Ein schwedisches Gericht hat Google zu 1,3 Milliarden Euro Schadensersatz an die Klarna-Tochter PriceRunner verurteilt. Der Techkonzern soll seinen eigenen Preisvergleichsdienst über Jahre unrechtmäßig in den Suchergebnissen bevorzugt haben. Die Summe bleibt weit unter der ursprünglichen Forderung, zählt aber zu den höchsten Kartellrecht-Entschädigungen, die je in Schweden zugesprochen wurden.

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Das Patent- und Marktgericht Stockholm sprach der Preisvergleichsplattform PriceRunner die Entschädigung am 1. Juli 2026 zu, nach einem Verfahren, das sich über mehrere Jahre zog. Für deutsche Preisvergleichsportale und Onlinehändler ist das Urteil mehr als eine schwedische Randnotiz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google muss 14,3 Milliarden Kronen (1,3 Mrd. €) an PriceRunner zahlen
  • Die Klarna-Tochter hatte Google 2022 wegen jahrelanger Benachteiligung in der Suche verklagt
  • PriceRunner forderte ursprünglich rund 2,1 Milliarden Euro, zugesprochen wurde nur ein Teil davon
  • Google kündigt Berufung an und verweist auf Änderungen an Google Shopping seit 2017

Warum musste Google zahlen?

Geld- und Markenwägung auf einer goldfarbenen Waage mit einem Richterhammer
Google bevorteilte eigenen Shopping-Dienst systematisch, verdrängte Konkurrenten wie PriceRunner und verursachte ihnen erhebliche wirtschaftliche Schäden

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass PriceRunner durch die rechtswidrige Begünstigung von Googles eigenem Shopping-Dienst über viele Jahre wirtschaftlich geschädigt wurde. Googles Suchergebnisse hätten das hauseigene Vergleichsangebot systematisch nach oben gespült und Konkurrenten wie PriceRunner an sichtbare Positionen verdrängt. Diese Praxis kostete unabhängige Anbieter genau das, wovon ihr Geschäftsmodell lebt: organischen Traffic aus der Suche.

Der Fall stützt sich auf eine bereits gerichtlich geklärte Haftungsfrage. Der Europäische Gerichtshof hatte 2024 die Rekordstrafe der EU-Kommission von 2,42 Milliarden Euro aus dem Jahr 2017 bestätigt, die Google wegen des Missbrauchs seiner Marktmacht im Shopping-Bereich verhängt hatte. Stockholm musste damit nur noch die konkrete Schadenshöhe für PriceRunner bemessen, nicht mehr die Schuldfrage selbst.

Wie profitiert Klarna vom Urteil?

Ein rosafarbenes Sparschwein mit einem Label „Notgroschen für fika“, einem Ohrring und einer Münze
Klarna übernahm PriceRunner 2022 und profitiert nun finanziell vom Urteil gegen Google.

PriceRunner gehört seit 2022 zu Klarna, das die Vergleichstechnologie in seine Shopping-App integriert hat. Für Klarna ist das Urteil finanziell wie symbolisch ein Rückenwind. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel rund elf Prozent zu. Vom zugesprochenen Betrag bleibt am Ende jedoch deutlich weniger übrig, weil Steuern anfallen und Klarna die Erlöse mit früheren PriceRunner-Aktionären und einem externen Prozessfinanzierer teilen muss. Google hat außerdem bereits Berufung angekündigt.

Was bedeutet das Urteil für den deutschen Markt?

Ein Richterhammer auf Gesetzbüchern mit einem Preisschild, das 1,3 Milliarden Euro anzeigt
EU verhängt Kartellstrafe gegen Google wegen unfairer Ranking-Praktiken gegenüber Preisvergleichsportalen und Onlinehändlern

Der Fall reiht sich in eine wachsende Serie von Kartellstrafen gegen Google in Europa ein, darunter die parallele DMA-Prüfung wegen App-Store-Beschränkungen. Für deutsche Preisvergleichsportale, Marktplätze und Onlinehändler zeigt das Urteil, dass Google-Ranking-Praktiken auch nachträglich, Jahre nach dem eigentlichen Schaden, gerichtlich sanktioniert werden können. Wer als Betreiber eines Vergleichsdienstes seit Jahren Traffic-Einbrüche beobachtet, findet in Stockholm nun einen konkreten Präzedenzfall für eigene Ansprüche.

Ein Urteil über 1,3 Milliarden Euro ist kein Ausrutscher, sondern die logische Fortsetzung eines Musters, das die EU seit 2017 dokumentiert.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

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