9 kostenlose Tools fürs Schriftdesign: So erstellen Sie eine eigene Hausschrift

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Schriftarten sind ein sehr kraftvoller, individueller Weg, um Inhalte darzustellen. Sie haben direkten Einfluss darauf, wie wir Inhalte wahrnehmen und interpretieren. Typografie ist heutzutage sehr beliebt. Es gibt eine Unzahl von freien Fonts online.

Denk nur an das mittlerweile sehr groß gewordene Google Fonts Verzeichnis mit seinen (zur Zeit) 977 Schriftfamilien, nicht -arten. Der Haken: Dort musst du die Fonts so nehmen, wie sie angeboten werden. Wenn du jedoch eine bestehende Schriftart modifizieren oder gar eine ganz eigene Schriftart erstellen möchtest, dann bist du dort an der falschen Adresse.

Es gibt allerdings einige Dienste im Netz, die sich genau darauf, nämlich die Modifizierung bestehender Fonts und die Erstellung komplett neuer Schriftarten, das sogenannte Schriftdesign, spezialisiert haben. Diese Dienste stelle ich dir heute vor.

FontArk

FontArk - Advanced online font editor


FontArk ist ein browserbasierter Font-Editor und ein Werkzeug zum Erschaffen neuer Schriftarten. Mit FontArk können entweder Templates importiert, oder aber völlig neue Fonts geschaffen werden. Gutes Video-Material führt durch die einzelnen Funktionen und erklärt, wie man für gute Ergebnisse verfahren sollte. Es sollte klar sein, dass man für optimale Ergebnisse einige Einarbeitungszeit benötigt. Ein kurzes Ausprobieren des Font-Editors ist ohne einen Benutzer-Account möglich. Jedoch werden alle Funktionen erst freigeschaltet, wenn man sich eingeloggt hat. Eine Registrierung ist also unbedingt nötig, wenn du deine Ergebnisse speichern und ansehen möchtest. Du kannst dich per OAuth über Facebook registrieren, musst es aber nicht. Der konventionelle Weg über Benutzernamen und Passwort funktioniert ebenfalls.

Praktisch ist der Outline-Generator, der dir erlaubt, einen Rahmen um den Buchstaben zu legen. Später kannst du dann die Dicke und die Rundungen der einzelnen Buchstaben bearbeiten. Auch mehrere Buchstaben gleichzeitig zu bearbeiten, stellt kein Problem dar. Den fertigen Font exportierst du dann als OTF-Datei.

Video: Erste Schritte mit FontArk


Calligraphr

Handschrift - Schriftart
Mit Calligraphr kannst Du aus Deiner eigenen Handschrift einen Font machen.

Mit Calligraphr erstelltest du Schriften und Standard-Schriftdateien (im TTF- oder OTF-Format) basieren auf deiner eigenen Handschrift. Einmal erstellt und heruntergeladen, funktionieren sie unabhängig von Calligraphr. Man kann also jederzeit nach Anfertigung der eigenen (Hand-)Schrift den Account wieder löschen.

Wie bei den meisten anderen Tools gibt es hier eine kostenlose Variante und einen Pro-Bezahlplan, welcher dann mehr Möglichkeiten zulässt als dessen kleiner Bruder.

Lizenzen

Die eigenen Schriften sind auch lizenztechnisch quasi frei: sie gehen in dein Eigentum über und du kannst sie auf so vielen Computern installieren, wie du möchtest, und sie sogar für den kommerziellen Gebrauch einsetzen.

Eine echte Handschrift erzeugen

Die Zufallsgenerierung von Zeichen ist für die Simulation echter Handschrift unerlässlich. Dabei werden verschiedene Variationen desselben Zeichens reproduziert, die in jedem handgeschriebenem Text vorkommen. Das bedeutet, dass du für jedes Zeichen verschiedene Varianten angeben kannst, welche dann beim digitalen Schreiben nach dem Zufallsprinzip angewandt werden, um deiner Schrift ein natürlicher Aussehen zu verleihen.


BirdFont

BirdFont


BirdFont ist kein wirklich rein kostenloses Tool, aber es ist Open-Source und kann kostenfrei verwendet werden, solange man mit der SIL Open Font License einverstanden ist. Unter dieser Lizenz wird der generierte Font dann lizensiert. Möchte man seinen Font hingegen auch kommerziell verwenden, kostet die Freischaltung ab 1.- USD respektive ab 5.- USD mit Programm-Updates. Die genannten Preise sind Mindestpreise, man kann und darf mehr bezahlen.

BirdFont ist keine Online-Anwendung, sondern ein Desktop-Tool und als solches für Windows, Mac OS X, sowie für Linux erhältlich. Um einen Font zu kreieren, kannst du auf dem Gitter zeichnen, oder sogar deine Eingaben handschriftlich über andere Programme eingeben (auch auf Papier). Diese Bild-Datei wird dann als Hintergrund in BirdFonts importiert. Darüber entwirft man nun seine Buchstaben. Die Anwendung kann aus anderen Programmen wie zum Beispiel Inkscape oder Abobe Illustrator importieren und fertige Projekte entweder als TTF-, EOT- oder SVG-Fonts exportieren. Etliche Tutorials sind auf der Webseite zu finden. Ebenfalls existieren eine Menge Video-Tutorials zu allen wichtigen Arbeitsschritten.

birdfont-oberflaeche

FontForge

FontForge


FontForge ist ein sehr umfangreiches, kostenloses Open-Source Tool mit fast unendlichen Möglichkeiten und Einstellungen. Die Funktionsvielfalt könnte einen Einsteiger in die Materie glatt abschrecken, wenn es nicht so gute Tutorials und ein umfassendes FAQ gäbe, dass dem geneigten Leser sehr viel Fachwissen über Typografie vermittelt.

In FontForge werden Buchstaben mittels Kurven gezogen, die wiederum in Form und Position beeinflusst werden können. Wenn du bereits in Photoshop oder Gimp gezeichnet hast, ist das gar nicht so schwer. Ansonsten muss etwas Zeit zum Erlernen investiert werden. Dafür sind die möglichen späteren Ergebnisse aber sehr gut. Für eine bessere Kontrolle über die gezeichneten Elemente gibt es Ebenen, genau wie in Photoshop oder ähnlichen Programmen.

FontForge kann SVG- und EPS-Dateien von Adobe Illustrator oder Inkscape importieren. Auch kann das Programm Fonts aus PDF-Dateien auslesen. Vor dem Exportieren deines Fonts kannst du eine Funktion zum Auffinden von Fehlern und Inkonsistenzen starten -- nämlich die „Find Problem“-Option, sowie die Font-Validierungs-Tools. FontForge ist ein Desktop-Tool und erhältlich für Windows, Mac OS X und Linux.

FontForge Oberfläche

FontStruct

FontStruct


Mit FontStruct erstellst du Fonts durch die Kombination von einfachen, geometrischen Formen. Du kannst Schriftarten entweder komplett neu erstellen oder auf Basis bereits bestehender Fonts anderer User arbeiten. Beispiele findest du in der Galerie. Die Oberfläche des Web-Dienstes ist einfach und klar gehalten, jedoch kann ein „Experten-Modus“ aktiviert werden, in dem du dann Zugriff auf viele weitere Optionen erhältst. Der Arbeitsbereich kann in der Größe beeinflusst und es kann hinein- und hinausgezoomt werden. Es gibt einen Vollbild-Modus und verschiedene Gitter und Hilfslinien stehen zu deiner Verfügung.

Die neu geschaffene Schriftart exportierst du entweder als TTF-Datei oder aber als .glyphs (kann unter MAC OS X bearbeitet werden). FontStruct kann keine externen Fonts importieren und deine Handschrift nicht in einen Font konvertieren. Allerdings steht eine Galerie mit Dutzenden von anderen Usern erstellten Fonts bereit, die du dann zur weiteren Bearbeitung importieren kannst. Das funktioniert in allen Browsern, braucht jedoch zur korrekten Funktion Adobe Flash. Eine Registrierung ist unbedingt erforderlich und kann nur per Benutzernamen und Passwort erfolgen.


Glyphr Studio

Glyphr Studio


Diese praktische und recht funktionsstarke App kommt in zeitgemäßer Form. Sie kann entweder als Web-App oder als einfache HTML-Datei vom heimischen Rechner aus genutzt werden. Dank dieser Form muss das Glyphr Studio nicht installiert werden. Inkscape- und Illustrator-Dateien sind importierbar, ebenso wie ganze SVG-Fonts. Die Anpassung von Kerning und Ligaturen ist kein Problem, auch verknüpfte Formen können erstellt werden, um sie an anderen Buchstaben erneut nutzen zu können.

Mit der Test-Drive-Funktion erhältst du zudem eine Live-Vorschau deines Fonts. Eine echte Besonderheit ist der Zwei-Bildschirm-Modus, mit dem du das Glyphr Studio auf zwei Monitore aufteilen kannst. Glyphr ist in allen modernen Browsern nutzbar, jedoch soll Google Chrome die besten Ergebnisse liefern. Glyphr exportiert Projekte als OTF- und SVG-Dateien.

Glyphr Studio Benutzeroberfläche

Fontastic

Fontastic


Mit der Web-Anwendung Fontastic lassen sich keine „normalen“ Fonts erstellen. Vielmehr baust du damit eigene Icon-Fonts, die auf Webseiten Verwendung finden. Dabei kann das Tool die von dir entworfenen Icons zusätzlich als SVG-Sprite zum Download bereitstellen.

Fontastic importiert SVG-Dateien aus Illustrator, um daraus dann einen Icon-Font zu erstellen. Jedes einzelne Detail der Icons kann mit CSS bearbeitet werden, zum Beispiel um Schatten und Farben hinzuzufügen und zu ändern. Der fertige, in die Webseite eingebundene Icon-Font skaliert hervorragend auf verschiedenen Ausgabe-Medien und sieht dementsprechend überall ansprechend aus. Eine Registrierung ist zur Nutzung des Dienstes notwendig und erfolgt über E-Mail-Adresse und Passwort. Fontastic funktioniert in allen modernen Browsern.


Pentacom’s BitFontMaker

BitFontMaker2


Der BitFontMaker ist ein Tool für eine spezielle Art von Fonts, denn es lassen sich mit dem Tool sogenannte Pixel-Fonts erstellen, wie man sie noch von alten Video-Spielen kennt. Stöbere in der umfangreichen Galerie, um zu sehen, was andere User an Fonts erstellt haben. Oder lade eigene TTF- oder OTF-Fonts hoch, um diese dann zu bearbeiten. Auch neue Fonts lassen sich von Grund auf relativ leicht im Editor erstellen. Das fertige Endprodukt kann dann mit anderen Nutzern geteilt werden. Mit folgenden Browsern funktioniert der Dienst: IE 9+, Firefox 2+, Safari 5+ und Google Chrome. Eine Registrierung ist zur Nutzung von BitFontMaker nicht nötig.


TTFEdit

TTF-Edit


Das letzte Tool dieser Liste ist wieder eine Desktop-Anwendung, die installiert werden muss. In der Funktionsvielfalt liegt TTFEdit genau in der Mitte zwischen sehr komplexen Anwendungen, wie FontForge, und den einfacheren Anwendungen ohne große Funktionsvielfalt. Existierende Fonts im TTF-Format können importiert und modifiziert werden, oder man erstellt komplett neue Projekte aus Templates. Das Interface ist in Tabs aufgeteilt, wobei jeder Tab für verschiedene Aktionen steht. Die Form jedes Charakters kann durch das Bewegen und die Größenänderung von Kurven geändert werden.

Fazit

Bei der Auswahl der Anwendungen für die Font-Erstellung habe ich darauf geachtet, dass für viele Problemstellungen Angebote dabei sind. Manchem mag es schon reichen, seine eigene Handschrift zum Font konvertieren zu können, andere entwerfen lieber neue Fonts von Grund auf. Spaß machen wird die Arbeit an eigenen Fonts mit jeder der vorgestellten Anwendungen.


Links zum Beitrag

(Der Beitrag erschien erstmals am 4. März 2015 und wurde zuletzt am 21. Januar 2020 aktualisiert.)


(Beitragsbild: Depositphotos)

3 Antworten

  1. Schöne Zusammenstellung. Hätte ich vor einiger Zeit gut gebrauchen können.
    FontForge benötigt wirklich einige Einarbeitungszeit und Wissen über Fonts und Fonterstellung.
    Hinweis zu ttfedit: ist ein Java-Programm, das auch unter Linux läuft. Einzig das Shell-Skript zum Starten muss noch auf Unix-Zeilenenden umgestellt werden.

  2. Danke für die Zusammenstellung, PaintFont gibt es nicht mehr, wurde von Calligraphr.com übernommen. Kostenlose Fonts sind relativ eingeschränkt.

  3. Wow, ich wusste gar nicht, dass solche Typographie-Editoren existieren. Ich habe mir bisher das Lettering für Logos in Illustrator zusammengeschnipselt. Das ja ganz wunderbar. Und es erklärt die Fülle an günstigen Schriften auf Seiten wie creative market.
    Merci Dr. Web!

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