Die Kostenanzeige in Cursor nennt seit dem 31. Juli 2026 nur noch Token statt Beträge. Eine Million Ausgabe-Token kostet in derselben Oberfläche mal 1,09 €, mal 26 €, je nach gewähltem Modell. Die Umrechnung in Euro übernimmt ab sofort der Kunde selbst.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKevin Neilson vom Cursor-Team hat die Bitte um eine Rückkehr zur alten Ansicht knapp beschieden: Für Einzeltarife existiert kein Schalter zurück zu den Geldbeträgen.[1] Cursor begründet den Schritt damit, dass die früher angezeigten Beträge über dem Abo-Preis lagen und Kunden verwirrten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Nutzungsseite von Cursor zeigt seit Ende Juli nur noch Tokenzahlen, auch im CSV-Export und rückwirkend für ältere Zeiträume.
- Als Rechengröße taugt der Token kaum: In Cursors eigener Preisliste liegen die teuerste und die günstigste Million Ausgabe-Token um den Faktor 24 auseinander.
- Firmenchef Michael Truell hatte im Sommer 2025 nach einer misslungenen Preisumstellung ausdrücklich mehr Sichtbarkeit im Dashboard zugesagt.
- Ein deutsches Preisrecht greift hier nicht, denn die Preisangabenverordnung regelt allein Preisangaben gegenüber Verbrauchern.
Warum sagt eine Tokenzahl nichts über die Kosten?

Zwei Guthabentöpfe. Cursor trennt die hauseigenen Modelle Composer 2.5 und Grok 4.5 von den Fremdmodellen, die zu API-Raten gegen ein monatliches Guthaben laufen. Der Pro-Tarif kostet rund 17 € und enthält ein Guthaben in gleicher Höhe, der Ultra-Tarif rund 174 € bei 348 € Guthaben.[2] Weil dieses Guthaben zu API-Raten abgerechnet wird, lag der ausgewiesene Verbrauch regelmäßig über dem Rechnungsbetrag, und genau diese Doppeldeutigkeit nennt Cursor als Grund für die Umstellung.
Preisspanne je Modell. In Cursors Modell-Liste stehen über 40 Modelle mit jeweils eigenen Preisen. Eine Million Ausgabe-Token kostet bei GPT-5.4 Nano rund 1,09 €, bei Claude Opus 5 rund 21,75 € und bei GPT-5.5 rund 26 €.[3] Zwei Entwickler mit identischer Tokenzahl bekommen also völlig verschiedene Rechnungen. Schon zwischen zwei Werkzeugen schwankt der Verbrauch erheblich, wie der Vergleich zeigt, bei dem Claude Code 33.000 Token vor dem ersten Prompt sendet und OpenCode nur 7.000. Bei autonom arbeitenden Agenten wächst der Verbrauch noch einmal deutlich.
Was hatte Cursor 2025 zugesagt?
Das alte Versprechen. Im Juni 2025 stellte Cursor den Pro-Tarif von 500 Anfragen auf ein Guthabenmodell um und erntete heftige Kritik. Firmenchef Michael Truell schrieb danach: „Wir erkennen an, dass wir diese Preisumstellung nicht gut gehandhabt haben, und das tut uns leid.“ Cursor erstattete überraschende Rechnungen aus dem Zeitraum vom 16. Juni bis zum 4. Juli und kündigte „zusätzliche Sichtbarkeit im Cursor-Dashboard“ an.[4]
Ein bekanntes Muster. Gut ein Jahr später verschwindet genau diese Sichtbarkeit wieder. Der Schritt passt zur Bewegung im übrigen Markt, denn auch der Gesprächsverlauf lässt sich bei den großen KI-Anbietern kaum noch mitnehmen. Preisdruck kommt derweil von unten, etwa durch Zhipus GLM Coding Plan für rund 15 € im Monat. Ein Preisvergleich zwischen den Anbietern braucht Beträge, keine Tokenzahlen.
Eine Tokenzahl ohne Modellpreis ist für den Einkauf wertlos. Cursor verschiebt die Kalkulation damit vom Anbieter zum Kunden, obwohl die Preisliste im eigenen Haus liegt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Diese Rechnung bleibt an Ihnen hängen
Der CSV-Export nennt weiterhin Tokenzahlen je Modell. Multipliziert mit der veröffentlichten Preisliste ergibt das den Betrag, den die Oberfläche nicht mehr anzeigt.
Was bedeutet das für Teams im DACH-Raum?
Kein Preisrecht greift. Die Preisangabenverordnung regelt nach § 1 ausdrücklich nur die Angabe von Preisen gegenüber Verbrauchern.[5] Für ein Firmenabo besteht damit keine gesetzliche Pflicht, laufende Kosten in der Oberfläche auszuweisen. Die Kontrolle bleibt Sache des Einkaufs.
Was jetzt hilft. Im Team-Konto setzen Administratoren ein monatliches Ausgabenlimit und beobachten die Nutzung teamweit.[6] Der CSV-Export liefert weiterhin Tokenzahlen je Modell; multipliziert mit der veröffentlichten Preisliste ergibt das den Betrag, den die Oberfläche nicht mehr nennt.
Quellen
[1] Cursor Community Forum: „Usage page to token amount, what?“
[2] Cursor: Tarife und enthaltenes Guthaben
[3] Cursor: Modell-Übersicht mit Token-Preisen
[4] Cursor, Michael Truell: „Clarifying our pricing“
[5] Bundesministerium der Justiz: Preisangabenverordnung, § 1 Anwendungsbereich
[6] Cursor: Team-Verwaltung und Ausgabenlimits
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