Die Münchener Rück baut ihr Cybergeschäft aus und warnt zugleich vor der eigenen Wachstumsquelle: Künstliche Intelligenz senkt die Kosten eines Angriffs und hebt seine Zahl. Für den globalen Cybermarkt rechnet der Rückversicherer bis 2030 mit rund 24 Milliarden Euro an Prämien. Fast neun von zehn befragten Führungskräften halten ihr eigenes Unternehmen für schlecht geschützt.

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Über 9.500 Führungskräfte aus 20 Ländern hat die Münchener Rück für ihre neue Cyberstudie befragt, und das Bild fällt zwiespältig aus. Der Rückversicherer verdient glänzend an Cyberpolicen, warnt aber davor, dass künstliche Intelligenz Angriffe billiger und häufiger macht. Für deutsche Entscheider zählt dabei weniger die Prämie als die Frage, ob ihr Schutz zur neuen Bedrohungslage passt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frequenz statt Wucht: KI verbilligt Phishing und Deepfakes, treibt aber vor allem die Zahl der Vorfälle, weniger ihre Schwere.
  • Wachsender Markt: Der globale Cyberversicherungsmarkt steigt laut Münchener Rück von rund 13 Milliarden Euro 2025 auf etwa 24 Milliarden Euro bis 2030.
  • Große Schutzlücke: Fast neun von zehn befragten Führungskräften fühlen sich unzureichend geschützt, und die meisten Vorfälle treffen kleine und mittlere Betriebe.
  • Lieferkette als Einfallstor: Mehr als zwei Drittel großer Organisationen meldeten binnen zwölf Monaten einen Vorfall über einen Dienstleister.

Warum macht KI den Cyberangriff billiger?

Maschine fertigt Angelhaken in Serie; Zettel mit Aufschrift „Phishing 2026“ angeklebt
KI automatisiert Arbeit, erstellt täuschend echte Deepfakes und Phishing-Mails. Agentische KI wird eigenständig mehrstufige Angriffe steuern und aus Abwehrreaktionen lernen

Künstliche Intelligenz automatisiert die Arbeit, die früher Menschen erledigten. Die Technik erzeugt Deepfakes und täuschend echte Phishing-Mails in Serie, Sprache und Absender wirken dabei überzeugend echt. Die Münchener Rück erwartet, dass sogenannte agentische KI mehrstufige Angriffe eigenständig steuert, Schwachstellen ausnutzt und aus Abwehrreaktionen lernt.[2] Der Effekt trifft zunächst die Häufigkeit der Angriffe, weniger ihre Zerstörungskraft.

Neu ist diese Angriffsklasse nicht, wohl aber ihr Tempo. Wie sich Betriebe davon nicht lähmen lassen, ordnet der Beitrag Ruhe bewahren statt vor KI-Angriffen zu zittern ein.

Die Münchener Rück verkauft die Cyberpolice und liefert die Bedrohungsanalyse gleich mit. Für den Mittelstand zählt weniger die neue Angriffstechnik als die nüchterne Frage, ob die eigene Police Schäden durch KI-gestützte Angriffe überhaupt abdeckt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Warum wächst der Cybermarkt und die Schutzlücke zugleich?

Dieselbe Bedrohung, die den Markt antreibt, lässt viele Betriebe ungeschützt. Den globalen Cyberversicherungsmarkt beziffert die Münchener Rück für 2025 auf rund 13 Milliarden Euro und erwartet bis 2030 etwa 24 Milliarden Euro, ein jährliches Wachstum von rund 15 Prozent.[1] Zugleich bleibt der Schutz dünn, vor allem bei kleinen und mittleren Betrieben.

„Fast neun von zehn Führungskräften halten ihr Unternehmen für nicht ausreichend geschützt“, sagt Jürgen Reinhart, Chief Underwriter Cyber der Münchener Rück. Ähnliche Töne kamen zuletzt von der Hannover Rück, die trotz fallender Preise höhere Cyber-Prämien verlangt. Zum Risiko werden zunehmend Dienstleister: Mehr als zwei Drittel großer Organisationen meldeten binnen zwölf Monaten einen Vorfall über Dritte, wie ihn das Berliner Datenleck im Landesnetz vorführte.

Was bedeutet das für deutsche Entscheider?

Die Prämie ist die kleinere Sorge, der Deckungsumfang die größere. Mit der NIS2-Richtlinie steigen die Sicherheitspflichten ohnehin, und die Haftung reicht bis in die Produktionshalle. Vor der Verlängerung der Cyberpolice klären drei Fragen den tatsächlichen Schutz:

  • Deepfake-Betrug: Deckt die Police Social Engineering und gefälschte Zahlungsanweisungen ab?
  • Lieferkette: Greift der Schutz auch bei Ausfällen über Dienstleister und Cloud-Anbieter?
  • Serienfall: Wie hoch ist die Selbstbeteiligung, sobald viele kleine Vorfälle zusammenkommen?

Die Technik allein schließt die Lücke nicht. Investitionen in KI-gestützte Abwehr, wie sie das Zero-Trust-Geschäft von Zscaler zeigt, ersetzen keine Police, die zur neuen Angriffsrealität passt. Der nächste Schritt ist konkret: die bestehende Cyberpolice gegen die vier oben genannten Risiken gegenlesen und den Deckungsumfang schriftlich bestätigen lassen. Die Basisarbeit bleibt Pflicht, wie sie die Cybersecurity-Grundlagen für KMU beschreiben.

KI und Cyberrisiko: die Zahlen der Münchener Rück 2026
Basis: über 9.500 Führungskräfte aus 20 Ländern
Künstliche Intelligenz verschiebt vor allem die Häufigkeit der Angriffe, weniger ihre Schwere.
24 Mrd. €
Prognose für den globalen Cybermarkt 2030, von rund 13 Mrd. € im Jahr 2025
15 %
durchschnittliches jährliches Marktwachstum von 2020 bis 2030
9 / 10
Führungskräfte fühlen sich unzureichend geschützt
2 / 3
große Organisationen mit einem Vorfall über Dritte binnen zwölf Monaten

FAQ: Münchener Rück und die KI-Cyberrisiken

Was sind KI-Cyberschäden?

KI-Cyberschäden entstehen, wenn Angreifer künstliche Intelligenz einsetzen, um Attacken zu automatisieren, etwa für Deepfakes, gefälschte Webseiten oder maßgeschneiderte Phishing-Mails. Die Münchener Rück erwartet dadurch vor allem mehr Angriffe, nicht unbedingt schwerere.

Wie groß ist der Cyberversicherungsmarkt?

Die Münchener Rück beziffert den globalen Cyberversicherungsmarkt für 2025 auf rund 13 Milliarden Euro und erwartet bis 2030 etwa 24 Milliarden Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 15 Prozent seit 2020.

Warum ist der Mittelstand besonders gefährdet?

Fast neun von zehn befragten Führungskräften fühlen sich unzureichend geschützt, und die meisten Vorfälle treffen kleine und mittlere Betriebe. Diese unterschätzen häufig ihre digitale Angriffsfläche und schließen zu selten eine passende Cyberpolice ab.

Was hat NIS2 mit der Cyberversicherung zu tun?

NIS2 verpflichtet viele Unternehmen zu strengeren Sicherheitsmaßnahmen und dehnt die Haftung auf die Geschäftsleitung aus. Eine Cyberpolice ersetzt diese Pflichten nicht, kann aber die finanziellen Folgen eines Vorfalls abfedern; beides gehört zusammen geprüft.

Quellen

[1] Münchener Rück: „Global Cyber Risk and Insurance Survey 2026“

[2] Münchener Rück: „Cyber insurance: Risks and trends 2026“

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