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Dieter Petereit 19. Februar 2019

Webdesign: Die Basics guter Informationsarchitektur

Der Zugang zu Informationen will gut orga­ni­siert und struk­tu­riert sein, damit der Informationssuchende schnell und umfas­send fün­dig wer­den kann. Dazu bedarf es umfas­sen­der Überlegungen im Vorfeld der Design-Ausführung. Heraus kommt die Informationsarchitektur.

Der Begriff der Informationsarchitektur ist mit einem Alter von eini­gen Dekaden nicht mehr ganz neu und wur­de im Laufe der Zeit schon für ver­schie­dens­te Zwecke benutzt. Sogar im Chipdesign oder bei der Netzwerkplanung fand er Verwendung. In den letz­ten zehn Jahren kommt er indes vor­wie­gend im Kontext mit Softwareprojekten zum Einsatz.

Informationsarchitektur im Webdesign

Im Zusammenhang mit Webdesign meint „Informationsarchitektur” die sinn­vol­le Organisation und Strukturierung von Inhalten mit dem Ziel, dass eben die­se Inhalte von Nutzern schnell gefun­den und erschlos­sen wer­den kön­nen. Webdesigner sind dem­nach not­wen­di­ger­wei­se stets auch Informationsarchitekten. Jedenfalls soll­ten sie es sein. Vielfach ent­steht die­ser Eindruck jedoch nicht.

Kunden aus der Hölle: Der per­so­ni­fi­zier­te Worst Case

Informationsarchitektur ist nicht gleich­be­deu­tend mit visu­el­ler Gestaltung

Kunden und Dienstleister ver­wen­den erfah­rungs­ge­mäß sehr viel Zeit auf visu­el­le Aspekte, so dass struk­tu­rel­le Überlegungen nicht sel­ten zu kurz kom­men. Dabei ist eine gelun­ge­ne Informationsarchitektur die bes­te Grundlage für eine eben­so gelun­ge­ne Website. Informationsarchitektur lässt sich aller­dings nicht als Photoshop-Mockup bau­en und mag von daher als ver­zicht­ba­rer Aufwand betrach­tet wer­den. Das Gegenteil ist der Fall.

Informationen ohne Ende, nur fin­den kannst du sie nicht gezielt. (Foto: Pixabay)

Vielfach wird Informationsarchitektur (IA) mit UX-Design gleich­ge­setzt, was eben­falls viel zu kurz gesprun­gen erscheint. Auch hier gilt, dass IA ledig­lich die Grundlage für das UX-Design bil­det. UX-Design ist indes weit weni­ger struk­tu­rell in den Überlegungen, son­dern befasst sich deut­lich kon­kre­ter mit den gro­ßen und klei­nen Fragen der Benutzererfahrung, etwa wel­che Interaktion wel­ches Ergebnis zei­ti­gen soll.

Informationsarchitektur ist das Fundament jeder Website

Wenn wir also über IA spre­chen, dann befin­den wir uns am Ursprung, an der Baugrube eines digi­ta­len Projekts. Hier gibt es noch nichts zu sehen und die künf­ti­ge Benutzererfahrung ist in wei­ter Ferne. In der Informationsarchitektur geht es um rein struk­tu­rel­le Fragen.

Das mag dir auf den ers­ten Blick reich­lich lang­wei­lig vor­kom­men. Betrachtest du aber mal das Beispiel einer gro­ßen Bibliothek, wird dir schnell klar, dass Informationsbereitstellung ohne durch­dach­te Architektur kei­ne gute Idee ist.

In unse­rem Städtchen exis­tiert nur eine rela­tiv klei­ne Stadtbücherei. Aber selbst in die­ser könn­te ich kein Buch fin­den, wenn sich die Bibliothekare nicht ein so gutes Ordnungssystem, eine nach­voll­zieh­ba­re Informationsarchitektur, aus­ge­dacht hät­ten.

Eine Kombination aus einem digi­ta­len Katalog und einem phy­si­ka­li­schen Wegweisersystem führt dazu, dass jeder Besucher das von ihm gesuch­te Buch auch fin­det. Gäbe es das nicht, bestün­de nur eine zufäl­li­ge Chance, die gesuch­ten Informationen zu erhal­ten. Die meis­ten Besucher dürf­ten wohl ob des erheb­li­chen Frustpotenzials rasch kapi­tu­lie­ren.

Der Aufbau einer real exis­tie­ren­den Bibliothek unter­liegt einem per­ma­nen­ten Wandel und damit stän­di­ger Planung. (Foto: Pixabay)

Ähnlich ergeht es den Besuchern einer Internetseite, wobei das Problem mit stei­gen­der Informationsdichte grö­ßer wird. Je mehr Informationen eine Website bie­tet, des­to durch­dach­ter muss ihre Informationsarchitektur sein. Generell bedarf jedoch auch die kleins­te Website einer sinn­vol­len IA. Lediglich der Komplexitätsgrad die­ser Architekturen unter­schei­det sich in Abhängigkeit von der Größe des Gesamtprojekts.

Verbreiteter Irrtum: Informationsarchitektur ist ein ande­res Wort für Navigation

Typische Fragen, die eine gute Informationsarchitektur dem Besucher beant­wor­ten kön­nen muss, lau­ten etwa:

  • Wo bin ich?
  • Worum geht es hier?
  • Wohin gelan­ge ich von hier?
  • An wel­cher Stelle im Angebot befin­de ich mich?
  • Wozu dient die­se Website?
  • Was habe ich von die­sem Angebot?
  • Wer steckt dahin­ter und wie kann ich den­je­ni­gen errei­chen?

In Anbetracht die­ser Fragen könn­test du auf die Idee kom­men, dass Informationsarchitektur nur ein ande­res Wort für Navigation ist. Auch das wür­de jedoch zu kurz grei­fen. Richtig ist, dass die Navigation ein Bestandteil der IA ist. Sie lässt sich aller­dings erst ablei­ten, wenn ein paar vor­be­rei­ten­de Arbeiten erle­digt sind.

Informationsarchitektur erfor­dert die Klassifizierung und Kategorisierung aller Inhalte

Es ist eines der ver­brei­tets­ten Probleme in der Kunde-Designer-Beziehung. „Fangen Sie schon mal an, die Inhalte lie­fern wir Ihnen nach und nach.” Wer kennt das nicht?

Und wer hat sich nicht schon oft, wenn auch intui­tiv gefragt, wie das denn funk­tio­nie­ren soll? Die Antwort auf die Frage ist recht ein­fach: Gar nicht.

Bevor du sinn­voll eine Website erstel­len kannst, musst du alle Inhalte ken­nen, sor­tie­ren und struk­tu­rie­ren. Schon die Festlegung, wel­che Inhalte über­haupt in die Website inte­griert wer­den sol­len, ist ein wich­ti­ger Aspekt der Informationsarchitektur. Wer hat sich nicht bei ver­schie­de­nen Websites schon über selt­sam „ange­flanscht” wir­ken­de Menüpunkte gewun­dert? Da kam der Kunde kurz vor Projektende noch mit einer neu­en Ladung Informationen, die wir dann kur­zer­hand außer­halb der geplan­ten Struktur rein neh­men muss­ten. „Ist ja kein Problem, oder?“

Liegen alle Inhalte vor und sind die zu ver­wen­den­den defi­niert, gilt es, die Inhalte zu klas­si­fi­zie­ren und zu benen­nen. Dabei wer­den die Inhalte Kategorien zuge­ord­net, aus denen sich spä­ter unse­re Navigation ent­wi­ckeln wird.

Es emp­fiehlt sich, dabei ganz klas­sisch mit Taxonomien zu arbei­ten. So erhält jede Kategorie stets nur eine Oberkategorie, was zu einem Abhängigkeitsbaum führt, wie er für Organigramme üblich ist. Innerhalb des Baumes bewegst du dich von ganz grob nach ganz fein. Je wei­ter unten in den Verästelungen du dich befin­dest, des­to spe­zi­fi­scher wer­den die Informationen.

Monohierarchische Strukturen funk­tio­nie­ren am bes­ten. (Foto: Pixabay)

Flache Informationshierarchien bevor­zugt

Dabei soll­test du zudem dar­auf ach­ten, dass dei­ne Informationshierarchie nicht zu tief wird. Zum einen schätzt es kein Besucher, wenn er wah­re Klickorgien bewäl­ti­gen muss, um letzt­lich zur gewünsch­ten Information zu gelan­gen. Zum ande­ren bevor­zugt der Google-Bot eben­falls ein­deu­tig fla­che Hierarchien.

Die ein­zel­nen Kategorien soll­ten sich dabei ganz klar the­ma­tisch unter­schei­den, so dass Besucher und Crawler glei­cher­ma­ßen in die Lage ver­setzt wer­den, Zusammenhänge erken­nen und ver­ste­hen zu kön­nen. Denkbar sind, je nach Sinn und Zweck der Website, natür­lich auch ande­re Unterscheidungen, etwa chro­no­lo­gi­scher Art oder nach dem Typ des Besuchers (zum Beispiel Kunde, Lieferant, Investor).

Wichtig ist nur, dass du einen ein­mal ein­ge­schla­ge­nen Weg nicht ver­lässt, weil es sonst zu einer Vermischung unter­schied­li­cher Hierarchien kom­men kann.

Suchen und Finden, aber nicht frei gewür­felt

Ein wich­ti­ger Teil der Informationsarchitektur ist die Suchfunktion, die meist selbst­ver­ständ­lich als blo­ßer Teil des CMS ange­se­hen wird. Dabei wür­de eine opti­ma­le IA nie­mals auf die Standardsuche von etwa WordPress als Volltextsuche set­zen, son­dern auf ein geziel­tes Konzept bau­en. Dabei wür­de es dar­um gehen, was Besucher wohl suchen könn­ten und wel­che Ergebnisse sie dann fin­den soll­ten. Das hät­te mit Freitextsuche nicht viel zu tun, wür­de aber bes­se­re Ergebnisse lie­fern, die sowohl dem Interesse des Besuchers als auch dem des Betreibers ent­ge­gen kämen.

Das ist längst noch nicht alles, aber ein Anfang

Informationsarchitektur ist eine Wissenschaft für sich. In die­sem Beitrag habe ich mich auf die abso­lu­ten Basics beschränkt. Das magst du bekla­gen, aber beden­ke dabei, dass es gera­de die klei­ne­ren Projekte sind, denen IA-Überlegungen der­zeit noch am meis­ten feh­len.

Dabei sind das gleich­zei­tig jene Projekte, in denen gar nicht erst über User-Befragungen, Card Sorting und ande­re spe­zi­fi­sche Techniken aus­ge­wach­se­ner Informationsarchitekten nach­ge­dacht wer­den muss. Wenn du bis­her dei­ne Kunden ganz ohne IA-Basics bedient hast, wird dir der Beitrag sicher­lich ein paar Denkanstöße gege­ben haben.

Damit ist der Anfang auf jeden Fall gemacht.

Quellen zum Weiterlesen:

(Der Beitrag erschien erst­mals im April 2018. Seitdem wird er regel­mä­ßig aktua­li­siert, zuletzt am 19.02.2019.)

Dieter Petereit

Dieter Petereit

ist seit 1994 im Netz unterwegs, aber bereits seit über 30 Jahren in der IT daheim. Seit Anfang des neuen Jahrtausends schreibt er für diverse Medien, hauptsächlich zu den Themenfeldern Technik und Design.

3 Kommentare

  1. Das mytho­lo­gi­sche Reich der con­tent­in­seln, auf dem die infor­ma­ti­ons­py­ra­mi­den ste­hen. Immer wie­der span­nend und ich habe auch eini­ge Projekte hin­ter mir, wo es zu so trag­fä­hi­gen Aussagen wie ‘was ist Ihrer Ansicht nach der wich­tigs­te Aspekt Ihres Angebotes?’ ‘öh… Jeder.’ kam…
    :)

    Gerne gele­sen.

  2. Hallo,

    ein sehr guter Artikel. Eine Struktur von Blogs und Webseiten auf­zu­bau­en, scheint dem Kunden aber wirk­lich oft ein­fach zu lang­wei­lig. Viele wol­len ein­fach nur eine Website.
    Worst Case ist lei­der an der Tagesordnung.

    Viele Grüße

  3. Hi Dieter,

    du hast voll­kom­men recht. Eine Informationsarchitektur ist super wich­tig und soll­te im Vorfeld sehr gut über­legt wer­den. Ziel ist ja dem User Mehrwert zu bie­ten und eine ein­fa­che, schnel­le Suche zu ermög­li­chen. Gerade wir als Agentur pla­nen Webseiten bis ins kleins­te Detail im Voraus. Vielen lie­ben Dank für den mega Beitrag!

    Alles Gute Dir

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