Ein Roboter-Lidar, das sich binnen eines Quartals nahezu verdreifacht: 142.371 Einheiten meldete der chinesische Sensorbauer Hesai für das zweite Quartal 2026.[2] Kurz darauf folgte der nächste Schritt, ein strategischer Pakt mit dem Handelsriesen JD.com.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Hesai liefert JD.com sein 6D-Vollfarb-Lidar für Lieferroboter und fahrerlose Transporter.
- Der Roboter-Absatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 193 Prozent auf 142.371 Sensoren.
- Im Auto-Lidar drückt ein harter Preiskrieg die Margen, die Robotik wird zur neuen Wachstumsachse.
- Für Europa wächst damit die Abhängigkeit von chinesischer Wahrnehmungstechnik in Lager und Logistik.
Was steckt hinter dem Pakt mit JD.com?

Hesai und JD.com wollen die sogenannte Physical AI gemeinsam in den Alltag bringen, also Maschinen, die ihre Umgebung dreidimensional erfassen und darin handeln. Hesai steuert dafür sein hochauflösendes 6D-Vollfarb-Lidar bei und stützt damit JD.coms fahrerlose Lieferwagen und Roboter im laufenden Betrieb.[1] Der Konzern betreibt seit Jahren eine der größten Logistikflotten Chinas und liefert dem Sensorbauer damit einen Abnehmer mit echtem Mengengerüst.
Technisch zielt die Kooperation auf die JT-Serie, ein Lidar speziell für Roboter. Der JT128 hat sich zum Standardsensor für vier- und zweibeinige Maschinen entwickelt und deckt ein Sichtfeld von 360 mal 189 Grad ab, praktisch ohne toten Winkel. Als nächste Stufe steht der Vollfarb-Chip Picasso an, den Hesai als erster Anbieter in China chip-nativ in Serie bringt, mit Start im zweiten Halbjahr 2026. Wie tief Lidar inzwischen in die Robotik reicht, zeigt auch der Weg des Wettbewerbers RoboSense mit seinem Peacock-Chip.
Warum weicht Hesai aus dem Auto in den Roboter aus?
Das Auto-Geschäft trägt Hesai bis heute, doch dort tobt ein Preiskrieg. Seit chinesische Hersteller die Fahrassistenz bis in die Kleinwagenklasse drücken, sinken die Stückpreise für Fahrzeug-Lidar rapide, wie der Fall Hesai und Great Wall zeigt. Die Marge muss deshalb aus neuen Anwendungen kommen. Genau in diese Lücke stößt die Robotik: Der Roboter-Absatz wuchs bei Hesai zuletzt um 47, dann 67 und schließlich 426 Prozent pro Jahr, bevor er sich im zweiten Quartal 2026 noch einmal fast verdreifachte.
Denselben Schwenk vollzieht die gesamte Branche. RoboSense etwa verlagert sein Lidar-Geschäft vom Auto zum Roboter und beliefert Lieferroboter-Bauer in großen Stückzahlen. Für Hesai bündelt der JD.com-Pakt diese Wende in einem einzigen Großkunden.
Der Preiskrieg im Auto frisst die Marge, also sucht sich ein kluger Sensorbauer den nächsten Markt. Hesai findet ihn im Roboter. JD.com liefert die Stückzahlen dazu.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
In europäischen Lagern und Höfen zieht die Abhängigkeit von chinesischer Wahrnehmungstechnik an. Hersteller von Lieferrobotern und fahrerlosen Flurförderzeugen beziehen die entscheidenden Augen oft aus China, wo Hesai und RoboSense den Sensormarkt beherrschen. Die Debatte gleicht der um Solarmodule und Batteriezellen: Die Endmontage steht in Europa, die Schlüsselkomponente kommt aus Fernost. Was Physical AI konkret bedeutet, lässt sich am Lager gut nachvollziehen, wo etwa Quantum Dynamics an autonomer Intralogistik arbeitet.
Für deutschsprachige Entscheider heißt das zweierlei. Beim Einsatz von Robotik im Lager zählt die Herkunft der Sensorik und der Ersatzteilkette genauso wie beim Fahrzeug-Lidar, wo derselbe Anbieter seine Fahr-KI zur physischen KI ausbaut. Für Komponentenhersteller wiederum ist die Robotik-Sensorik ein Feld, das China noch nicht endgültig besetzt hat.
Der JD.com-Pakt ist für Hesai mehr als ein weiterer Kunde und verschiebt das Geschäftsmodell vom umkämpften Fahrzeugmarkt in die junge Robotik. Unternehmen in der DACH-Region sollten die Sensor-Lieferkette ihrer autonomen Logistik jetzt bewerten, bevor die Abhängigkeit zur Selbstverständlichkeit wird.
Häufige Fragen zum Roboter-Lidar von Hesai
Was ist ein Roboter-Lidar?
Ein Lidar ist ein Laser-Sensor, der die Umgebung dreidimensional vermisst. Ein Roboter-Lidar ist darauf ausgelegt, Maschinen wie Lieferroboter oder fahrerlose Transporter räumlich sehen zu lassen. Hesais JT-Serie deckt ein Sichtfeld von 360 mal 189 Grad ab und lässt damit kaum einen toten Winkel.
Warum kooperiert Hesai mit JD.com?
JD.com betreibt eine der größten Logistikflotten Chinas mit fahrerlosen Lieferwagen und Robotern. Hesai liefert die Sensorik dafür und gewinnt einen Abnehmer mit hohen Stückzahlen. Für Hesai öffnet der Pakt eine neue Wachstumsachse jenseits des Preiskriegs im Auto-Lidar.
Was bedeutet Hesais Robotik-Wende für Europa?
Europäische Lager und Höfe setzen zunehmend auf Physical AI, also Roboter, die ihre Umgebung erfassen und darin handeln. Die entscheidende Wahrnehmungssensorik kommt dabei überwiegend aus China, wo Hesai und RoboSense den Markt beherrschen. Unternehmen sollten diese Abhängigkeit und die Ersatzteilkette prüfen.
Quellen
[1] Jiemian: „Hesai und JD.com vereinbaren neue strategische Kooperation für die Physical AI“
[2] Hesai Group: „Hesai Group Reports Second Quarter 2026 Unaudited Financial Results“
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