Waymo ruft 3.800 Robotaxis aus der eigenen Flotte zurück. Auslöser ist ein Software-Fehler, der laut Hersteller die Erkennung bestimmter Verkehrssituationen beeinträchtigt. Der Rückruf ist der größte in der bisherigen Geschichte autonomer Fahrdienste und betrifft praktisch die gesamte aktive US-Flotte des Alphabet-Tochterunternehmens.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWaren Sie schon einmal in einem Robotaxi? In San Francisco, Phoenix oder Los Angeles ist das längst Alltag. Wenn jetzt ausgerechnet die größte und am meisten gefeierte autonome Flotte der Welt komplett überarbeitet werden muss, ist das mehr als eine Software-Routine. Es ist ein Reality-Check für eine Branche, die in Deutschland gerade erst Pilotbetriebe startet.
Das Wichtigste in Kürze
- 3.800 Waymo-Robotaxis betroffen, größter Rückruf der Branche bisher
- Software-Glitch beeinträchtigt Erkennung bestimmter Verkehrssituationen
- Update wird per Over-the-Air-Patch ausgerollt, Flotte teilweise offline
- NHTSA-Untersuchung läuft, kommerzieller Betrieb in San Francisco, Phoenix und Los Angeles betroffen
Wie groß der Rückruf wirklich ist

Mit 3.800 Fahrzeugen betrifft der Rückruf praktisch die komplette aktive Waymo-Flotte in den USA. Zum Vergleich: Cruise, der eingestellte GM-Konkurrent, hatte 2023 nach einem Vorfall in San Francisco 950 Fahrzeuge zurückgerufen. Tesla rief im Februar 2024 im Rahmen seines Full-Self-Driving-Programms zwei Millionen Fahrzeuge per Software-Update zurück, allerdings ohne ein Robotaxi-Geschäft. Waymo ist das einzige Unternehmen mit einem kommerziell laufenden, fahrerlosen Robotaxi-Betrieb in mehreren US-Großstädten. Das Update wird per Over-the-Air ausgerollt, die Flotte fährt während der Implementierung in eingeschränktem Betrieb oder steht still.
Was der konkrete Software-Fehler bedeutet

Nach Angaben der NHTSA betrifft der Fehler die Erkennung bestimmter Verkehrssituationen, vermutlich Baustellen und ungewöhnliche Spurführungen. Waymo selbst spricht von einem „Edge-Case-Problem“, das in seltenen Konstellationen zu Fehlentscheidungen führen kann. Bisher liegen keine Berichte über Verletzte vor. Die NHTSA hatte bereits im April 2026 eine vorläufige Untersuchung gegen Waymo wegen vereinzelter Beinahe-Unfälle eingeleitet. Der aktuelle Rückruf könnte das Ergebnis dieser Untersuchung sein, ist aber offiziell als „freiwillige“ Sicherheitsmaßnahme deklariert.
Wer behauptet, autonomes Fahren sei reif für die Großstadt, sollte sich diesen Rückruf genau ansehen. Selbst die beste Flotte der Welt steht still, wenn ein Edge Case auftaucht. Für deutsche ÖPNV-Pilotprojekte heißt das: Lieber langsam und mit Sicherheitsfahrer als schnell und mit Rückruf.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was das für deutsche Mobilitäts-Entscheider bedeutet

In Deutschland laufen autonome Pilotprojekte in Hamburg (HEAT, MOIA), München (Yellowcab autonom), Berlin und Karlsruhe (KARLI). Alle arbeiten mit Sicherheitsfahrer oder in geschlossenen Routen. Wer in Aufsichtsräten oder Verkehrsbehörden über Förderprogramme entscheidet, hat mit dem Waymo-Rückruf ein neues Argument für vorsichtige Skalierung. Auch für die Diskussion um autonome E-Busse im ÖPNV ist das relevant: Wenn Alphabet trotz fünf Milliarden Dollar Investitionen und sieben Jahren kommerziellem Betrieb seine Flotte komplett patchen muss, wie verlässlich sind dann kürzere Entwicklungszyklen anderer Anbieter? Und ein Punkt für die Versicherungsbranche: Großflächige OTA-Rückrufe verändern die Risikobewertung autonomer Fahrzeuge fundamental.
Die Botschaft an deutsche Entscheider lautet: Autonomes Fahren ist 2026 weiter Realität, aber keine ausgereifte Technologie. Wer das in ÖPNV-Beschaffung, Logistik-Planung oder Förderprogramme einkalkuliert, plant mit Reserven.
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