Malware über geteilte ChatGPT- und Claude-Chats.

Michael Dobler
Autor Dr. Web
2 Min. Lesezeit
Malware über geteilte ChatGPT- und Claude-Chats.

Angreifer missbrauchen die Funktion geteilter Konversationen bei ChatGPT und Claude, um Schadsoftware zu verbreiten. Der Trick ist heikel, weil die Links auf den echten Domains chatgpt.com und claude.ai liegen.

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Beide Plattformen erlauben es, Chats per öffentlichem Link zu teilen. Über bezahlte Google-Suchanzeigen landen Nutzer dann in präparierten Chats. Da die Adresse zu einem vertrauenswürdigen Anbieter gehört, schlagen Web-Filter und Firewalls keinen Alarm, und auch Menschen vertrauen dem Inhalt eher. Das Sicherheitsunternehmen Push Security nennt die Technik „LLMShare“.

Das Wichtigste in Kürze

  • Angreifer schalten Google-Anzeigen auf Suchbegriffe wie „ChatGPT download“ und leiten auf echte Share-Links.
  • Eine Variante baut über die Code-Rendering-Funktion eine komplette gefälschte Fehlerseite direkt im geteilten Chat.
  • Bei Claude tarnen sich geteilte Chats als Apple-Support-Anleitungen mit schädlichen Terminal-Befehlen.
  • Weil die Ziel-URL echt ist, hilft selbst ein Blick auf die Adresse vor dem Klick nicht weiter.

Wie läuft der Angriff konkret ab?

Goldenes Echtheitssiegel mit Krone und Schrift, davor oranges Schild mit Wort
Gefälschte ChatGPT-Anzeigen leiten zu Malware: Nach dem Klick erscheint eine manipulierte Fehlermeldung, die zum Download einer schädlichen Desktop-App drängt

Wer auf eine der manipulierten Anzeigen klickt, sieht statt einer Unterhaltung eine nachgebaute Störungsmeldung. Diese behauptet, die Web-Version sei wegen hoher Last nicht verfügbar, und drängt zum Download einer Desktop-App. Die heruntergeladene Datei gibt sich als „ChatGPT for Desktop“ aus und wird auf VirusTotal als schädlich erkannt. Eine Besonderheit verschärft die Lage: Echte Besucher im Browser sehen die gefälschte Seite, automatische Scanner dagegen eine harmlose Variante. Diese bedingte Anzeige erschwert Sicherheitsteams die Analyse erheblich.

Die alte Faustregel, vor dem Klick auf die Adresszeile zu schauen, greift hier nicht mehr. Wenn der Angriff auf der echten Domain sitzt, schützt nur noch der Grundsatz, Software ausschließlich über die offizielle Herstellerseite zu beziehen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was sollten Unternehmen jetzt tun?

Tasse mit orangefarbenem Griff und Innenleben, bedruckt mit einem durchgestrichenen Sprechblasensymbol
Mitarbeitende sollten KI-Apps nur von offiziellen Anbieterseiten installieren und nie Terminal-Befehle aus geteilten Chats ausführen

Mitarbeitende sollten KI-Desktop-Apps nie über Suchanzeigen oder geteilte Chat-Links beziehen, sondern ausschließlich über die offizielle Anbieterseite. Terminal- oder PowerShell-Befehle aus einem geteilten Chat gehören grundsätzlich nicht ausgeführt, egal wie offiziell die Anleitung wirkt. Diese Masche reiht sich in das Muster der ClickFix-Angriffe ein, das wir im Kontext der aktuellen KI-Phishing-Welle bereits eingeordnet haben. Wer die Awareness im Team stärken will, findet konkrete Hebel in unserem Beitrag zu sicherer Unternehmenskommunikation. Die technische Analyse samt Indikatoren stammt von Push Security.

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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