
Zwei 23-Jährige schlagen Google DeepMind
Mobile-Entwicklung ist zehnmal langsamer als Web. Das französische Startup Minitap will das ändern und hat dafür 4,1 Millionen Dollar eingesammelt. Die Investorenliste liest sich wie ein Who’s Who der Tech-Szene.
Das Tempo-Problem der App-Entwicklung
Hand aufs Herz: Wann hat Ihr Mobile-Team zuletzt ein Feature so schnell ausgeliefert wie die Web-Kollegen? Während KI-Tools wie Cursor oder Claude die Webentwicklung revolutioniert haben, hinkt Mobile hinterher. Sechs Wochen dauert ein Feature durchschnittlich. Im Web sind es zwei Tage. Der Grund: KI-Assistenten können Mobile-Apps weder auf echten Geräten testen noch Fehler selbstständig beheben.
Der unwahrscheinliche Durchbruch
Nicolas Dehandschoewercker und Luc Mahoux-Nakamura lernten sich in Cosne-Cours-sur-Loire kennen, einem Dorf in Burgund. Heute, mit 23 Jahren, haben sie etwas geschafft, woran Forschungsteams von Google DeepMind, ByteDance, Microsoft und Alibaba gescheitert sind: In nur 40 Tagen erreichten sie Platz eins auf AndroidWorld, dem Industrie-Benchmark für KI-gesteuerte Mobilgeräte. „Wir haben zwei Jahre gebraucht, um unsere erste virale Mobile-App zu bauen. Diese Zeitspanne ist mir heute peinlich“, sagt Dehandschoewercker.
60 % der Internetnutzung findet mobil statt, aber die Entwicklung läuft mit 10 % der Web-Geschwindigkeit. Minitap schließt diese Lücke.
Nicolas Dehandschoewercker, Gründer Minitap
Die technische Innovation
Minitap kombiniert zwei Kernelemente. Erstens: mobile-use, ein Open-Source-Framework, das KI-Agenten Smartphones wie Menschen bedienen lässt. Zweitens: eine Cloud-Infrastruktur, die tausende Gerätekonfigurationen parallel bereitstellt. iOS oder Android, jede Version, jede Bildschirmgröße. Die KI schreibt Code, testet auf echten Geräten, erkennt Bugs, behebt sie selbst und liefert funktionierende Features autonom aus.
Das Kapital und die Köpfe dahinter
Die Seed-Runde über 4,1 Millionen Dollar führen Moxxie Ventures und Mercuri an. Bemerkenswert ist die Investorenliste: Thomas Wolf (Hugging Face, 4,5 Mrd. $ Bewertung), die FlixBus-Gründer Daniel Krauss, Jochen Engert und André Schwämmlein (3 Mrd. $ Bewertung) sowie Petter Made von SumUp (8 Mrd. $ Bewertung). Dazu kommen Operator von OpenAI, DeepMind und LangChain.
Wenn zwei 23-Jährige aus dem ländlichen Frankreich Google in 40 Tagen schlagen, erkennt man etwas Seltenes
Katie Jacobs Stanton, Moxxie Ventures
Der Markt ist bereit
Consumer-Apps wie Duolingo, Calm oder Hinge führen auf Web fünfmal mehr Experimente durch als auf Mobile. Nicht aus strategischen Gründen, sondern weil es schlicht zu lange dauert. „Die Unternehmen, die zehnmal mehr Experimente durchführen, werden ihre Märkte gewinnen“, erklärt Mahoux-Nakamura. Das Timing stimmt: Growth-Teams sollen künftig Features ohne Engineering-Abteilung ausliefern können.
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Verfügbarkeit und Ausblick
Minitap ist bereits im Einsatz bei Consumer-Mobile-Unternehmen. Der Workflow: Ein Produktmanager beschreibt ein Feature, liefert ein Figma-Design, und die KI generiert Code, testet und startet einen A/B-Test an einem Nachmittag. Langfristig plant das Team Apps, die sich selbst optimieren. Experimente durchführen, Nutzerverhalten analysieren, Hypothesen generieren, Varianten bauen, Ergebnisse messen. Alles ohne menschliches Zutun.
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