Coding-Agenten drücken die Kosten, eine Software zu bauen, gegen null. Damit fällt der Engpass, der die Entwicklung jahrelang bremste, einfach weg. Übrig bleibt die unbequeme Frage, die schon vorher die schwierigste war: Was lohnt sich überhaupt zu bauen?
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSoftware bauen ist 2026 so billig wie nie, seit Coding-Agenten ganze Funktionen in Minuten ausschütten. In der Entwickler-Szene macht gerade ein Satz die Runde: Alle freuen sich, dass sie plötzlich programmieren können, und übersehen dabei den eigentlichen Punkt. Der Engpass war nie das Tippen, sondern die Entscheidung, was es wert ist, gebaut zu werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Coding-Agenten senken die Kosten der Umsetzung drastisch, der Wettbewerbsvorteil verschiebt sich auf die Produktentscheidung
- Schon vor der KI nutzte niemand rund 80 Prozent der gebauten Features, zeigt eine vielzitierte Pendo-Analyse
- Für Teams zählt jetzt weniger die Liefergeschwindigkeit als die Auswahl, welche Probleme den Aufwand überhaupt wert sind
Warum löst billiges Bauen das Problem nicht?

Die Hoffnung hinter jedem Produktivitätssprung lautet, mehr Output schaffe automatisch mehr Wert. Der Denkfehler sitzt genau hier. Eine vielzitierte Analyse von Pendo wertete die Nutzung über 615 Software-Abos aus und fand, dass rund 80 Prozent aller Features selten oder nie benutzt werden. Schon vor den Coding-Agenten floss ein Großteil der Entwicklungsarbeit in Funktionen, die kaum jemand anfasst. Billigeres Bauen lässt diesen Stapel ungenutzter Features nur schneller wachsen.
Was wird jetzt zum eigentlichen Engpass?

Mit der Umsetzung verliert die Geschwindigkeit ihren Sonderstatus. Die Auswahl rückt nach vorn: welches Problem echt ist und welche Lösung es wirklich trägt. Diese Arbeit lässt sich nicht an einen Agenten delegieren, weil sie Kontext und Kundennähe verlangt. Wie sich das Tempo beim Prototyping bereits verschoben hat, zeigt unser Bericht zum vierfach schnelleren KI-Prototyping. Die Debatte um parallele KI-Agenten hat zudem gezeigt, wo der Durchsatz wirklich hängt: am eigenen Urteil.
Billige Umsetzung belohnt nicht die schnellsten Teams, sondern die mit dem klarsten Urteil darüber, was überhaupt gebraucht wird. Genau dieses Urteil lässt sich nicht automatisieren.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Ihr Team?

Für Entscheider in der DACH-Region verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der Liefer- zur Auswahlfrage. Discovery wird wichtiger als Velocity: Bevor ein Agent loslegt, gehört geklärt, welches Kundenproblem die Funktion löst und woran sich Erfolg messen lässt. Praktisch heißt das, Roadmaps nach belegtem Bedarf zu sortieren statt nach Machbarkeit, und ungenutzte Funktionen genauso konsequent zu streichen wie neue zu starten. Die Grundlagen agentischer Werkzeuge ordnet unser LLMs-Ratgeber ein.
Der nächste Schritt kostet kein Tool-Budget: einmal die letzten zehn gebauten Features durchgehen und ehrlich prüfen, welche davon Nutzer wirklich verwenden. Das Ergebnis sagt mehr über die Produktentscheidung aus als jede Geschwindigkeitsmessung.