Acht Billionen Euro sollen die Bundesbürger besitzen. Die Zahl stimmt seit Jahren nicht mehr. Sauber gerechnet sind es über 18 Billionen (18.000.000.000.000). Trotzdem fühlen sich viele knapp bei Kasse. Wie passt das zusammen?
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Vermögen der Deutschen wird in Schlagzeilen gern mit „acht Billionen Euro“ beziffert. Diese Zahl hat sich verselbstständigt, taucht in Talkshows, Studien und Sonntagsreden auf, und niemand fragt mehr nach, woher sie stammt.
Wir haben nachgerechnet. Die ehrliche Zahl liegt deutlich höher als die Schlagzeile. Verteilt auf 41 Millionen Haushalte sieht das Bild allerdings ganz anders aus, und genau diese Schieflage erklärt, warum sich so viele Bundesbürger trotz aller Statistik nicht reich fühlen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das reine Geldvermögen der privaten Haushalte hat im dritten Quartal 2025 mit 9.389 Milliarden Euro einen neuen Rekord erreicht. Die DZ Bank rechnet für Jahresende 2025 mit gut zehn Billionen.
- Hinzu kommen rund 6,4 Billionen in Wohnimmobilien und weitere 4,9 Billionen in Bauland.
- Nach Abzug der Schulden von rund 2,15 Billionen ergibt sich ein Nettoprivatvermögen von rund 18,6 Billionen Euro, sofern Betriebsvermögen ausgeklammert bleibt.
- Pro Haushalt ergibt das rechnerisch 454.000 Euro Vermögen im Mittel, aber der Median liegt bei nur 103.100 Euro. Die Hälfte aller Haushalte besitzt weniger.
- Wer in der eigenen Eigentumswohnung sitzt und 30.000 Euro Tagesgeld hat, gilt statistisch als vermögend, fühlt sich am Monatsende aber häufig nicht so. Dieses Paradox lösen wir auf.
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1 Wie hoch lag das Geldvermögen der deutschen Privathaushalte im dritten Quartal 2025? Aufklappen ↓
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2 Was misst der Mittelwert im Unterschied zum Median? Aufklappen ↓
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3 Wie hoch ist das Medianvermögen der deutschen Haushalte laut PHF-Studie 2023? Aufklappen ↓
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4 Ab welchem Nettovermögen gehört ein Haushalt in Deutschland zu den vermögendsten zehn Prozent? Aufklappen ↓
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5 Welcher Anteil des deutschen Geldvermögens liegt auf Sichteinlagen wie Tagesgeld und Girokonto? Aufklappen ↓
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6 Wie hoch lag das in Wohnbauten investierte Vermögen der Privathaushalte Ende 2022? Aufklappen ↓
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7 Was misst der Gini-Koeffizient? Aufklappen ↓
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8 Wie hoch sind die gesamten Schulden der deutschen Privathaushalte? Aufklappen ↓
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9 Welcher Anteil des deutschen Privatvermögens steckt in Wohnimmobilien und Bauland? Aufklappen ↓
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10 Welche Vermögensart wird in der Dr.-Web-Rechnung bewusst nicht als Privatvermögen mitgezählt? Aufklappen ↓
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Was zählt eigentlich als Vermögen?

Vermögen klingt nach einer einfachen Sache: Was man hat, abzüglich dessen, was man schuldet. In der Realität liegt der Teufel im Detail, weil sehr unterschiedliche Werte unter denselben Begriff fallen. Eine saubere Definition braucht drei Töpfe.
Topf eins: das Geldvermögen.
Hierunter fällt alles, was bei Banken, Versicherungen oder am Kapitalmarkt liegt. Bargeld unter der Matratze, 5.000 Euro auf dem Girokonto, 30.000 Euro Tagesgeld bei der Comdirect, 50.000 Euro Festgeld bei der DKB, ein Aktiendepot mit zehn Apple-Anteilen und einem ETF, der Bausparvertrag aus den Neunzigern, die Lebensversicherung, Riester, Anteile an einem offenen Immobilienfonds.
Alles, was sich theoretisch innerhalb weniger Tage in Bargeld verwandeln lässt, gehört in diesen Topf.
Topf zwei: das Immobilienvermögen
Hierunter fallen Wohnbauten und Grundstücke. Die selbstgenutzte 80-Quadratmeter-Eigentumswohnung in Köln-Sülz. Das 180-Quadratmeter-Reihenhaus am Stadtrand. Die vermietete Zwei-Zimmer-Wohnung als Altersvorsorge. Der unbebaute Bauplatz, der seit 1995 dem Opa gehört.
Alles, was buchstäblich auf einem deutschen Grundstück steht oder selbst dieses Grundstück ist.
Topf drei: sonstige Wertsachen
Auto, Schmuck, Münzsammlung, Oldtimer, geerbtes Silberbesteck. Statistisch klein, im Einzelfall manchmal relevant, im Gesamtbild eine Randnotiz.
Und dann ist da noch etwas, das wir bewusst draußen lassen: Das Betriebsvermögen.
Die Backstube der Familienbäckerei mit Öfen, Lieferwagen und Lagerhalle. Der Maschinenpark der Schlosserei. Die Arztpraxis mit Inventar und Patientenkartei. All das gehört formal Privatpersonen, ist aber gebunden, illiquide und volkswirtschaftlich eine andere Baustelle.
Diese Werte als „Vermögen“ mitzuzählen, verzerrt das Bild, sobald die Frage lautet: Wie reich sind die Deutschen privat?
| Vermögensart | Drin | Begründung |
|---|---|---|
| Bargeld, Konten, Sparbücher | ja | jederzeit verfügbar |
| Aktien, Fonds, ETFs | ja | börsentäglich liquidierbar |
| Versicherungs- und Pensionsansprüche | ja | rückkaufbar oder auszahlbar |
| Selbstgenutzte Wohnimmobilien | ja | verkäuflich, vererbbar |
| Vermietete Immobilien, Bauland | ja | klare Marktwerte |
| Auto, Schmuck, Sammlungen | ja | mit Einschränkungen |
| Bäckerei, Praxis, Maschinenpark | nein | gebundener Wert, schafft Arbeitsplätze und Gewerbesteuer |
| Anteile an nicht-börsennotierten Firmen | nein | illiquide, oft nicht marktbewertbar |
Diese Trennung ist der entscheidende Schritt, ohne den jede Vermögensrechnung wackelig bleibt. Wir verzichten bewusst auf rund 1,5 Billionen Euro Betriebsvermögen, weil uns das Privatbild interessiert.
Lesetipp: Die teuersten Sonderregelungen: 30 Baustellen im Sozialstaat und ihr fiskalisches Volumen
Woher kommt die 8-Billionen-Zahl überhaupt?

Die Schlagzeile „Deutsche Privathaushalte besitzen acht Billionen Euro“ hat ihren Ursprung in den Quartalszahlen der Deutschen Bundesbank zur sogenannten gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung. Diese Reihe erfasst das Geldvermögen aller Sektoren der Volkswirtschaft, darunter eben auch die privaten Haushalte.
Anfang 2022 lag dieser Wert tatsächlich bei rund 7,5 Billionen Euro. Im Verlauf des Jahres 2022 wuchs er weiter, durchstieß zwischenzeitlich die Acht-Billionen-Marke, und seitdem klebt diese Zahl wie ein zähes Etikett an deutschen Köpfen.
Was viele übersehen: Diese Zahl misst ausschließlich das Geldvermögen. Das ist die schmale Spalte aus Topf eins unserer Definition. Immobilien sind explizit nicht enthalten. Bauland ebenfalls nicht. Wer also „acht Billionen“ sagt und Hauseigentümer mitmeint, hat die Zahl missverstanden.
Hinzu kommt: Seit Anfang 2022 sind über 4 Jahre vergangen. Aktien sind gestiegen, Versicherungsansprüche sind angewachsen, Sparkonten praller gefüllt. Die Bundesbank meldet für das dritte Quartal 2025 inzwischen 9.389 Milliarden Euro Geldvermögen. Die Acht-Billionen-Zahl ist also nicht nur konzeptionell unvollständig, sondern auch faktisch veraltet.
Wo steht das Geldvermögen heute wirklich?

Der Sprung von Anfang 2022 bis Herbst 2025 entspricht einem Plus von rund einer Billion Euro innerhalb von dreieinhalb Jahren. Die Bundesbank führt das auf zwei Treiber zurück: einerseits eine fortgesetzt hohe Sparquote der Deutschen, die deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt, andererseits Bewertungsgewinne an den Kapitalmärkten, die vor allem 2024 deutlich ausfielen.
Die DZ Bank, deren Volkswirt Michael Stappel die Zahlen halbjährlich hochrechnet, erwartet für Jahresende 2025 bereits einen Wert von 10,03 Billionen Euro. Damit hätte das deutsche Geldvermögen erstmals die Zehn-Billionen-Marke überschritten.
Die DZ Bank prognostiziert weiteres Wachstum für 2026 auf rund 10,5 Billionen, getragen von einer stabilen Sparquote und moderaten Kursgewinnen.
Wichtig zur Einordnung: Diese Zahlen sind Bruttowerte. Schulden sind nicht abgezogen. Das Nettogeldvermögen, also Geldvermögen abzüglich aller Verbindlichkeiten der privaten Haushalte, lag im ersten Quartal 2025 bei 6.913 Milliarden Euro. Die Differenz zum Bruttowert sind die rund 2,15 Billionen Euro Schulden, die deutsche Haushalte überwiegend in Form von Wohnungsbaukrediten tragen.
Wie setzt sich das Geldvermögen zusammen?

Geldvermögen ist kein einziger großer Klumpen, sondern besteht aus vier sehr unterschiedlichen Bausteinen. Die Aufteilung sagt mehr über das Anlageverhalten der Deutschen aus als jede Umfrage.
| Baustein | Anteil am Geldvermögen | Was steckt drin |
|---|---|---|
| Bargeld und Einlagen | ca. 36 % | Girokonto, Tagesgeld, Festgeld, Sparbuch |
| Versicherungs- und Pensionsansprüche | ca. 35 % | Lebensversicherungen, private Renten, Pensionskassen |
| Aktien, Fonds, Wertpapiere | ca. 25 % | Aktiendepot, ETFs, Investmentfonds, Anleihen |
| Sonstiges | ca. 4 % | sonstige Forderungen |
Mehr als ein Drittel des Geldvermögens parkt also auf Konten, die kaum Zinsen tragen und von der Inflation real angefressen werden. Das ist eine deutsche Eigenheit. In den USA liegt der Aktienanteil am Privatvermögen mehr als doppelt so hoch. Auch die Niederländer und Skandinavier haben deutlich mutigere Portfolios.
Auf Nummer Sicher gehen…
Wir Deutschen lieben die Sicherheit der Sichteinlage, selbst wenn diese Sicherheit jedes Jahr ein paar Prozent Kaufkraft kostet.
Und die Immobilien? Wo sitzt das eigentliche Vermögen?

Wer nur das Geldvermögen betrachtet, hat den größten Teil des deutschen Reichtums übersehen. Das Sachvermögen der privaten Haushalte ist nach Daten der Bundesbank Ende 2022 auf rund 12,4 Billionen Euro angewachsen, und der Hauptbestandteil ist Beton und Boden.
Allein das in Wohnbauten investierte Vermögen lag Ende 2022 bei 6,4 Billionen Euro, der Posten „bebautes Land“ bei weiteren 4,9 Billionen Euro. Hinzu kommen rund eine Billion in Form von Nichtwohnbauten und sonstigem Sachvermögen wie Fahrzeugen, Maschinen, Sammlungen und Schmuck. Ausgenommen, wie eingangs definiert, das Betriebsvermögen von Selbstständigen.
Die Bundesbank veröffentlicht das Sachvermögen nur jährlich und mit größerem zeitlichen Abstand als das Geldvermögen. Die letzten amtlichen Werte stammen aus Ende 2022. Angesichts der Preisentwicklung bei Wohnimmobilien dürfte der reale Wert heute eher höher liegen. Wir bleiben in unserer Rechnung trotzdem konservativ bei den offiziellen Zahlen, weil die Bundesbank-Reihe die anerkannte Primärquelle ist.
Ein Blick auf das Verhältnis lohnt sich: Auf jeden Euro Geldvermögen kommt in Deutschland etwas mehr als ein Euro Immobilienvermögen. Anders gesagt:
Das deutsche Privatvermögen steckt zu mehr als der Hälfte in Häusern, Wohnungen und Grundstücken.
18 Billionen: die Zahl, die niemand kennt

Mit dieser Aufschlüsselung lässt sich endlich eine ehrliche Gesamtrechnung aufmachen. Wir addieren das Geldvermögen, das in Wohnbauten investierte Vermögen, das Bauland und die sonstigen Sachwerte. Davon ziehen wir die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte ab. Betriebsvermögen lassen wir bewusst draußen.
| Position | Wert in Mrd. Euro |
|---|---|
| Geldvermögen (Bundesbank Q3/2025) | 9.389 |
| Wohnbauten (Bundesbank Ende 2022) | 6.400 |
| Bauland (Bundesbank Ende 2022) | 4.900 |
| Sonstige Sachwerte (Fahrzeuge, Schmuck, Sammlungen) | rund 1.000 |
| Bruttovermögen ohne Betriebsvermögen | rund 21.700 |
| Verbindlichkeiten (überwiegend Wohnungsbaukredite) | minus 2.150 |
| Nettoprivatvermögen | rund 19.500 |
Wir runden bewusst konservativ und sprechen im Artikel von „rund 18 Billionen Euro Privatvermögen“. Diese Vorsicht hat einen Grund: Die Sachvermögensdaten der Bundesbank stammen aus 2022, einige Werte schwanken stark mit der Marktbewertung, und einzelne Posten lassen sich nicht punktgenau abgrenzen.
Selbst mit dieser konservativen Rundung liegt die Zahl mehr als doppelt so hoch wie die immer noch herumgereichte Acht-Billionen-Schlagzeile. Die Wahrheit ist: Die Bundesbürger sitzen auf einem Vermögen in der Größenordnung von 18 bis 20 Billionen Euro. Ganz schön viel?
Wenn eine Zahl jahrelang weitergereicht wird, ohne dass jemand prüft, was sie eigentlich misst, dann verliert sie ihren Informationswert. Das Privatvermögen der Deutschen liegt heute realistisch über 18 Billionen Euro. Diese Zahl gehört in jede ehrliche Debatte über Wohlstand, Rente und Erbschaft, nicht die alte Schlagzeile aus dem Jahr 2022.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was hat der einzelne Haushalt davon?

18 Billionen Euro klingen beeindruckend groß. Geteilt durch die rund 41 Millionen Privathaushalte in Deutschland ergibt sich rechnerisch ein Vermögen von etwa 454.000 Euro pro Haushalt.
Zwei Personen leben durchschnittlich in einem deutschen Haushalt, in 41 Prozent aller Haushalte sogar nur eine. Aus rechnerisch 454.000 Euro Vermögen pro Haushalt werden deshalb nur 223.000 Euro pro Kopf. Beim Lesen jeder Vermögensstatistik gehört die Frage dazu: pro Haushalt oder pro Person?
Damit ist Deutschland eines der reichsten Länder der Welt. Und gleichzeitig ist diese Zahl ein Lügenmärchen.
Denn der Mittelwert, also die schlichte Division, ist die irreführendste Größe, die man bei einer schiefen Verteilung bilden kann. Steigen die Vermögen weniger sehr reicher Haushalte stark, hebt das den Mittelwert für alle, ohne dass sich für die Mehrheit etwas ändert.
Die deutlich ehrlichere Größe ist der Median. Er beschreibt das Vermögen jenes Haushalts, der genau in der Mitte der Verteilung steht. Eine Hälfte aller Haushalte besitzt mehr, die andere weniger.
Laut der Vermögensbefragung 2023 der Deutschen Bundesbank, der sogenannten PHF-Studie, lag dieser Median 2023 bei 103.100 Euro. Der Mittelwert in derselben Studie lag bei 324.800 Euro. Das Verhältnis aus beiden, 3,1, ist eines der höchsten in der Eurozone.
Übersetzt heißt das: Wer von „dem durchschnittlichen Deutschen mit über 300.000 Euro Vermögen“ spricht, redet von einer statistischen Erfindung. Den Median-Haushalt mit gut 100.000 Euro gibt es tatsächlich. Den Mittelwert-Haushalt gibt es nicht. Der entsteht erst, wenn die Spitzenvermögen mitgerechnet werden.
Eine weitere Zahl ist besonders aufschlussreich: Das Medianvermögen in Deutschland ist zwischen 2021 und 2023 inflationsbereinigt von 90.500 Euro auf 76.000 Euro gefallen.
Real haben die Haushalte in der Mitte der Verteilung also Vermögen verloren, obwohl die nominalen Zahlen gestiegen sind. Die Inflation hat das Sparbuch der Mittelschicht durchgepflügt.
Warum klafft Mittelwert und Median so weit auseinander?

Die Vermögensverteilung in Deutschland sieht aus wie der Eiffelturm: eine breite, flache Basis, ein dünner Schaft, eine winzige Spitze. Die obersten zehn Prozent der Haushalte besitzen rund 56 Prozent des gesamten Privatvermögens. Die untere Hälfte besitzt zusammen weniger als drei Prozent.
Der Gini-Koeffizient, das gängige Maß für Ungleichheit, liegt bei 0,72. Damit gehört Deutschland zu den vermögensungleichsten Ländern der Eurozone, vergleichbar nur mit Österreich.
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) hat die Verteilung 2025 nach Altersgruppen aufgeschlüsselt. Das Ergebnis zeigt eine zweite Ebene der Ungleichheit:
- Bei den unter 35-Jährigen liegt das Medianvermögen bei nur 17.300 Euro
- Bei den 55- bis 64-Jährigen liegt der Median bei 241.100 Euro
- Bei den über 75-Jährigen sinkt er wieder auf 172.500 Euro
Vermögensaufbau dauert in Deutschland ein Arbeitsleben. Erbe und Immobilienbesitz wirken als Vermögensbeschleuniger, fehlen aber bei jungen und einkommensschwachen Haushalten. Wer in einer Mietwohnung aufwächst, deren Eltern selbst zur Miete wohnten, startet ins Erwerbsleben ohne Polster und holt es selten auf.
Hier liegt der eigentliche Befund hinter unseren 18 Billionen: Die Summe ist gigantisch, ihre Verteilung ist erratisch. „Die Deutschen sind reich“ stimmt im Aggregat. „Der durchschnittliche Deutsche ist reich“ stimmt eben nicht.
Dazu serviert:
- Verschläft Deutschland die Wohneigentumsfrage?
- Was würde ein guter König mit der kranken Deutschland AG machen?
- Ruinieren Berufspolitiker den deutschen Mittelstand?
- Baurecht-Chaos kostet Deutschland 100.000 Wohnungen pro Jahr
Heißt Vermögen automatisch reich?

Auch wer Vermögen besitzt, fühlt sich häufig nicht so. Die Ökonomen haben einen Begriff dafür: asset rich, cash poor. Vermögend auf dem Papier, knapp bei Kasse im Alltag.
Wir machen es konkret an zwei Haushalten — einer alleinstehenden Rentnerin und einem jungen Paar. Beide gelten statistisch als wohlhabend, fühlen sich aber nicht so.
Frau Krüger, 72, Witwe, Bochum
Die Dame wohnt in einem 1968 erbauten Reihenhaus, das sie vor zwölf Jahren von ihrem Mann übernommen hat. Verkehrswert heute: 380.000 Euro. Schulden keine. Frau Krüger gehört statistisch zu den vermögensreichsten 30 Prozent der deutschen Haushalte. Ihre tatsächliche monatliche Rente: 1.180 Euro netto.
Die Heizkostenabrechnung in diesem Winter: 2.400 Euro. Sollte sie verkaufen und in eine altersgerechte Wohnung ziehen? Vom Verkaufserlös bleiben nach Maklerkosten und Umzug rund 350.000 Euro. Bei einer Warmmiete von 950 Euro für eine Zweizimmerwohnung in Bochum-Innenstadt ist dieser Betrag in gut 30 Jahren aufgezehrt. Frau Krüger ist statistisch reich und lebt knapp.
Familie Hartmann, beide Mitte 40, München-Sendling
Sie haben 2017 eine 95-Quadratmeter-Eigentumswohnung gekauft, finanziert über 25 Jahre. Marktwert heute: 720.000 Euro. Restschuld bei der Bank: 240.000 Euro. Nettovermögen aus der Immobilie: 480.000 Euro. Damit gehören die Hartmanns zu den oberen 15 Prozent der Vermögensverteilung.
Auf dem Tagesgeldkonto liegen 4.000 Euro als Reserve. Der Skoda ist sechs Jahre alt. Urlaub seit drei Jahren in Kroatien statt Italien, weil der Kindergartenbeitrag nach München-Mietniveau gestaltet ist. Sind die Hartmanns reich? Statistisch ja, gefühlt nein.
Drei Faktoren erklären diese Diskrepanz und gehören in jede ehrliche Vermögensdebatte:
Erstens unterscheiden sich liquides und gebundenes Vermögen fundamental. Tagesgeld lässt sich morgen früh abheben, eine selbstgenutzte Wohnung nicht. Beide Werte stehen in derselben Statistikspalte, fühlen sich aber komplett unterschiedlich an.
Zweitens entsteht durch Wohneigentum ein unsichtbarer Vorteil, den Ökonomen imputierte Miete nennen. Wer eine schuldenfreie Wohnung bewohnt, „spart“ pro Monat rund 1.500 Euro Warmmiete. Hochgerechnet auf 30 Jahre sind das 540.000 Euro, die nie als Vermögen erfasst werden, aber den Lebensstandard heben. Dieser Effekt ist statistisch unsichtbar und politisch unterschätzt.
Drittens zählen Schulden voll mit. Eine 720.000-Euro-Wohnung mit 240.000 Euro Restschuld ist eben keine 720.000-Euro-Wohnung, sondern ein Nettobesitz von 480.000 Euro. Wer Bruttozahlen liest und nicht weiß, dass der Hartmann-Haushalt der Bank noch 240.000 Euro schuldet, schätzt sie zu reich ein. Die Bundesbank rechnet in ihren Verteilungstabellen sauber netto, populäre Schlagzeilen tun das selten.
Eine letzte Ehrlichkeit: Von den 18 Billionen Privatvermögen stecken rund 11 Billionen in Wohnimmobilien und Bauland. Das ist mehr als die Hälfte, gebunden in Steinen, die ihre Bewohner nicht so einfach in Bargeld verwandeln. Wer Vermögen ausschließlich als Bankguthaben definiert, sieht ein deutlich knapperes Land vor sich. Beide Wahrheiten gelten.
Was bedeutet das für Sie als Unternehmer?

Aus diesen Zahlen lassen sich drei praktische Schlüsse ziehen, die in unternehmerischen Entscheidungen Relevanz haben.
Die deutsche Mittelschicht hat trotz Inflation und schwacher Konjunktur substanzielle Sparpolster. Über 9,4 Billionen Euro Geldvermögen, davon mehr als ein Drittel auf praktisch unverzinsten Sichteinlagen, sind ein gewaltiger Anlagestau. Anbieter für Sparpläne, ETF-Beratung und vermögenswirksame Modelle haben in diesem Markt jahrelang Platz. Die Wachstumshürde ist nicht das fehlende Geld, sondern die fehlende Bereitschaft zur Anlage.
Die Erbgeneration hat begonnen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten rund vier Billionen Euro Privatvermögen in Deutschland vererbt oder verschenkt werden. Ein erheblicher Teil davon sind Immobilien, die von einer Generation übernommen werden, die häufig nicht am Erbeort wohnt. Hieraus entsteht ein Markt für Immobilienverwaltung, Erbauseinandersetzung, energetische Sanierung und steuerliche Beratung. Wer diese Bedarfe heute aufbaut, wird in zehn Jahren am richtigen Tisch sitzen.
Die Diskrepanz zwischen Mittelwert und Median ist ein dauerhaftes politisches Pulverfass. Diskussionen über Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und Mietendeckel werden mit dieser Diskrepanz immer wiederkehren. Wer ein Unternehmen führt, das Anlageprodukte, Immobilien oder Vermögensberatung anbietet, sollte regulatorische Szenarien einkalkulieren. Die nächsten Bundestagswahlen werden auch über die Frage entschieden, wer von den 18 Billionen wie viel besitzen darf.
Glossar: 12 wichtige Begriffe rund um das Vermögen der Deutschen

Bruttovermögen
Bruttovermögen. Das gesamte Vermögen ohne Abzug von Schulden. Wer ein Haus für 500.000 Euro besitzt und 200.000 Euro Restschuld hat, weist ein Bruttovermögen von 500.000 Euro aus. In Schlagzeilen taucht oft diese Zahl auf.
Distributional Wealth Accounts (DWA)
Distributional Wealth Accounts. Die verteilungsbasierte Vermögensbilanz der Deutschen Bundesbank, die seit 2024 quartalsweise zeigt, wie sich Vermögen auf verschiedene Haushaltsgruppen verteilt. Sie ergänzt die rein aggregierten Zahlen der Finanzierungsrechnung.
Geldvermögen
Geldvermögen. Die Summe aus Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapieren und Ansprüchen gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen. Immobilien sind explizit nicht enthalten. Die Bundesbank veröffentlicht diese Zahl quartalsweise.
Gini-Koeffizient
Gini-Koeffizient. Ein Maß für die Ungleichheit einer Verteilung. Er nimmt Werte zwischen 0 (alle Haushalte haben gleich viel) und 1 (ein Haushalt hat alles) an. Für die deutsche Vermögensverteilung liegt der Wert bei 0,72.
Imputierte Miete
Imputierte Miete. Der unsichtbare Wertvorteil, den Wohneigentümer dadurch erzielen, dass sie keine Miete zahlen müssen. Statistisch nicht im Vermögen erfasst, aber im Lebensstandard sehr wirksam.
Mittelwert
Mittelwert. Das arithmetische Mittel aus allen Werten. Bei sehr ungleichen Verteilungen weniger aussagekräftig, weil einzelne sehr hohe Werte den Durchschnitt nach oben ziehen.
Median
Median. Der Wert, der die Verteilung in zwei gleich große Hälften teilt. Eine Hälfte der Haushalte besitzt mehr, die andere weniger. Bei schiefen Verteilungen die ehrlichere Kennzahl.
Nettogeldvermögen
Nettogeldvermögen. Das Geldvermögen abzüglich aller Verbindlichkeiten der privaten Haushalte. Lag im ersten Quartal 2025 bei rund 6,9 Billionen Euro.
Nettovermögen
Nettovermögen. Das gesamte Bruttovermögen abzüglich aller Schulden. Aussagekräftigste Größe für den tatsächlichen Wohlstand eines Haushalts.
P90
P90. Die Vermögensschwelle, ab der ein Haushalt zu den oberen zehn Prozent der Verteilung gehört. In Deutschland 2023 bei 777.200 Euro.
PHF-Studie
PHF-Studie. Die Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ der Deutschen Bundesbank, eine repräsentative Befragung zur Vermögenssituation deutscher Haushalte. Die fünfte Welle wurde 2023 erhoben, Ergebnisse 2025 veröffentlicht.
Sachvermögen
Sachvermögen. Alle physischen Vermögenswerte: Immobilien, Grundstücke, Fahrzeuge, Schmuck, Sammlungen, Maschinen. In Deutschland überwiegend bestehend aus Wohnbauten und Bauland.
Häufige Fragen zum Vermögen der Deutschen

Wie viel Vermögen besitzen die Deutschen wirklich?
Die privaten Haushalte in Deutschland besitzen zusammen rund 18 bis 20 Billionen Euro Nettovermögen, sofern Betriebsvermögen ausgeklammert wird. Das reine Geldvermögen lag im dritten Quartal 2025 bei 9.389 Milliarden Euro, die Wohnimmobilien bei rund 6,4 Billionen, das Bauland bei 4,9 Billionen. Abzüglich der Schulden von rund 2,15 Billionen ergibt sich ein Nettoprivatvermögen von etwa 18,6 Billionen Euro.
Was zählt eigentlich alles zum Vermögen?
Zum Vermögen zählen alle Werte, die ein Haushalt besitzt und theoretisch verkaufen, verschenken oder vererben könnte. Das umfasst Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere, Versicherungsansprüche, Immobilien, Bauland und Wertsachen wie Schmuck oder Autos. Schulden werden davon abgezogen, um das Nettovermögen zu errechnen. Betriebsvermögen von Selbstständigen wird in unserer Rechnung bewusst ausgeklammert.
Ab welchem Vermögen gilt man in Deutschland als reich?
Wer ein Nettovermögen von über 777.200 Euro besitzt, gehört laut der Vermögensbefragung 2023 der Deutschen Bundesbank zu den vermögendsten zehn Prozent der Haushalte. Wer über mehr als 1,2 Millionen Euro verfügt, gehört zu den oberen fünf Prozent. Die Schwelle zur Vermögensmillion erreichen in Deutschland aktuell rund 2,6 Millionen Personen.
Was bedeutet das Medianvermögen?
Das Medianvermögen beschreibt das Vermögen jenes Haushalts, der genau in der Mitte der Verteilung steht. In Deutschland lag dieser Wert 2023 bei 103.100 Euro. Eine Hälfte aller Haushalte besitzt mehr, die andere weniger. Der Median ist bei schiefen Verteilungen aussagekräftiger als der Mittelwert.
Warum erscheinen die Deutschen statistisch ärmer als andere Europäer?
Internationale Vergleiche der EZB zeigen Deutschland regelmäßig im hinteren Drittel beim Vermögen pro Kopf. Das liegt vor allem an drei Faktoren: niedrige Wohneigentumsquote von rund 47 Prozent, hohe Bedeutung der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente, deren Ansprüche nicht als Vermögen gezählt werden, sowie ungleiche Verteilung mit hohem Anteil vermögensloser Haushalte. Das RWI Essen schätzt, dass die nicht erfassten Rentenanwartschaften je Haushalt zusätzliche 195.000 Euro ausmachen würden.
Sind Schulden vom Vermögen abzuziehen?
Ja, jede ehrliche Vermögensrechnung zieht die Schulden eines Haushalts vom Bruttovermögen ab. Ohne diesen Abzug ergeben sich verzerrte Zahlen. Eine 500.000-Euro-Wohnung mit 300.000 Euro Restschuld ist faktisch ein Nettobesitz von 200.000 Euro. Die Bundesbank rechnet in ihren Verteilungstabellen sauber netto, in vielen Schlagzeilen wird das jedoch übersehen.
Quellen
Deutsche Bundesbank: Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im dritten Quartal 2025. bundesbank.de. Besucht am 22.05.2026.
Deutsche Bundesbank: Vermögen und Finanzen privater Haushalte in Deutschland, Ergebnisse der Vermögensbefragung 2023. publikationen.bundesbank.de. Besucht am 22.05.2026.
Deutsche Bundesbank: Vermögen in Deutschland steigen nominal, gehen aber real zurück. bundesbank.de. Besucht am 22.05.2026.
DZ Bank / WirtschaftsWoche: Privates Geldvermögen überschreitet 10-Billionen-Marke. wiwo.de. Besucht am 22.05.2026.
Institut der deutschen Wirtschaft Köln: Wer besitzt wie viel? Ein Vermögensvergleich nach Altersgruppen. iwkoeln.de. Besucht am 22.05.2026.
RWI Essen: Deutsche sind die armen Schlucker Europas. rwi-essen.de. Besucht am 22.05.2026.
Statistisches Bundesamt: Vermögen und Schulden. destatis.de. Besucht am 22.05.2026.