zu schaffen. Diese Analogie fand sie in der Banane.

Megan empfiehlt ihren Kollegen ebenfalls die Verwendung ihrer Analogie, weshalb ich sie dir ebenfalls nicht vorenthalten will.

Die UX der Banane

Nanu, fragst du dich, was mag eine Banane nun mit gelungener UX zu tun haben? Es ist nicht alleine der Geschmack und die Gesundheitswirkung der Banane, die Megan veranlasste, sie als bestes Beispiel einer gelungenen UX auszuwählen.Vielmehr weist die gelbe Südfrucht eine ganze Reihe Benutzerfreundlichkeiten auf.

Folgende Designaspekte der herkömmlichen Banane tragen zur perfekten UX ein.

Du erkennst den Reifegrad einer Banane an ihrer Farbe

Bananen signalisieren visuell eindeutig, ob sie reif sind oder nicht. Es gibt keine Zweifel, keinen Bedarf an Nachfragen. Du benötigst kein Handbuch und musst auch keine Nutzertests durchführen. Wenn die Banane gelb ist, kannst du sie essen.

Es gibt keinen Zweifel, welche davon du essen solltest. (Foto: Depositphotos)

Der Genuss einer Banane ist stets und überall möglich

Bananen sind der perfekte mobile Snack. Sobald sie über die gelbe Farbe Reife signalisieren, erweist sich auch ihre Verpackung als äußerst leicht zu entfernen. Bleibt die Verpackung aka Schale an der Frucht, ist sie ohne weiteres transportabel. Essen kannst du sie ohne weitere Hilfsmittel. Sie bringt sogar ihre eigene Griffhilfe mit und hinterlässt keine Schmutzflecken. Welcher Snack kann das noch von sich behaupten?

Bananen sind leicht zu verspeisen

Das Essen einer Banane ist eine bruchlose Erfahrung. Es gibt keine Kerne, keine Stiele, keine schwer entfernbaren, nicht essbaren Teile. Insoweit ist eine Banane komfortabel und aufwandslos. Der Nutzer muss sich keine Gedanken um Störfaktoren machen und kann den Konsum ungestört genießen.

Bananen sind leicht verfügbar und haben auch ansonsten gute Eigenschaften

Bananen wachsen auf allen Kontinenten und stehen ganzjährig zur Verfügung. Zudem sind sie nicht teuer und deshalb für jedermann verfügbar.

Bananen beinhalten die Aminosäure Tryptophan, sowie das Vitamin B6. Tryptophan wirkt sich auf den Melatonin- und Serotonin-Haushalt aus. So kann man mit Fug und Recht sagen, dass dich Bananen glücklich machen können. Keine andere Frucht enthält diese Aminosäure.

Bananen brauchen den Vergleich zu anderen Früchten nicht zu scheuen

Natürlich haben auch andere Früchte ihre Vorteile, fallen aber bezogen auf die Banane stets in manchen Aspekten zurück. So gibt es visuell schönere Früchte, aber ästhetische Aspekte sind nur ein Teilbereich des Designs.

Manch andere Frucht verfügt über höhere Nährstoffwerte als die Banane. Aber wenn es nur um Nährstoffe ginge, könnten wir auch einfach Vitamine schlucken.

Nun gut, als Ohrschmuck eignet sich die Banane nur bedingt. (Foto: Depositphotos)

Sicherlich gibt es auch Früchte, die besser schmecken als eine Banane, aber Geschmack ist letztlich nur ein Aspekt, mit dem wir einer Frucht begegnen. Zudem ist er von persönlichen Vorlieben geprägt, also rein subjektiv.

UX-Design hingegen befasst sich mit der gesamten Nutzererfahrung beim Konsum eines Produkts – von Anfang bis Ende.

Was haben Bananen nun mit Technologie-Produkten zu tun?

Im Grunde darf es wohl als sicher gelten, dass du im Verlaufe des Beitrags schon selber erkannt hast, wo die Gemeinsamkeiten liegen. UX-Design befasst sich damit, die Mensch-Maschine-Schnittstelle so komfortabel und angenehm wie möglich zu machen.

Wenn dein Design diese Bewertung bekommt, solltest du nochmal darüber nachdenken. (Foto: Depositphotos)

Das geschieht, indem UX-Designer Schnittstellen entwickeln, die in sich geschlossen, logisch, einfach und ohne unnötige Brüche funktionieren. Wenn es Spaß macht, eine App zu benutzen, dann hat der UX-Designer seinen Job gut gemacht.

Wenn der Nutzer hingegen über Kerne stolpert oder sich beim Konsum die Finger schmutzig macht, sich beim Schälen in den Finger schneidet oder besondere Kenntnisse erwerben muss, dann ist die UX einer Banane nicht erreicht.

(via: Walkme Blog / Megan Wilson | Bildquelle Artikelbild: Depositphotos)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design. Man findet ihn auch auf Twitter und Google+.
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2 Kommentare

  1. Schade…
    …dass das wohl wichtigste unerwähnt bleibt:
    Versuchen Sie doch einmal, wegen der Krümmung, eine Banane „falsch“ zu schälen.

    • Das Wichtigste, soso. Was verstehst du denn darunter, eine Banane falsch zu schälen? Affen übrigens schälen die Banane nie von der Seite mit dem Fruchtstiel, sondern immer von der anderen. So haben sie praktisch Frucht am Stiel.

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