Ein handtellergroßes Radar für rund 434 € macht sichtbar, was sonst unbemerkt durch die Luft fliegt: WLAN-Signale, versteckte Kameras und Drohnen. Das quelloffene QuadRF bringt Technik, die lange Geheimdiensten vorbehalten war, in die Reichweite von Sicherheitsteams und Bastlern.

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Das QuadRF hat der US-Entwickler Martin McCormick zu einer phasengesteuerten Antenne geschrumpft, die in eine Hand passt. Dahinter steckt kein Militärbudget, sondern eine Crowdfunding-Kampagne und offener Quellcode. Genau das macht die Sache für Unternehmen interessant und heikel zugleich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das QuadRF ist ein Open-Source-Radar auf Basis eines Raspberry Pi 5, das Funkquellen zwischen 4,9 und 6 GHz als farbige Flecken sichtbar macht.
  • Ein Grundkit kostet ab 499 US-Dollar, umgerechnet rund 434 €, und wird über Crowd Supply angeboten.
  • Im unabhängigen Test hat das Gerät eine DJI-Drohne am Himmel und fremde WLAN-Netze hinter Wänden aufgespürt.
  • Für die Drohnenabwehr taugt es nur begrenzt, weil es ausschließlich funkende Ziele in einem schmalen Frequenzband erkennt.

Was steckt in dem 434-Euro-Radar?

Hand hält graues Gerät mit Antenne an Wand, Zettel „Unsichtbar?“, orange Funksymbole
QuadRF nutzt vier kohärente Antennen und Laufzeitunterschiede zur Funkquellenortung, verarbeitet Signale mit FPGA und Raspberry Pi 5 im Pikosekundenbereich

Das QuadRF misst mit vier kohärenten Antennen die winzigen Laufzeitunterschiede eines Funksignals und errechnet daraus, aus welcher Richtung es kommt. Ein FPGA und ein Raspberry Pi 5 übernehmen die Signalverarbeitung mit einem Timing im Pikosekundenbereich. Beim Einschalten spannt der Pi einen WLAN-Hotspot auf, im Browser erscheint ein Augmented-Reality-Bild, das Funkquellen zwischen 4,9 und 6 GHz als farbige Flecken über das Kamerabild legt.

Der Anbieter ScaleRF verkauft das Grundkit ab 499 US-Dollar über Crowd Supply[1]. McCormick, früher im SpaceX-Team der Starlink-Antenne, entwickelt das Gerät als Ableger eines größeren Vorhabens: einer mondtauglichen Antennengruppe für Funkexperimente.

Warum die Drohnenabwehr damit nicht gelöst ist

Phasengesteuerte Radare sind nichts Neues, die Technik steckt seit den 1960er-Jahren in militärischen Systemen. Neu ist der Preis. Der Technik-Blogger Jeff Geerling hat ein Vorserienmodell getestet und damit sowohl fremde WLAN-Netze hinter Wänden als auch eine DJI-Drohne am Himmel aufgespürt[2].

Für eine echte Drohnenabwehr reicht das trotzdem nicht. In der Diskussion auf Hacker News wenden Fachleute ein, dass das Gerät nur ein schmales Band um 5,8 GHz sieht. Drohnen auf 900 MHz, mit Mobilfunk oder rein autonomer Kamera-Navigation bleiben unsichtbar, und die vorgeschriebene Fernkennung Remote ID lässt sich mit einem 75-Dollar-Bauteil fälschen. Dass Roboter und Drohnen längst zum Entscheiderthema geworden sind, zeigt der Robotik-Überblick 2026.

Ein Radar für 434 Euro macht keine Behörde arbeitslos, aber es verschiebt die Grenze des Machbaren nach unten. Die bequeme Annahme, Funküberwachung sei teuer und selten, ist damit hinfällig.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
QuadRF: Funküberwachung für 434 Euro
Was das quelloffene Radar leistet und wo seine Grenzen liegen
434 €
Preis des Grundkits
ab 499 US-Dollar, angeboten über Crowd Supply
4,9–6 GHz
Frequenzbereich
nur das C-Band, kein 900-MHz- oder Mobilfunk
4 Antennen
Kohärente Messung
auf Raspberry Pi 5 und FPGA, Timing im Pikosekundenbereich
5,8 GHz
Sichtbare Drohnen
autonome oder mobilfunkgesteuerte Modelle bleiben unsichtbar

Warum das zählt: Im Oktober 2025 haben Drohnensichtungen den Flughafen München zweimal binnen 24 Stunden lahmgelegt. Bezahlbare Funktechnik verändert, wer solche Signale aufspüren kann.

Was bedeutet das für Sicherheitsverantwortliche im DACH-Raum?

Wie ernst das Thema hierzulande ist, hat der Oktober 2025 gezeigt: Drohnensichtungen haben den Flughafen München zweimal binnen 24 Stunden lahmgelegt, Tausende Passagiere sind gestrandet. Behörden und Konzerne rüsten deshalb bei der autonomen Drohnenabwehr auf.

Rechtlich heikel wird der zweite Anwendungsfall. Das Fernmeldegeheimnis verbietet in Deutschland das Mitlesen fremder Funkkommunikation, das reine Aufspüren von Sendern dagegen nicht. Für die Praxis heißt das: Verlassen Sie sich bei Drohnen nicht auf ein einzelnes Funkgerät, und nutzen Sie günstige SDR-Technik gezielt, um versteckte Kameras und fremde Access Points im eigenen Netz aufzuspüren.

Der Trend zu offener Funk-Hardware macht beides billiger. Für alle, die ihre eigene Funkumgebung verstehen wollen, gibt es mit dem QuadRF erstmals bezahlbares Werkzeug.

Quellen

[1] ScaleRF: „QuadRF“ (Crowd Supply)

[2] Jeff Geerling: „QuadRF can spot drones and see WiFi through my wall“

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