Google Earth zeigt seit Jahren echte Satellitenbilder. Auf genau dieser Glaubwürdigkeit baute die neue KI-Bildgenerierung Nano Banana 2 auf, mit der Nutzer per Textbefehl jeden Ort verändern konnten. Einen Tag nach dem Start stoppte Alphabet die Funktion, nachdem Rechercheure damit eine Atomanlage in den Iran und ein zerstörtes Krankenhaus nach Gaza montiert hatten.

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Die KI-Bildgenerierung in Google Earth war rund 24 Stunden erreichbar, dann verschwand sie wieder. Ausgelöst hat den Rückzug kein technischer Defekt, sondern die Erkenntnis, wie mühelos sich echte Orte in gefälschte Krisenschauplätze verwandeln lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alphabet nahm die auf dem Modell Nano Banana 2 basierende Bildgenerierung in Google Earth am 31. Juli 2026 wieder vom Netz, einen Tag nach dem Start.
  • Das Werkzeug erzeugte fotorealistische Szenen auf Basis echter Satelliten-, Luft- und 3D-Aufnahmen jedes beliebigen Ortes.
  • Das SynthID-Wasserzeichen sollte Fälschungen kenntlich machen, doch Googles eigener Gemini erkannte das Wasserzeichen im Test nicht zuverlässig.
  • Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 des EU AI Act, dass KI-erzeugte oder manipulierte Bilder klar als solche gekennzeichnet werden.

Was konnte die KI-Funktion in Google Earth?

Ein Globus mit aufgeklebtem Landschaftsfoto und Zettel „FÄLSCHUNG“ vor grauem Hintergrund
Google präsentierte am 30. Juli 2026 eine KI-Funktion, die Nutzer per Textbefehl fotorealistische Szenen in Satelliten- und 3D-Ansichten einfügt

Google stellte die Funktion am 30. Juli 2026 in der Browser-Version vor. Nutzer tippten einen Textbefehl für einen beliebigen Punkt der Erde. Das Modell Nano Banana 2 rechnete daraufhin eine fotorealistische Szene in die vorhandene Satelliten-, Luft- oder 3D-Ansicht, wie sie auch in KI-generierten Filmen entsteht. Für Planung und Unterricht war das gedacht.

Der OSINT-Rechercheur Henk van Ess zeigte binnen Stunden die Kehrseite. Sein Werkzeug setzte Flüchtlinge an die mexikanische Grenze, eine Atomanlage in den Iran, einen tödlichen Unfall auf eine Amsterdamer Straße und ein bombardiertes Krankenhaus nach Gaza. Keiner der Befehle wurde abgelehnt.[1]

Warum ein Wasserzeichen die Fälschung nicht stoppt

Google verwies zur Verteidigung auf SynthID, ein unsichtbares Wasserzeichen, das jedes erzeugte Bild markiert und sich über Gemini oder die Google-Suche prüfen lässt. Der Schutz greift allerdings erst, wenn jemand aktiv nachprüft. Ein Screenshot wandert ohne Kontext durch die sozialen Netze, und die wenigsten Betrachter starten eine Rückwärtssuche.

Schwerer wiegt ein zweiter Befund: Gemini erkannte im Test das eigene Wasserzeichen nicht und meldete, verlässliche Signale zur Herkunft fehlten. Die eigentliche Gefahr generativer Bildmodelle liegt tiefer, denn Satellitenbilder gelten als nüchterner Beleg, fast als Beweis. Eine Fälschung auf dieser Grundlage wirkt darum sofort glaubwürdig. Van Ess formulierte das drastisch: „Die Fälschung muss für sich genommen nicht überzeugen. Sie erbt die Glaubwürdigkeit der Karte, auf der sie entsteht.“

Satellitenbilder waren das letzte Bildformat, dem man noch ohne Zweifel glaubte. Ohne belastbare Kennzeichnung setzt ein Anbieter diese Gewissheit leichtfertig aufs Spiel.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Google Earth: 24 Stunden bis zum Rückzug
Wie schnell aus einer KI-Funktion ein Deepfake-Risiko wurde
24 h
live in Google Earth
Start am 30., Stopp am 31. Juli 2026
0
abgelehnte Befehle
Iran-Atomanlage, Gaza-Krankenhaus und Amsterdam-Unfall entstanden ohne Sperre
SynthID
Wasserzeichen unsichtbar
Googles eigener Gemini erkannte die Herkunft im Test nicht
Art. 50
EU-Kennzeichnungspflicht
gilt seit dem 2. August 2026 für KI-erzeugte Bilder

Was die neue EU-Kennzeichnungspflicht jetzt verlangt

Der Rückzug fällt mit einer neuen Rechtslage zusammen. Seit dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 des EU AI Act, der Anbieter verpflichtet, KI-erzeugte oder manipulierte Bilder maschinenlesbar und für Nutzer erkennbar zu kennzeichnen. Ein unsichtbares Wasserzeichen wie SynthID erfüllt die maschinelle Seite, die sichtbare Erkennbarkeit für den Betrachter bleibt offen. Das europäische Digitalrecht greift zunehmend in Produktentscheidungen ein, zuletzt beim Mitnehmen von KI-Sitzungen.

Der Rückzug reiht sich in ein Muster. Schon Anfang 2024 setzte Google die Personendarstellung in Gemini aus, nachdem das Modell historische Szenen verfälscht hatte. Google verspricht nun stärkere Schutzmechanismen, doch menschliche Kontrolle in KI-Systemen stößt selbst an Grenzen. Auch bei Metas KI-Brille prüft die Hamburger Datenschutzbehörde bereits ein Verbot.

Für Entscheider im DACH-Raum zählt zweierlei. Marketing- und Medienteams, die generative Bildwerkzeuge einsetzen, brauchen ab sofort eine sichtbare Kennzeichnung im Bild oder in der Bildunterschrift. Redaktionen, Versicherer und Behörden, die Satellitenaufnahmen prüfen, sollten deren Herkunft künftig aktiv verifizieren, statt dem bloßen Anschein zu trauen.

Quelle

[1] Digital Digging (Henk van Ess): „Nano Banana 2 removed from Google Earth“

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